31.10.2014 06:45
Quelle: schweizerbauer.ch - sda
Forschung
Kolkraben stören Flirts, um Macht zu erhalten
Kolkraben, die bereits eine Beziehung und damit in der Gruppe hohes soziales Prestige haben, stören Flirts anderer Vögel. Damit behindern sie deren sozialen Aufstieg, wie Wiener Forscher im Fachjournal «Current Biology» berichten.

Der Kognitionsbiologe Thomas Bugnyar und sein Team von der Universität Wien und der Konrad Lorenz Forschungsstelle Grünau beobachteten eine Gruppe wild lebender Kolkraben (Corvus corax) in dem Alpental. Bis zu 300 Vögel umfasst diese Gruppe, wobei die hierarchische Stellung der Individuen von ihrem Beziehungsstatus abhängt.

Turtelnde belästigt

«Wenn zwei Vögel eine gute Beziehung haben, sind sie hochrangig, wenn ein Vogel keinen Freund hat, ist er ganz unten in der Hierarchie», erklärte Erstautor Jorg Massen der Nachrichtenagentur APA. Das höchste Ansehen hätten Pärchen, die schon ein Territorium haben. Geknüpft werden Beziehungen durch gegenseitiges Kraulen mit dem Schnabel.

Die Wissenschaftler beobachteten, dass solche Flirts immer wieder gestört und von anderen Raben unterbrochen werden. Entweder ging ein Rabe aggressiv auf die beiden Turtelnden los oder platzierte sich einfach zwischen die beiden. In 53 Prozent der Fälle war der Störenfried dabei erfolgreich und trennte die Flirtenden. In den übrigen Fällen riskierte er, gewaltsam vertrieben zu werden.

Politik der Störung

Es stellte sich heraus, dass die Unruhestifter vor allem jene Kolkraben waren, die bereits über eine gute Beziehung verfügen. «Offensichtlich wollen sie nicht, dass andere Tiere eine Beziehung aufbauen und sie damit Konkurrenz im Sozialprestige bekommen», sagte Massen. Weil gut in die Gruppe eingebundene Raben soziale Macht hätten, könnten sie sich solche riskanten Manöver leisten.

Dabei stellt der Flirt zum Zeitpunkt der Störung noch keine unmittelbare Gefahr für die soziale Stellung des Unruhestifters dar. «Es schaut ganz danach aus, als ob Raben ständig die Beziehungen anderer beobachten und wissen, wann es zu handeln gilt, um mögliche zukünftige Probleme zu verhindern», sagte Massen.

Die Vögel würden auch nicht gleich bei jedem Flirt dazwischen gehen, aber auch nicht warten, bis es zu spät ist. Ein derartiges «politisches» Vorgehen sei bisher noch bei keiner Tierart beschrieben worden.

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