26.11.2013 06:17
Quelle: schweizerbauer.ch - sda
Forschung
Mäuse haben Bluthochdruck nach künstlicher Befruchtung
Durch eine künstliche Befruchtung (IVF) entstandene Mäuse haben verhärtete Blutgefässe, höheren Blutdruck und leben weniger lange als natürlich gezeugte. Dies ergab eine Schweizer Studie.

 Andere Ärzte wenden ein, dass die Resultate nicht  auf Menschen übertragbar seien, die weitere Überwachung von  IVF-Kindern aber sinnvoll sei.

Das Team um Urs Scherrer vom Inselspital Bern fand bei den  Mäusen Gefässveränderungen, die jenen der Kinder von Frauen  glichen, die in der Schwangerschaft unter Präeklampsie litten. Dies  ist eine Bluthochdruckkrankheit, die auch  Schwangerschaftsvergiftung genannt wird, und bei Kindern das Risiko  für Herzkreislauf-Krankheiten leicht erhöht.

«IVF-Kinder bringen von Beginn weg gewisse Herzkreislauf-Risiken  mit, die sich später im Leben auswirken könnten», interpretierte  Scherrer auf Anfrage der Nachrichtenagentur sda die Resultate. Die  IVF-Mäuse in der Studie lebten auch 25 Prozent weniger lange als  ihre natürlich gezeugten Artgenossen.

Als Ursache vermuten die Forscher Veränderungen an den Genen,  die womöglich vom Kulturmedium für die Embryonen ausserhalb des  Mutterleibs begünstigt werden. Allerdings umfassten die Gruppen in  der Mäusestudie jeweils nur eine geringe Zahl von Individuen - ihre  statistische Aussagekraft ist deshalb eingeschränkt. An der Arbeit  waren auch Kollegen vom Unispital Genf beteiligt.

Menschenembryonen robuster

Laut anderen Fortpflanzungsmedizinern lässt sich nicht von der  Mausstudie auf Menschen schliessen. «Menschenembryonen sind  deutlich robuster als Mäuseembryonen», erklärte Anja Pinborg vom  Hvidovre-Spital nahe Kopenhagen, die eine grosse Studie über die  Auswirkungen von IVF leitet, auf Anfrage. 

«Was wirklich bei Menschen geschieht, wird sich erst in 10 bis  20 Jahren sagen lassen.» Denn Erkrankungen wie Herzinfarkte,  Diabetes oder Krebs treten erst im höheren Lebensalter häufiger  auf.

Manche anfänglichen Probleme bei IVF-gezeugten Kindern wie  Frühgeburten seien bereits seltener geworden, sagte Pinborg. Grund  sei, dass man die künstliche Reproduktion immer mehr der  natürlichen Geburt annähere: weniger starke hormonelle Stimulation,  weniger Mehrlingsschwangerschaften. Grundsätzlich sei es aber wichtig, die mit IVF gezeugten Kinder  auch weiterhin zu überwachen, betonte Pinborg. 

 Jedes 40. Baby künstlich gezeugt

Schon im letzten Jahr hatte ein Team um Scherrer je etwa 60 IVF-  und normal gezeugte Kinder untersucht und gefunden, dass die  IVF-Kinder versteifte Blutgefässe hatten. Daraus schlossen sie auf  ein erhöhtes Herzinfarkt-Risiko der IVF-Kinder. In Studien anderer  Forschergruppen wurden diese Effekte indes bisher nicht beobachtet.

In der Schweiz stagnieren gemäss dem Bundesamt für Statistik  (BFS) derzeit die Geburten mit Hilfe der Reproduktionsmedizin. Im  Jahr 2011 machten sie 2,5 Prozent aller Lebendgeborenen in der  Schweiz aus, insgesamt 2006 lebend geborene Kinder. Für die  Entwicklung der IVF erhielt der im April verstorbene Robert Edwards  2010 den Nobelpreis.

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