5.07.2013 07:36
Quelle: schweizerbauer.ch - sda
Forschung
Mäuse: Langlebige sind vorsichtiger als kurzlebige
Ein risikoreiches Leben kann früh enden. Das gilt nicht nur für Menschen, sondern auch für Mäuse. Das Dilemma schlägt sich in der Persönlichkeit nieder, berichten nun Zürcher Forschende im Fachblatt «PLoS ONE»: Langlebige weibliche Mäuse sind weniger aktiv und risikofreudig als kurzlebige.

Das Team um Anna Lindholm von der Uni Zürich hat 82 Mäuse untersucht, die zwei verschiedene Varianten eines Gens auf dem Chromosom 17 besassen. Die eine Variante lässt Mäuse länger leben - doch wenn die Nachkommen zwei Kopien von beiden Eltern erben, sterben sie. 

Langlebige sind weniger aktiv

Mit dem Versuch testeten die Forschenden eine evolutionäre Theorie, teilte die Uni Zürich am Donnerstag mit: Die «Life-History Theory» befasst sich damit, wie Individuen optimal in Wachstum und Fortpflanzung investieren. Dieser zufolge sollten längerlebige Tiere eine vorsichtigere Persönlichkeit aufweisen, um das Überleben zu sichern. 

Tatsächlich waren die Weibchen mit der Langlebigkeits-Genvariante weniger aktiv als jene mit dem anderen Gentyp. Sie kamen zudem mit weniger Nahrung aus und hatten einen geringeren Entdeckungsdrang. Damit zeigten sie die von der Theorie vorhergesagten Eigenschaften, erklärten die Forschenden. 

Langlebigkeit beeinflusst Persönlichkeit 

«Wir können erstmals einen Zusammenhang zwischen einem genetischen Element, das die Lebenserwartung beeinflusst, und der Persönlichkeit nachweisen», sagte Erstautor Yannick Auclair von der Uni Zürich in der Mitteilung. 

Den Forschenden zufolge leben die Mäuse mit höherer Lebenserwartung nach dem Prinzip «leb langsam, stirb alt», jene mit tieferer Lebenserwartung nach dem Motto «leb schnell, stirb jung». Ob sich diese Strategien in unterschiedlichem Fortpflanzungserfolg niederschlugen, haben die Forscher aber nicht untersucht. 

Mäuse brauchen Kühnheit 

Allerdings fanden die Forschenden keine extrem vorsichtigen Mäuse, die es gemäss der Theorie ebenfalls geben sollte. Sie vermuten, dass allzu vorsichtige Mäuse im Mäusealltag schlechte Karten haben: «Um als Maus erfolgreich Nahrung finden und sich fortpflanzen zu können, braucht es offenbar ein Mindestmass an Kühnheit», erklärte Auclair.

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