4.10.2019 09:15
Quelle: schweizerbauer.ch - sda
Forschung
Mega-Projekt: Säugetier-Atlas
Wo genau leben die etwa 270 Säugetierarten, die es in Europa gibt? Ein Projekt erforscht ihre Verbreitung in 42 Ländern, darunter die Schweiz. Die Karten sollen auch zeigen, wie sich Bestände verändert haben.

Biber, Wolf und Goldschakal sind in Europa auf dem Vormarsch. Auch Elche und Braunbären erobern regional neue Gebiete. Der Europäische Nerz dagegen verschwindet zunehmend von der Landkarte - und etliche Fledermausarten sind stark rückläufig.

600 Seiten Atlas

Doch wie genau sieht es mit der Verbreitung der Säugetiere in Europa aus? Und vor allem: Wie haben sich deren Lebensräume in den vergangenen 25 Jahren verändert? Diese Fragen nimmt ein Grossprojekt der Stiftung Europäische Säugetiere in den Blick: Es erforscht, wie die rund 270 Säugetierarten aktuell in Europa verbreitet sind, und hält deren Vorkommen auf Karten fest.

«Es ist ein Mammutprojekt», sagt der Sekretär der Stiftung, Laurent Schley, in Luxemburg. Die Fläche, die kartiert werden solle, umfasse 11,5 Millionen Quadratkilometer in 42 Ländern: «Von Portugal bis zum Ural und von Griechenland bis Spitzbergen.» Die Ergebnisse sollen 2024 in einem rund 600 Seiten dicken Atlas erscheinen. «Es ist das weltweit grösste Kartierungsprojekt für Säugetiere», betont der Biologe.

Vergleich mit Zustand von 1999

Das Besondere sei, dass 1999 bereits eine erste Ausgabe des Atlas erschien - wenn auch nur für etwa die Hälfte der Fläche. «Das ermöglicht uns jetzt einen Langzeitvergleich, auch im Zuge des Klimawandels», sagt Schley. Er steuert mit neun weiteren Wissenschaftlern das Projekt, das 73 nationale Koordinatoren einbindet. Die Informationen zur Verbreitung seien vor allem wichtig, um die Arten besser schützen zu können.

Um die Datensammlung in den europäischen Ländern zu unterstützen, ruft die Stiftung Europäische Säugetiere mit Sitz im niederländischen Nimwegen zu Spenden auf. Es müssten etwa Wildkameras, Ferngläser und Fledermausdetektoren gekauft werden. Die Unterstützung sei gerade in jenen Ländern wichtig, in denen es kaum finanzielle Hilfe von Seiten der Regierung gebe. Mit einer Spende könne man einen Beitrag zum Schutz der Säugetiere leisten, sagt Schley.

Schweizer Säugetieratlas fliesst mit ein

Die Schweiz war bereits beim ersten europäischen Säugetieratlas dabei und ist auch dieses Mal involviert. «Wir sind in der glücklichen Lage, dass wir dank verschiedenen Projekten, Partnerschaften und Aktivitäten über eine im Vergleich zu vielen anderen europäischen Ländern sehr gute Datengrundlage verfügen», erklärte Simon Capt von info fauna, dem Schweizer Zentrum für die Kartografie der Fauna, auf Anfrage der Nachrichtenagentur Keystone-SDA.

Insbesondere das aktuell laufende Projekt eines neuen Atlas der Säugetiere der Schweiz und Liechtensteins habe eine weitere Verbesserung der Datengrundlage gebracht, so Capt. Er fungiert als Koordinator für die Schweiz beim europäischen Säugetieratlas. Inhaltlich erfülle die Datenbank der Schweiz bereits heute fast vollständig die Anforderungen der europäischen Datenbank.

Derzeit ist das Bundesamt für Umwelt (Bafu) ausserdem dabei, die nationale Rote Liste der Säugetiere von 1994 zu überarbeiten. Noch stünden allerdings keine kommunizierbaren Resultate zur Verfügung, schrieb das Bafu auf Anfrage.

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