22.04.2015 09:31
Quelle: schweizerbauer.ch - sda
Forschung
Mythos über Hund und Wolf widerlegt
Im Vergleich zu Wölfen gelten Hunde als tolerant und weniger aggressiv. Österreichische Wissenschaftler haben nun diesen Mythos widerlegt. Sie berichten, dass Wölfe sogar toleranter miteinander umgehen als Hunde - zumindest wenn es ums Futter geht.

Die Domestizierung der Hunde begann vor rund 15'000 Jahren. Man geht davon aus, dass die Menschen tolerante Tiere bevorzugten und sich so kooperative und wenig aggressive Hunde entwickelten. Aufbauend darauf wurde von Forschenden vorgeschlagen, dass diese Fähigkeiten auch für die Beziehung zwischen Hunden gelten.

Lineare Dominanzhierarchie

Ob Hunde tatsächlich auch zu ihren Artgenossen weniger aggressiv und toleranter sind als Wölfe, haben Friederike Range und Zsofia Viranyi von der Veterinärmedizinischen Universität Wien untersucht. Sie arbeiteten dazu mit von Menschen aufgezogenen und in Hunde- und Wolfsrudel gehaltenen Tieren (neun Wölfe, acht Mischlingshunde) im Wolfsforschungszentrum Ernstbrunn.

Sowohl bei Wölfen als auch bei Hunden gibt es eine «lineare Dominanzhierarchie», sagte Range der Nachrichtenagentur APA. An der Spitze der Rangordnung steht das Alpha-Tier, dann kommt ein Hund respektive Wolf nach dem anderen. In den Versuchen wurden je ein ranghöheres und ein rangniedrigeres Tier gemeinsam gefüttert.

Wölfe toleranter

Bei den Wölfen haben sich rangniedrigere von ranghöheren Tieren nicht einschüchtern lassen, ihren Anteil am Futter verteidigt und waren ebenso oft aggressiv wie ranghöhere Artgenossen. Bei den Hunden dagegen hielten sich rangniedrige Tiere zurück und akzeptierten, dass die ranghöheren das Futter für sich beanspruchten.

Insgesamt zeigten allerdings weder Wölfe noch Hunde sehr viel Aggression (nur in einem Drittel der Versuche) - und wenn, dann hauptsächlich in Form von Drohverhalten. Die Resultate wurden im britischen Fachjournal «Proceedings of the Royal Society B» veröffentlicht.

«Offensichtlich ist bei Hunden die Sensitivität gegenüber einem höheren Rang stärker als bei Wölfen», sagte Range. So könnten bei den Wölfen auch niederrangige Tiere protestieren und dominante Artgenossen würden dies tolerieren. «Wölfe sind in der freien Wildbahn darauf angewiesen, zu kooperieren, sie jagen zusammen und ziehen ihren Nachwuchs gemeinsam auf. Toleranz scheint hier wichtig zu sein», sagte die Forscherin.

Basis der Mensch-Hund-Beziehung

Schon in mehreren Untersuchungen haben Range und Viranyi gezeigt, dass Wölfe keineswegs weniger kooperativ, tolerant oder sozial aufmerksam als Hunde sind. Diese Fähigkeiten der Wölfe könnten die Basis der Mensch-Hund-Beziehung sein, vermuten die Wissenschaftlerinnen.

Sie gehen davon aus, dass der Mensch bei der Domestizierung des Wolfs wahrscheinlich möglichst gehorsame Tiere selektierte. In der Beziehung zwischen Hund und Mensch gehe es eher darum, ohne Konflikte miteinander zu leben und nicht um Gleichberechtigung.

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