19.03.2014 06:29
Quelle: schweizerbauer.ch - sda
Forschung
Neue Käferarten stellen Theorien auf den Kopf
Im Bergregenwald auf Bali haben Insektenkundler auch bisher unbekannte Arten von Rüsselkäfern gefunden. Sie stellen bisherige Annahmen zur Entwicklung der Arten auf den Kopf.

Nun will das Team um Alexander Riedel vom Staatlichen Museum für Naturkunde in Karslruhe die Arten wissenschaftlich beschreiben und erkunden, welchen Platz die kleinen Rüsselkäfer der Gattung Trigonopterus in der Evolution einnehmen.

Können nicht fliegen

In der britischen Fachzeitschrift «Proceedings of the Royal Society B» beschreibt Riedel mit Kollegen aus München und Indonesien, wie sich die ersten Käfer dieser Gattung in Neuguinea entwickelt haben - dort gibt es mehr als 300 Arten dieser Gattung.

Bisher ist ungeklärt, wie die Verwandten der Käfer auf die Insel Bali gekommen sind, obwohl die nur wenige Millimeter grossen Käfer nicht fliegen können. Anhand von molekulargenetischen Untersuchungen wiesen die Forscher nach, dass verschiedene Vorfahren der heute auf Bali lebenden Rüsselkäfer-Arten zu unterschiedlichen Zeitpunkten die indonesische Insel erreichten. Klar ist inzwischen auch, dass diese Tiere auf einem weiten Weg von Osten kamen und nicht von der viel näher gelegenen Insel Java im Westen.

Nicht an Wallace-Linie gehalten

Ausserdem liegt im Osten die sogenannte Wallace-Linie. Sie trennt die asiatische Tierwelt von der eher australischen geprägten Fauna. «Das Interessante ist, dass diese Rüsselkäfer sich überhaupt nicht daran halten», sagt Riedel der Nachrichtenagentur dpa. Jede Art habe ihre eigene ökologische Nische, die beim Abbau der Bodenstreu eine Rolle spiele. Riedel erkundet auf Bali seit 2001 in regelmässigen Exkursionen die feuchte Laubschicht der unberührten Bergwälder. Im Nationalpark Bali Barat leben die Käfer in Höhen ab 450 Metern über dem Meeresspiegel.

Bei den Exkursionen wird der Käferforscher von Einheimischen begleitet. Diese begegnen ehrfürchtig den Bergwäldern. «Die Balinesen sind oft sehr gläubig», sagt Riedel. «An der Grenze des Waldes entzünden sie erst einmal ein paar Räucherstäbchen und bringen ein kleines Blumenopfer dar. Sie beten, dass man die Götter nicht stört und um einen Segen für den Aufenthalt im Wald.»

Solche Ehrfurcht trägt vielleicht dazu bei, die Regenwälder zu erhalten. «Leider sind die neu entdeckten Käferarten ebenso wie ihre Lebensräume stark bedroht», erklärt Riedel. Die Insel wird von Reisfeldern geprägt. Der Regenwald ist nur noch im Nationalpark Bali Barat sowie an einigen Vulkanhängen erhalten.

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