11.09.2014 14:44
Quelle: schweizerbauer.ch - sda
Mücken
Per Satellit auf Mückenjagd
Im Kampf gegen Malaria wollen deutsche Forscher mit einer neuen Methode punkten. Dazu gehören Satellitenbildkarten und eine Technologie, mit der bereits am Rhein Mücken bekämpft werden.

Ein Praxistest läuft derzeit in Burkina Faso. «Das Endziel, das wir erreichen wollen, ist, die malariabedingten Todesfälle zu senken», sagt Projektleiter Peter Dambach von der Universität Heidelberg. Nach seinen Angaben ist das Vorhaben in dieser Form einmalig.

Es setzt auf eine Methode, die die Kommunale Aktionsgemeinschaft zur Bekämpfung der Schnakenplage (Kabs), der 99 Kommunen am Oberrhein angehören, schon seit fast vier Jahrzehnten einsetzt: Das Bakterium (Bacillus thuringiensis israelensis, kurz: Bti), das nach Angaben der Kabs nur die Larven von Stechmücken abtötet, die nach Hochwasserwellen am Rhein schlüpfen.

Bakterium tötet Mückenlarven

Sie habe auf andere Lebewesen keine Wirkung. «Wir haben eine Reduktion bis zu 98 Prozent», sagt Norbert Becker, wissenschaftlicher Direktor der Kabs. Nun wird der Bti-Einsatz in Afrika getestet. In Burkina Faso wurden die Ziele bei der Malaria-Bekämpfung bisher nicht erreicht. Ein Malaria-Bekämpfungsprogramm, das unter anderem auf imprägnierte Netze über den Betten setzt, hat nur bedingt Erfolg. Die Netze werden nicht flächendeckend verwendet. Becker hält die Bekämpfung der Larven für kostengünstiger und effektiver.

Mit 400'000 Euro (483'000 Franken) fördert die Stiftung des Unternehmers Manfred Lautenschläger das Projekt. Es vergleicht in 127 Kommunen mit etwa 150'000 Einwohnern drei Strategien: Den Einsatz von Bettnetzen allein oder Bettnetze in Kombination mit Bti, mit dem alle Brutgewässer behandelt werden. Die dritte Strategie ist neu und sparsam: Bti wird gezielt nur dort eingesetzt, wo sich gehäuft Larven im Wasser finden. Die Mückenbekämpfer finden die relevanten Stellen mit Hilfe von Satellitenbildkarten.

Wassertrübung im Satellitenbild

Sie bilden Trübung, Färbung und Nährstoffverfügbarkeit des Wassers ab und helfen so, die bevorzugten Brutplätze zu finden: sauberes Wasser, in dem es Pflanzen gibt. Daraus könne man folgern, dass die Mückendichte dort hoch sei - und das Bti einsetzen, erklärt Dambach. Bti werde auch bei Projekten in Äthiopien und Kenia eingesetzt, dort werde aber nicht mit Satellitenbildern gearbeitet, sagt er. Gemessen wird nicht nur die Mückenbelastung, sondern auch die Fälle von Malaria bei Kindern werden erhoben. Denn es nutze nichts, wenn nur die Larvenzahl sinke, sagt der Geograf.

Noch gibt es keine endgültigen Ergebnisse. Die Untersuchung, die der ersten Erhebungsphase ohne Bti von 2013 folgt, läuft bis 2015. Aber aus vielen Dörfern werde berichtet, dass die Mücken- und Stichzahlen bereits deutlich gesunken seien, sagt Dambach. Der Experte Egbert Tannich vom Bernhard-Nocht-Institut für Tropenmedizin in Hamburg spricht von einem interessanten Ansatz. «Ich kenne keine Untersuchung, bei der das schon einmal gemacht wurde», sagt er mit Blick auf den Einsatz von Satellitenbildkarten und Bti.

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