6.12.2014 13:27
Quelle: schweizerbauer.ch - Raphael Bühlmann
Energie
«Pferdemist könnte ganzes Atomkraftwerk ersetzen»
Durch den Entscheid im Ständerat ist klar: In Zukunft sollen Heu, Stroh oder auch Mist zum Heizen verbrennt werden dürfen.

Durch den Entscheid im Ständerat ist klar: In Zukunft sollen Heu, Stroh oder auch Mist zum Heizen verbrennt werden dürfen.raphael BühlmannEine Zentralschweizer Unternehmung hat sich auf die Aufbereitung von biogenen Reststoffen spezialisiert. Die Bioburn AG verarbeitet unter anderem Laub, Stroh oder Heu zu Pellets, welche anschliessend in Heizungen verbrennt werden können. Das Potenzial sei gross, bestätigt Markus Studer von Bioburn. «Könnten wir beispielsweise den gesamten Pferdemist in der Schweiz sammeln und verarbeiten, hätte dies denselben Energiewert wie das Atomkraftwerk Beznau 1.»

Die Idee scheint also vielversprechend. Das Problem ist nur, dass das Verbrennen von biogenen Abfällen in der Schweiz verboten ist. Oder besser gesagt «verboten war». Nach dem Nationalrat hat nun nämlich auch der Ständerat einer Motion von Nationalrat Ruedi Lustenberger (CVP, LU) zugestimmt, die den Bundesrat beauftragt, dem Parlament die notwendigen Gesetzesänderungen zu unterbreiten, damit biogene Abfälle in Zukunft verbrannt werden dürfen.

Zu Unrecht verboten

Lustenberger argumentierte in seinem Vorstoss, dass Reststoffe derzeit nicht verbrennt werden dürften, weil sich die heute gültigen Verordnungen und Gesetze auf die zum Zeitpunkt des Verfassens vorhandenen Technologien abstützten. Komme es zu technologischen Verbesserungen, würden diese teilweise zu Unrecht verboten bleiben. 

Das Begehren Lustenbergers fand bereits in der vorberatenden ständerätlichen Kommission für Umwelt, Raumplanung und Energie (Urek-S), mit 7 zu 4 Stimmen eine Mehrheit. «Für die Kommission erscheint es absolut sinnvoll, für innovative Ideen bei der biogenen Reststoffverwertung die gesetzlichen Rahmenbedingungen so zu schaffen, dass die Verbrennung und damit in erster Linie eine energetische Nutzung möglich ist», begründete der Präsident der Urek-S Ivo Bischofsberger (CVP, AI) den Kommissionsentscheid.

Zu wenige Erfahrungen

Ebenfalls stelle sich die Kommission klar hinter den Standpunkt, dass Biomasse möglichst vollständig verwertet und nach Möglichkeit dann in den natürlichen Stoffkreislauf zurückgeführt werden müsse. Grundsätzlich solle auch nur Material verbrennt werden, für welches technisch keine andere stoffliche Verwertung mehr möglich oder wirtschaftlich nicht mehr tragbar sei. «Wir pelletierten auch Ökoheu in Berggebieten der Schweiz, für welches aufgrund billiger Importe aus Österreich kein Nutzen mehr bestand», sagt Studer.

Gegen entsprechende Anpassungen sprach sich im Ständerat unter anderen auch Bundesrätin Doris Leuthard (CVP, AG) aus. Man habe bezüglich Verbrennung von biogenen Abfällen noch zu wenige Erfahrungen gemacht. «Wir haben mit solchen neuen Ideen – z.B. Verbrennung von Kaffeesatz – nicht grundsätzlich ein Problem. Wir können aber nicht einfach eine Freigabe machen, bevor wir wissen, dass für die Bevölkerung und die Umwelt keine Gefahr besteht», sagte sie im Ständerat.

Dem Boden fehlt Dünger

Das Problem sei zudem die Kreislaufwirtschaft: Biomasse habe man heute in der Landwirtschaft auch als Düngemittel, was sinnvoll sei. Die Biomasse enthalte sehr viele Nährstoffe, die für den Boden wichtig seien. «Wenn man diese Biomasse jetzt verbrennt, dann fehlen nachher bei den Böden die mineralischen Dünger, und man muss diese nachträglich wieder zuführen, was eigentlich unsinnig ist», argumentierte die Bundesrätin. Dies tat sie allerdings vergebens. Die kleine Kammer folgte der Motion Lustenbergers mit 24 zu 17 Stimmen bei 1 Enthaltung.

Energiepotenzial

Die Zahlen der effektiv ungenutzten Energie aus Biomasse variieren. Das Potenzial dürfte aber gross sein. Laut einer Studie im Auftrag vom Bundesamt für Energie könnten aus Ernterückständen und Hofdüngern zusätzlich rund 85000 Terajoule Energie gewonnen werden. Die Unternehmung Bioburn strebt pro Kilo Pellets aus landwirtschaftlichen Abfällen einen Energiegehalt von 4,5 Kilowatt an. Zum Vergleich: Holz enthält 4,7 und Schnitzel 3,6 Kilowatt.

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