20.06.2013 12:14
Quelle: schweizerbauer.ch - lid/blu
Pferde
Pferdezucht: Tierschutz will strengere Kontrollen und Neuausrichtung
Der Schweizer Tierschutz STS hat im Rahmen einer Recherche mehrere Zuchtbetriebe von Freibergern besucht. Der STS fordert nun strengere und unangemeldete Kontrollen. Zudem soll geprüft werden, ob auch andere Zuchtverbände unterstützt werden können.

Seit der letzten Freibergerrecherche in den Jahren 2000/2001 seien in gewissen Bereichen Verbesserungen bei der Freibergerhaltung festgestellt werden, schreibt der STS in seinem heute veröffentlichten Bericht. Kritisiert wird vom Tierschutz aber, dass die meisten Pferde im Winter wahrscheinlich nach wie vor vorwiegend im Stall gehalten werden.

Mehr unangemeldete Kontrollen gefordert

Nebst Überbelegung von Boxen und Laufställen sowie ungenügenden Lichtverhältnissen wurden bei Kontrollen im Winter/Frühjahr 2012/13 in mehreren Betrieben angebunden gehaltene Pferde gefunden. Dies würde der Tierschutzverordnung widersprechen, so der STS. "Es ist offensichtlich: Im Jura verbringen noch immer viele Pferde die Wintermonate in engen, dunklen und oft miefigen Ställen", so das Fazit des STS.

Der STS fordert deshalb, dass künftig ein Drittel der Kontrollen unangemeldet erfolgt und ein besonderes Augenmerk auf die untersagte Anbindehaltung (ab 1. September 2013) gelegt wird. Besonders wichtig seien zudem Kontrollen während des Winterhalbjahres, schreibt der STS. 

Unterschiedliche Auffassung bezüglich Schlachtquote

Seit längerem kritisiert der Schweizer Tierschutz, dass für Freiberger auch dann Zuchtprämien bezahlt werden, wenn die Tiere mangels Zuchttauglichkeit schlussendlich geschlachtet werden. Im aktuellen Bericht schreibt der STS, dass für einen Grossteil der Züchter diese eigentlich für die Tierzucht bestimmten Beiträge eine Art Schlachtprämie sei, was eine Verschleuderung von Steuergeldern darstelle. Nach Ansicht des STS werden rund 40 bis 50 Prozent der Freibergerfohlen geschlachtet. Der Schweizerische Freibergerzuchtverband geht hingegen von einer Schlachtquote von weniger als einem Drittel der Fohlen aus.

Klarheit darüber, wie viele Fohlen tatsächlich auf der Schlachtbank landen, dürfte künftig die Tierverkehrsdatenbank geben. Ende 2012 lief die Frist zur Registrierung von Pferden aus. Vermerkt werden müssen dort sowohl Zu- als auch Abgänge.

Auch andere Zuchtverbände unterstützen

Künftig sei auf Qualität und Nachfrage zu achten statt auf Quantität, betont der STS. "Die Subventionierung der Fohlenproduktion für den Metzger gehört abgeschafft", so die Forderung. Es sei auch zu hinterfragen, weshalb nur die Freibergerzüchter vom Bund für ihre züchterischen Bemühungen unterstützt werden. "Im Sinne einer vielfältigen, marktkonformen und bäuerlichen einheimischen Pferdezucht ist vom Bund unvoreingenommen zu prüfen, welche anderen Pferdezuchtverbände möglicherweise auch gefördert werden könnten", schlägt der Schweizer Tierschutz vor.

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