2.06.2020 13:37
Quelle: schweizerbauer.ch - AgE
Forschung
Pflanzen blühen dank Hummeln rascher
Wenn Pollen Mangelware sind, beschädigen Hummeln Blätter von Blütenpflanzen so, dass diese schneller blühen. Das zeigten Untersuchungen, die ein Forschungsteam der ETH Zürich unter Leitung von Consuelo De Moraes und Mark Mescher sowohl an Gewächshauspflanzen als auch im Freiland durchgeführt haben.

Die Forscher stellten fest, dass Hummelarbeiterinnen mit ihren Mundwerkzeugen in die Blätter von blütenlosen Pflanzen kneifen. Der daraus entstandene Schaden regte die Pflanzen zur Produktion neuer Blüten an, die früher blühten als diejenigen von Pflanzen, denen Hummeln diesen „Stupser“ nicht gaben.

Dass die von Hummeln verursachten Schäden die Blütenproduktion beschleunigen, kam für die Wissenschaftler „unerwartet“. Anhand ihrer Laborversuche mit Tomaten- und Senfpflanzen konnten sie zudem belegen, dass die Neigung der Hummeln, Blätter zu schädigen, stark von der verfügbaren Pollenmenge abhängt. Standen den Bestäuberinnen keine oder nur wenige Pollen zur Verfügung, schädigten sie die Blätter ihrer potentiellen Nahrungslieferantinnen häufiger und stärker, als wenn genug Pollen vorhanden waren.

Dabei wirkten sich die Schäden an den Blättern der Versuchspflanzen stark auf die Blütezeit aus. Tomatenpflanzen, die dem Hummelverbiss ausgesetzt waren, blühten laut den Forschern bis zu 30 Tage früher als solche ohne Verbiss. Bei Senfpflanzen verschob sich der Blühzeitpunkt um zwei Wochen nach vorne. Das ETH-Forschungsteam konnte dieses Verhalten der Hummeln auch unter natürlicheren Bedingungen beobachten. Und nicht nur Zuchthummeln, auch mindestens zwei Arten Wildhummeln schädigten die Pflanzenblätter.

Andere nahverwandte Bestäuberinnen wie Honigbienen zeigten jedoch kein solches Verhalten. Hummeln hätten möglicherweise eine wirksame Methode entwickelt, um lokal Pollenmangel zu lindern, erklärte De Moraes. Draussen in der Natur gebe es auch andere Bestäuber, die von den Bemühungen der Hummeln profitieren könnten. Es bleibe jedoch abzuwarten, ob dieses Verhalten ausreiche, um die Herausforderungen des Klimawandels zu bewältigen. Insekten und Blütenpflanzen teilten eine lange gemeinsame Entwicklungsgeschichte, die ein empfindliches Gleichgewicht zwischen Blühzeitpunkt und Bestäuberentwicklung hervorgebracht habe.

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