25.12.2017 09:40
Quelle: schweizerbauer.ch - lid
Wildtiere (3/9)
Potenziell gefährlicher Rückkehrer
1971 kam der Luchs zurück in die Schweiz, 1995 der Wolf und 2005 auch der Bär. Doch seit diese Grossraubtiere im 19. Jahrhundert ausgerottet wurden und durch eine unkontrollierte Übernutzung der Wälder auch keine Lebensgrundlage mehr fanden ist viel Zeit vergangen. Sie kehren zwar in eine wiederaufgeforstete Landschaft mit gesunden Wildbeständen zurück – doch sind Konflikte vorprogrammiert.

In prähistorischer Zeit besiedelte der Braunbär die ganze Schweiz. Bereits um das Jahr 1500 war er aber nahezu aus dem gesamten, damals schon durchgehend besiedelten und weitgehend entwaldeten Mittelland verschwunden. Zwischen 1800 und 1850 wurden die letzten Braunbären der Nordalpen erlegt.

Auch die Jurapopulation verschwand in dieser Zeit. Länger überlebte die Art in den Bündner und Tessiner Alpen. Das Aufkommen moderner Gewehre liess hier die Zahl der Bärenabschüsse nochmals hochschnellen. Zu Beginn des 20. Jahrhunderts war der Braunbär nur noch im südöstlichen Teil der Schweiz - Unterengadin, Val Müstair und Val dal Spöl - heimisch.

2005 wieder eingewandert

1904 erfolgte der letzte Abschuss auf Schweizer Gebiet, 1923 die letzte Sichtbeobachtung. Schon bald nach der Ausrottung des Braunbären begann die Diskussion über den Wunsch seiner Rückkehr in die Schweiz.Potenziell geeignete Lebensräume finden sich in den Tessiner und Bündner Alpen in Verbindung mit den waldreichen Alpengebieten Italiens aus denen der Braunbär einwandern kann.

Seit 2005 wandern Bären sporadisch aus dem Trentino in den Kanton Graubünden ein. In den letzten Jahren wurden auch die Kantone Uri, Schwyz und - im Mai 2017 - Bern besucht. Bis anhin handelte es sich ausschliesslich um Männchen. Zwei davon, JJ3 und M13, wurden im April 2008 beziehungsweise Februar 2013 geschossen, weil sie sich wiederholt in Siedlungen aufhielten und als gefährlich eingestuft wurden.

Bären lieben Honig

Bei Bären ist vor allem die Futterbeschaffung in Siedlungen ein Problem. Sie können bei Futtermangel auch in Dörfer, Häuser und Ställe eindringen. Bären haben eine besondere Vorliebe für Honig. Es kommt immer wieder zu Plünderungen von Bienenstöcken. Durch die Installation von Elektrozäunen lässt sich dies verhindern.

Bären sind schon alleine aufgrund ihrer Grösse und enormen Kraft potenziell gefährlich. Grundsätzlich sind sie ebenfalls scheu und meiden die Menschen. Dies gelingt ihnen durch ihren sehr guten Geruchs- und Gehörsinn meistens. Es kommt deshalb nur selten zu direkten Begegnungen von Bär und Mensch.

Mensch und Bär

Übergriffe können jedoch tödlich enden; vorwiegend im Balkan, den Karpaten und dem europäischen Teil Russlands, wo noch grössere Bärenpopulationen leben, sind solche Fälle bekannt. Die Opfer waren in der Regel alleine im Wald unterwegs, meist bei leisen Tätigkeiten wie Pilze- oder Beerensammeln und bei ungünstigen Windverhältnissen.

Wird ein Bär unter solchen Umständen von Menschen überrascht und fühlt sich bedroht, kann es kritisch werden, besonders wenn es sich um ein Weibchen mit Jungen handelt. Im Trentino hatte eine Bärin innerhalb zweier Jahre zwei Menschen angegriffen. Sie wurde deshalb als gefährlich eingestuft und im Juli 2017 geschossen. Auch der Bär reisst ab und zu Nutztiere, was ebenfalls zu Konflikten mit Nutztierhaltern führt.

Kurzporträt Braunbär (Ursus arctos)

Grösse: Ausgewachsene Männchen bis 300 Kilo, Weibchen rund 25 Prozent leichter

Verbreitung: Früher in ganz Europa und Asien nördlich des Himalaya. Heute lückenhafte Verbreitung in Europa.

Lebensraum: Wegen starker Verfolgung heute vorwiegend in Wäldern und Gebieten mit hohem Anteil an Deckungsmöglichkeiten. Lebt einzelgängerisch in festen, aber nicht exklusiven Streifgebieten.

Paarungszeit: Mai bis Juli

Tragzeit: Zwei Monate

Wurfgrösse: 1 bis 4 kleine, blinde und nackte Junge werden im Winterlager geboren. Im April oder Mai verlässt die Mutter mit ihren Jungen das Winterlager

Nahrung: Ernährt sich als opportunistischer Allesfresser in erster Linie pflanzlich. Frisst auch Insekten, Aas, Huftiere

Status in der Jagdverordnung: geschützt mit Ausnahmen


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