29.07.2018 09:42
Quelle: schweizerbauer.ch - Hans-Peter Widmer
Aargau
Pro-Specie-Rara-Tiere als Existenz
André Steiner führt im aargauischen Birmenstorf einen besonderen Kleinbetrieb mit gefährdeten Schweizer Nutztierrassen – und sieht Potenzial, ihn auszubauen. Er setzt auf die Zusammenarbeit mit verschiedenen Partnern.

Der 32-jährige gelernte Dachdecker, der seit der Rekrutenschule im Hauptberuf als Lastwagenchauffeur arbeitet, ist auch noch Tierhalter mehrerer Specie-Rara-Rassen. Er besitzt 8 Hasen, 15 Hühner, 25 Wollschweine, 16 Ziegen, 65 Schafe und seit neustem 8 Rinder und Ochsen.

Die Tiere leben in extensiver Freilandhaltung auf rund 5 Hektar Fläche. Das Fleisch wird auf Spezialitätenmärkten und an einem Take-away-Stand in einem Einkaufszentrum sowie über das Internet verkauft. Zum Kleinbetrieb gehören noch ein Streichelzoo, ein Partyservice mit Grillspezialitäten und Festzeltvermietung.

Hof ohne Land

Steiners Menagerie umfasst gefährdete Schweizer Nutztierrassen. Darum hat er seinem Betrieb den Namen Arche gegeben – in Anlehnung an den biblischen Noah, der bei der Sintflut auf seinem Schiff den Fortbestand der bedrohten Tierwelt sicherte. «Steini’s Arche» schwimmt allerdings nicht im Wasser, sondern steht auf festem Boden – aber auf fremdem Land. Denn ausser dem Wohnhaus und einem Scheunenanteil mitten in Birmenstorf besitzt der Hof keine eigenen Grundstücke.

Aber das ist kein Problem. Es gibt genügend Flächen, die niemand mehr bewirtschaften will. Zum Beispiel eine hektarengrosse Wiese am Steilufer der Reuss, neben der bekannten Birmenstorfer Lindmühle. Diese Weide mit schattenspendenden Nuss- und Apfelbäumen sowie einer aus dem Hang sprudelnden Quelle ist ideal für die hier eingehegte Nera-Verzasca-Ziegenherde mit dem reinschwarzen Haarkleid und das robuste Jungvieh der Evolèner-, Hinterwälder-, Emmentaler- und Grauvieh-Rassen.

Zusammenarbeit

André Steiner zieht mit den Tieren von Weide zu Weide, auch in benachbarte Dörfer. An allen Standorten habe er gute Nachbarn sagt er. Er stellt ihnen beim Weideantritt mit einem Flyer seinen Betrieb vor. Die Leute melden ihm dafür Vorfälle wie defekte Zäune oder auffälliges Tierverhalten. Ganz allein kann er die Arbeit neben seinem 80-Prozent-Chauffeurjob jedoch nicht bewältigen. Sein pensionierter Vater, pensionierter Metzger, kümmert sich um die Büroarbeit und den Fleischvertrieb. Gelegentlich schauen auch Schwester und Schwager, ein Gottenkind sowie Kollegen zu den verscheidenen Tieren.

Zusammenarbeit ist für Steiner wichtig. Ein Partner im Appenzellischen unterstützt ihn bei der Ausmast der Wollschweine. Zwei Privatmetzgereien verarbeiten das Fleisch der Specie-Rara-Rassen zu Spezialitäten. Als Hit werden die mit Whisky verfeinerten «Fleischchnebel»  sowie die Salamipralinen empfohlen. Ein anderer Kollege hat ihm dieses Frühjahr das erste Jungvieh zur Pflege anvertraut, damit er deren artgerechte Betreuung erlernen kann. Ab nächstem Jahr möchte er eigene Tiere halten.

Ziel Haupterwerb

Mit ihrem Betrieb wollen Steiners dem Umfeld bedrohte Schweizer Nutztierrassen nicht nur in Form der berühmten Roten Listen in Erinnerung rufen, sondern in natura näherbringen. Zur Vertiefung dieser Beziehung – und natürlich auch mit einem monetären Hintergedanken – wurde letztes Jahr der Verein «Freunde von Steini’s Arche» gegründet. Er zählt laut Vater Armin Steiner, dem Präsidenten, bis jetzt rund 25 Mitglieder und bietet  Patenschaften für verschiedene Specie-Rara-Tierrassen an.

Neben grossen Gemüsebaubetrieben in Birmenstorf  wirkt Steini’s Arche wie eine Urform bäuerlicher Tätigkeit und Mischung zwischen Hobbybeschäftigung und Nebenerwerbbetrieb. Reich sei er damit bis jetzt nicht geworden, gesteht André Steiner: Was verdient wurde, habe man in Einrichtungen investiert – «und insbesondere im Eventangebot auch Lehrgeld bezahlt». Aber er möchte die Arche schrittweise zu seinem Haupterwerb machen und sich noch landwirtschaftlich weiterbilden, um auch die Voraussetzungen für Öko-Beiträge zu erfüllen. 

Mehr Infos zu ProSpecieRara gibt es hier

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