16.10.2018 10:27
Quelle: schweizerbauer.ch - AgE
Frankreich
Proteste gegen Bären-Auswilderung
Die Braunbärenpopulation in den französischen Pyrenäen ist durch Auswilderung von zwei Tieren gewachsen. Bauern protestierten gegen die Freisetzung der Bären. Es wurden Strassensperren errichtet.

Wie Umweltminister François de Rugy mitteilte, wurden am 4. und 5. Oktober in der Provinz Béarn im Département Pyrénées-Atlantiques zwei weiblichen Bären aus Slowenien vom Nationalen Büro für Jagd und Wildtiere (ONCFS) ausgewildert. 

Aufgebrache Tierhalter

Die Aktion ist laut de Rugy Teil des nationalen Aktionsplans zum Schutz der Braunbären und des Biodiversitätsplans. Ziel sei die nachhaltige Sicherung der französischen Population. Die friedliche Koexistenz mit den in der Bergregion wirtschaftenden Menschen will der Minister durch Beihilfen für Tierhalter und Herdenschutz sowie Entschädigungen bei Attacken sicherstellen. 

Das Auswildern der Bären war seit dem Bekanntwerden der Pläne auf massive Ablehnung der Viehhalter gestossen. Medienberichten zufolge errichteten Auswilderungsgegner in der Nacht auf den 4. Oktober Strassensperren, hielten Autos an und durchsuchten sie, um den Transport der Bären zu blockieren. Dieser erfolgte allerdings per Hubschrauber. Am Tag nach der Auswilderung sammelten sich etwa 100 aufgebrachte Tierhalter und Jäger, um symbolisch auf einem Marsch Bären und Wölfe nach Spanien zu vertreiben. 

Respektlosigkeit gegenüber Berggebiete

Der französische Bauernverband (FNSEA) und die Organisation der Junglandwirte (JA) bekundeten ihre Solidarität mit den betroffenen Tierhaltern. Die Auswilderung sei eine Respektlosigkeit und eine „Demonstration der Verachtung“ gegenüber den Menschen der Berggebiete. Auch in der Lokalpolitik der betroffenen Region regt sich Widerstand. Rund 100 Bürgermeister kündigten kurz nach der Auswilderung die Gründung einer Initiative gegen Raubtiere an. Die Gemeindevertreter werfen dem Umweltminister vor, nicht angehört worden zu sein und sehen sich düpiert. Sie verlangen zudem Garantien über den Schutz der Viehherden und ein Ende der Auswilderungen.

Unterdessen haben mehrere Umweltverbände am vergangenen Mittwoch bei der Staatsanwaltschaft in Pau Klage gegen die Aktionen der Protestler eingereicht. Die 16 Organisationen, darunter France Nature Environnement (FNE), sehen unter anderem die Tatbestände der bewaffneten Zusammenrottung, des Angriffs auf das Habitat einer geschützten Art, des Eingriffs in den Verkehr sowie der Amtsanmassung erfüllt.

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