29.11.2017 18:10
Quelle: schweizerbauer.ch - AgE
Frankreich
Rote Köpfe wegen Wolf
Der Entwurf zum Wolfsmanagement des französischen Agrar- und Umweltressorts stösst auf starken Widerstand aus der Landwirtschaft. Der Plan sieht vor, die Wolfspopulation um 140 auf 500 Tiere zu erhöhen. Die Bauern sprechen von Provokation und Missachtung.

In Frankreich haben mehrere landwirtschaftliche Verbände den Entwurf zum Wolfsmanagement des Agrar- und Umweltressorts scharf kritisiert und Premierminister Edouard Philippe zur Intervention aufgefordert. In einem offenen Brief an den Regierungschef brachten der französische Bauernverband (FNSEA), der Schafzüchterverband (FNO), die Organisation der Junglandwirte (JA) sowie der Dachverband der Landwirtschaftskammern (APCA) mit deutlichen Worten ihre Ablehnung zum Ausdruck.

„Regelrechte Hölle“

Zentraler Kritikpunkt ist dabei die Absicht der Regierung, bis 2023 die Zahl der Wölfe im Land auf 500 zu erhöhen. Die Verbände sehen darin eine „Provokation“, die zugleich als „deutliche Missachtung“ der Landwirte und derpolitischen Vertreter des ländlichen Raumes aufgefasst wird. Schon mit der jetzigen Population von mehr als 300 Individuen lebten die Tierhalter in den Wolfsgebieten in einer „regelrechten Hölle“ und in beständiger Angst vor Angriffen.

Die landwirtschaftlichen Organisationen monieren zudem die Inkonsistenz der Regierung. Es sei unverständlich, wieso in Zeiten von knappen Budgets der Wolfsbestand erhöht werden solle. Bereits mit der aktuellen Population seien die entsprechenden Ausgaben des Staates exponentiell gestiegen, und zwar von 1,8 Mio. Euro im Jahr 2004 auf 26,5 Mio. Euro (30.9 Mio. Fr.) im vergangenen Jahr. Die Gesamtkosten für Herdenschutzmassnahmen hätten sich zuletzt auf 35 Mio. Euro (40.9 Mio. Fr.) jährlich belaufen, so die Verbände.

Tourismus in Gefahr

Sie sehen zugleich den Tourismus im ländlichen Raum in Gefahr, insbesondere durch Konflikte zwischen Wanderern und Herdenschutzhunden. Ausserdem pochen der FNSEA und seine Mitstreiter auf ein grundlegendes Recht der Tierhalter zur Verteidigung ihrer Herden, und zwar auch mit Schusswaffen. Den „Autismus“ der Ministerien, die diesbezügliche Vorschläge sowie Massnahmen wie die Entkoppelung der Entschädigungen von getroffenen Schutzmassnahmen abgelehnt hätten, werde die Landwirtschaft „nicht akzeptieren“, stellten die Verbände klar.

Ziel müsse es sein, die Zahl der Wolfsattacken auf null zu bringen. Der Regierungschef dürfe sich jetzt nicht länger verstecken und müsse zum Wohl des ganzen Landes die richtige Entscheidung treffen.

Evaluation bestätigt Verbesserungsbedarf

Unterdessen veröffentlichte der Statistische Dienst des Pariser Landwirtschaftsministeriums (Agreste) eine Auswertung des letzten Berichts zu den bestehenden Managementmassnahmen beim Wolf. Der Bericht hatte festgestellt, dass Wolfsangriffe und Viehverluste effektiv reduziert werden, aber zugleich hervorgehoben, dass die Wirksamkeit dabei von den örtlichen Gegebenheiten, dem Prädationsdruck, der Herdengrösse sowie der Dauer der Massnahmen beeinflusst werde.

Die Auswertung dieses Berichts ergab nun, dass zur Verbesserung des Erfolges der Schutzmassnahmen diese daher individueller an die örtlichen Bedingungen angepasst werden sollten. Zugleich sei die Ausbildung der Tierhalter zu verbessern, wobei nach Ansicht der Autoren auch eine Zertifizierung dienlich sein könnte. Auch mit der Erhöhung des Entgeltes sowie der Einführung von Prämien könntenAnreize für eine Ausweitung des Herdenschutzes geschaffen werden.

Mehr als 10'000 Angriffe pro Jahr

In Frankreich werden in Rahmen des Wolfsmanagements momentan Zuschüsse beim Kauf und Unterhalt von Herdenschutzhunden sowie für die Bewachung der Herden durch die Tierhalter gewährt. Ausserdem gibt es Beihilfen für Schutzzäune und die Erstellung von Gefährdungsanalysen. Die Population der Wölfe im Land wird auf etwa 360 Tiere geschätzt. Nach Angaben des FNSEA kam es im vergangenen Jahr zu mehr als 10'000 Angriffen auf Nutztiere.

Die Verbreitung der Tiere konzentriert sich auf zwei Schwerpunkte. Der grösste Teil der Population lebt in oder nahe der französischen Alpen im Südosten des Landes. Ein kleinerer Bestand besiedelt den westlichen Teil der Pyrenäen. Daneben gibt es noch vereinzelte, inselartige und oftmals nur temporäre Ansiedelungen im Nordosten und mittleren Süden Frankreichs. Entsprechend ist auch das Muster der Wolfsrisse verteilt. Von 2013 bis 2016 entfielen 60% der Angriffe auf nur 15% der Landesfläche, währendzugleich nur 3% der Tierhalter insgesamt 30% der Risse auf sich vereinten.

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