12.03.2013 16:28
Quelle: schweizerbauer.ch - Reto Blunier
Krähen
«Rowdytrupps» verärgern Bauern und Städter
Die Saatkrähenbestände haben sich in den vergangenen Jahren stark erholt. Nun sorgen sie in der Stadt und auf dem Land für Misstöne. Saatkrähen und andere Krähenarten dürfen nun stärker bejagt werden. Doch Tierschützern gehen einige Vorschläge zu weit.

Der Saatkrähe gefällt es in der Schweiz, und sie hat sich tüchtig vermehrt. Seit 2010 ist die zuvor während 40 Jahren geschützte Art wieder jagdbar. Der Bund hat die eidgenössische Jagdverordnung im vergangenen Juli geändert. Somit dürfen Saatkrähen von Anfang August bis Mitte Februar bejagt werden, während der Brut- und Aufzuchtzeit bleiben sie aber geschützt. Im Kanton Bern wird der Bestand der Saatkrähen auf 4000 bis 5000 Tiere geschätzt, wie die „Berner Zeitung“ Ende Februar berichtete.

Stadtberner genervt

In der Stadt Bern hat sich der Vogel vor allem im Nordquartier (Breitenrain, Wankdorf) gemütlich gemacht. Grössere Kolonien sorgen für verunreinigte Strassen und Lärm. Dass sorgt für mächtig Ärger. Vergrämungsaktionen mit Laser oder das Entfernen der Nester zeigte keine Wirkung. Erboste Stadtbewohner melden sich immer öfter bei den Behörden.

Hausbesitzer dürfen nun die Tiere abschiessen, sofern sie sich auf deren Grund und Boden befinden und Schäden anrichten. Nicht erlaubt ist der Abschuss auf öffentlichem Grund. Doch die Tiere dürfen nun nicht einfach abgeschossen werden. Wie der „Bund“ berichtete, muss der Jäger mindestens eine Distanz von hundert Metern zum nächsten bewohnten Haus einhalten. Ein schwieriges Unterfangen in einer Stadt. Ein Wildhüter mit einem „Sonderabschuss-Auftrag“ könnte von einigen Ausnahmen profitieren. Somit bleiben die Vögel auf den Stadtberner Bäumen in der Regel weiterhin gut „geschützt“.

Auf dem Land hingegen kann sich die Krähe nicht so einfach in Sicherheit bringen. Der Fachmann vom Berner Jagdinspektorat, Rolf Schneeberger, geht davon aus, dass die Saatkrähen auf dem Land von Jägern nun „beiläufig bejagt“ werden. Doch diese Tiere seien sehr lernfähig, sagte er dem „Bund“. Wenn sie nun während der Futtersuche beschossen würden, könnten sich die Vögel wieder vermehrt in den Wald zurückziehen.

Aargauer Bauernverband will mehr Krähen schiessen

Auch im Kanton Aargau ärgert man sich über zu grosse Krähenbestände. Gemäss der kantonalen Jagdverordnung dürfen die Grundeigentümer die Vögel abschiessen. Für den Aargauer Bauernverband genügt dies jedoch nicht. «Wir würden es begrüssen, wenn Grundbesitzer geeignete Personen mit der Krähenjagd beauftragen könnten», sagte Ralf Bucher, Geschäftsführer des Aargauer Bauernverbandes, gegenüber der „Aargauer Zeitung“.  Die Raben- und Saatkrähen würden pro Jahr Schäden in der Höhe von 50'000 Franken verursachen. Sämtliche Kreise seien sich einig, dass es zu viele von diesen Vögeln gäbe.

Den Bauern würde aber die Zeit zum Jagen fehlen. Deshalb will Bucher eine einfache Lösung. Ein Schiessnachweis, eine von  Jagdgesellschaften ausgestellte Gästekarte oder eine kurze Spezialausbildung nennt er als Kriterium. Denn viele Interessierte könnten nicht jagen, da sie keine Jagdprüfung hätten. Zuvor sollen nun aber mit den involvierten Gruppen Gespräche geführt werden.

Der Kanton gibt sich aber mit der aktuellen Regelung zufrieden. Man habe keinen Handlungsbedarf, erläutert Thomas Stucki, Jagd- und Fischereiverwalter des Kantons Aargaus. Pächter und Grundeigentümer könnten nach Absprache mit den Jagdgesellschaften die Krähen jagen. Er schätzt die Anzahl erlegter Tiere auf dem Aargauer Hoheitsgebiet auf 1500 bis 2000 Exemplare.

Birdlife Aargau nicht grundsätzlich gegen Jagd

Die Aargauer Sektion von Birdlife wehrt sich nicht grundsätzlich gegen die Abschüsse. Es seien vor allem „Rowdytrupps“ junger und nicht brütender Krähen, die mehrheitlich für die Schäden in der Landwirtschaft verantwortlich seien, sagte die Geschäftsführerin Kathrin Hochuli gegenüber der „Aargauer Zeitung“. Die Idee des Bauernverbandes stösst aber auf taube Ohren. Im Kanton gäbe es genügend Jäger, und dass Grundeigentümer oder Pächter ohne Jagdschein Abschüsse vornehmen dürften, sei ein Zugeständnis an die Bauern.

„Jäger werden lange und intensiv geschult, unter anderem auch in Biologie und Artenkenntnis. Eine Schnellbleiche reicht dafür nicht“, sagte Hochuli gegenüber der „Aargauer Zeitung“. Und die Ansage an den Bauernverband ist deutlich. Gegen eine weiterführende Lockerung werde sich Birdlife zu Wehr setzen.

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