27.08.2014 06:41
Quelle: schweizerbauer.ch - sda
Insekten
Schlupfwespe: Einen einzigen Wirt zu plagen lohnt sich
Auch Tiere können nicht den Fünfer und das Weggli haben: Freiburger Forscher haben herausgefunden, dass hochspezialisierte parasitische Wespen, die ihre Eier nur in einen Wirt legen, erfolgreicher sind als Generalisten. Dafür nehmen sie in Kauf, dass sie nur einen Bruchteil der verfügbaren Wirte nutzen können.

Ökologen gehen davon aus, dass Generalisten, die ein breites Spektrum an Nahrung verzehren, diese dafür nicht so effizient nutzen können - etwa weil ihnen andere Tiere Konkurrenz machen. Hingegen haben zum Beispiel Kolibris, deren sehr lange Schnäbel an bestimmte Nektarpflanzen mit tiefem Kelch angepasst sind, diese Nahrungsquelle für sich allein.

Wirt von innen auffressen

Der Nachteil: Stirbt die Pflanzenart aus, ist auch der Kolibri am Ende. Biologen nennen diese Fünfer-Weggli-Situation einen Trade-off. Überzeugende experimentelle Belege für Trade-offs sind aber rar. Sven Bacher und Silvia Rossinelli von der Universität Freiburg konnten nun aber bei Schlupfwespen diesen Trade-off nachweisen, wie sie im Fachjournal «Functional Ecology» berichten.

Schlupfwespen, von denen es wahrscheinlich über eine Million verschiedene Arten gibt, legen ihre Eier in anderen Insekten ab. Die Wirte werden von den geschlüpften Wespenlarven von Innen aufgefressen. Schlupfwespen werden seit über 100 Jahren zur biologischen Schädlingsbekämpfung eingesetzt, wie die Uni Freiburg am Dienstag mitteilte.

Spezialisierung hat nicht nur Vorteile

Die vielen Schlupfwespenarten unterscheiden sich unter anderem durch ihre Ernährungsvielfalt, wobei sehr viele Arten ihre Eier nur in eine einzige Wirtsart legen. Rossinelli und Bacher haben nun untersucht, wie gut sich 254 zur Schädlingsbekämpfung ausgesetzte Schlupfwespenarten in einem neuen Gebiet ansiedeln konnten.

Dabei zeigte sich, dass dies den spezialisierten Wespen besser gelang als solchen, die eine breitere Palette von Wirten nutzen. Die Studie belege damit die Hypothese, dass spezialisierte Arten grundsätzlich besser in der Lage sind, ihre Wirte zu «nutzen», erklärten die Forscher. Rossinelli und Bacher räumen jedoch ein, dass die Spezialisierung nicht nur Vorteile hat: Ist der bevorzugte Wirt in einem bestimmten Habitat nicht vorhanden, sind die Generalisten ganz klar besser bedient.

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