9.05.2016 17:00
Quelle: schweizerbauer.ch - sda
Forschung
Schwere Zeiten machen Bakterien zu Individualisten
Bakterienpopulationen bringen besonders viele Individualisten hervor, wenn die Nährstoffe knapp werden. Das hilft der Population, Zeiten des Mangels zu überleben und trotzdem zu wachsen, wie eine Studie unter Schweizer Leitung zeigt.

Bakterien können sich nicht nur im Nachhinein an veränderte Bedingungen anpassen, sondern sich auch darauf vorbereiten, wie ein Forscherteam unter Leitung der Wasserforschungsanstalt Eawag am Montag im Fachjournal «Nature Microbiology» berichtet.

Die Wissenschaftler um Frank Schreiber, Professor an der Eawag und der ETH Zürich, haben das Verhalten der Bakterienart Klebsiella Oxytoca unter die Lupe genommen. Diese Bakterien nehmen Stickstoff am liebsten in Form von Ammonium auf, da sie das relativ wenig Energie kostet. Wird Ammonium jedoch knapp, steigen einige Individuen der Population auf elementaren Stickstoff um, obwohl das mehr Energie beansprucht.

Gut vorbereitet

Wenn das Ammonium schliesslich ganz fehlt, sind diese Zellen bereits vorbereitet und sorgen für das Überleben der Population. Um solche individuellen Unterschiede in ihrer Studie festzustellen, mussten die Forschenden die Nahrungsaufnahme einzelner Bakterienzellen messen. Üblicherweise misst man in der Mikrobiologie Millionen oder Milliarden Zellen zusammen.

Die Studie zeige, wie wichtig Individualität in einer veränderlichen Umwelt sein kann, so eine gemeinsame Mitteilung der Eawag, der ETH Lausanne (EPFL) und des Max-Planck-Instituts für Marine Mikrobiologie in Bremen, die ebenfalls an dem Forschungsprojekt beteiligt waren.

«Dies deutet darauf hin, dass biologische Vielfalt nicht nur im Sinn der Artenvielfalt von Tieren und Pflanzen, sondern auch auf dem Niveau einzelner Individuen bedeutsam ist», liess sich Schreiber in der Mitteilung zitieren.

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