24.03.2014 09:01
Quelle: schweizerbauer.ch - Christian Lanz
Pferdebetreuung
Sich für alle Fälle rechtlich absichern ist ein Muss
Wer in seinem Stall Pensionspferde hält, muss gewappnet sein für alle Fälle. Das betrifft die rechtliche und versicherungstechnische Absicherung. Aber auch den Umgang mit Konfliktsituationen und Notfällen.

Ziel des Pensionspferde-Tages sei, dass die Teilnehmenden auch in schwierigen Situationen richtig handeln würden, betonte Tagungsleiterin Bettina Ehrbar. Sie ist am Strickhof für die Beratung und Ausbildung rund um die Pferdehaltung im Kanton Zürich zuständig. Rechtsanwalt Bart Krenger skizzierte rechtliche Fragen, über die Halter und Besitzer Bescheid wissen müssen.

Hinterlegte Sache

Ein Pensionsvertrag sei ein Hinterlegungsvertrag, erläuterte Krenger. Beteiligt daran seien der Pensionär (Hinterleger), der Stallinhaber (Aufbewahrer) und das Pferd (hinterlegte Sache), wie es in der Juristensprache heisst. «Zu den Pflichten des Stalls gehören die sichere Aufbewahrung, das heisst Sicherheit für das Pferd und die Umgebung, sowie ein fachgerechter Unterhalt bei der Fütterung, der Einstreue und der Pflege», sagte Krenger. Zudem müssten in Notfällen die richtigen Massnahmen wie zum Beispiel die Alarmierung des Tierarztes erfolgen.

Ein häufiges Thema bei Streitigkeiten seien Fragen zur Kündigung des Vertrags, so Krenger. Gemäss Gesetz kann der Pensionär sein Pferd jederzeit abholen, ohne Rücksicht auf eine vereinbarte Kündigungsfrist. Der Pensionspreis ist nur geschuldet, solange das Pferd im Stall untergebracht ist. Im Gegensatz dazu sei der Stallbesitzer an die vereinbarte Kündigungsfrist gebunden. Als Beispiele für die Haftung des Stalls erwähnte Krenger ein entlaufenes Pferd, das zu Tode stürzt, schwere Koliken wegen verdorbenem Futter und Raufereien unter Pferden infolge einer mangelhaften Einzäunung.

«Für den von einem Tier angerichteten Schaden haftet, wer dasselbe hält. Sofern er nicht nachweist, dass er alle gebotene Sorgfalt in der Verwahrung und Beaufsichtigung aufgewendet habe. Oder nicht beweisen kann, dass der Schaden auch bei Anwendung dieser Sorgfalt eingetreten wäre», zitierte Krenger einen Gesetzesartikel. Recht hin oder her: Grundsätzlich müsse der Stallbesitzer bereit sein, seine Dienstleistung aus Freude und Begeisterung anzubieten, so Krenger.

Konflikte lösen

Über die zielführende Kommunikation unter den Akteuren referierte Marianne Egloff, Mediatorin und Erziehungscoach. Wünsche und Bedürfnisse müssten gegenseitig klar kommuniziert, Konfliktsituationen richtig angegangen werden, sagte sie. Typische Beispiele für Konflikte sind für Egloff Arbeitsmaterial wie Besen oder Mistboy, die nach Gebrauch nicht wieder am dafür vorgesehenen Platz deponiert werden, Autos und Pferdetransporter, die den Weg auf dem Hof verstellen, Hofhunde, die nicht unter Kontrolle gehalten werden, oder Pensionäre, die gestresst sind und ihren Ärger am Stallbesitzer auslassen.

Wenn Halter und Besitzer miteinander kommunizieren wollen, unterscheidet Egloff zwischen einem abgemachten Gespräch, das zum Ziel hat, ganz konkrete Anliegen oder Konflikte zu besprechen, und einem spontanen Treffen, das in entspannter Atmosphäre stattfindet. Dabei gelte es ein paar Regeln zu beachten. So sollten bei einem ernsthaften Gespräch keine alkoholhaltigen Getränke angeboten werden. Von zentraler Bedeutung sei, dass man sich während des Gesprächs mit gegenseitigem Respekt begegnet, gut zuhört und die sachliche und emotionale Ebene konsequent zu trennen versucht.

Kommunizieren lernen

«Sinnvoll ist, wenn man zuvor den Ablauf und die ungefähre Gesprächsdauer festlegt und dann gemeinsam nach Lösungswegen sucht», sagte Egloff. Hilfreich könne sein, wenn das Gespräch schriftlich und stichwortartig protokolliert wird. «Im Anschluss an das offizielle Gespräch kann man durchaus noch etwas zusammensitzen und miteinander schwatzen.»

Eigentlich alles selbstverständlich – müsste man meinen. Dem sei aber nicht so, hat Bettina Ehrbar immer wieder festgestellt. Kommunikation müsse man lernen, seine Anliegen verständlich formulieren und im Konfliktfall gemeinsam nach Lösungen suchen. Stallbesitzer und Pferdehalter hätten oft unterschiedliche Zielvorstellungen. Gerade deshalb sei das gegenseitige Gespräch wichtig.

Abgerundet wurde der Pensionspferde-Tag durch Erste-Hilfe-Massnahmen bei Pferden, Aspekte bei der Grosstierrettung sowie Brandschutz und Sicherheit im Pferdestall. Damit sollen die Teilnehmenden gemäss Tagungsmotto gewappnet sein für wirklich alle Fälle.

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