2.04.2015 06:44
Quelle: schweizerbauer.ch - sum
Grosstierrettungsdienst
So kommt der Wasserbüffel durch ein 52-cm-Loch
Büxt der Muni aus, fällt das Rind in die Güllegrube oder liegt die Kuh fest, hilft der Grosstierrettungsdienst. Er macht das mit professioneller Ausrüstung – und für die Bauern zu einem reduzierten Tarif.

«Die Nacht von Samstag auf Sonntag vorletzter Woche wird der Muni nicht so schnell vergessen», vermutet Ruedi Keller. Er ist  der Chef des Grosstierrettungsdienstes. Und erzählt: «Am Samstag fiel auf dem Betrieb eines Mutterkuhhalters ein Stier ins Gülleloch. Der Bauer alarmierte  den Tierarzt. Der verwies ihn an andere Tierärzte. Doch keiner hatte ein Narkosegewehr.»

Über Nacht ausgeharrt

Auch die Feuerwehr und das Personal eines lokalen Zoos hätten dem Muni nicht helfen können, fährt Keller fort: «Beim Zoo hatten sie zwar ein Gewehr, aber nicht die Gerätschaften zur Bergung. Über das Tierspital gelangte der Bauer am Sonntag morgen schliesslich an uns. Wir konnten den Muni dann aus seiner misslichen Lage befreien. Aber erst, nachdem er eine Nacht im leeren Güllekasten ausharren musste.»

Es hätte schneller gehen können. Schliesslich ist der Grosstierrettungsdienst in der Regel 10 bis 20 Minuten, nachdem ein Alarm eingegangen ist, ausgerückt. Möglich macht das der Aufbau der national tätigen Organisation mit Stützpunkten in den Kantonen Zürich, Aargau, Bern, St. Gallen, Tessin und in der Zentralschweiz. «Rund 20 Freiwillige sind für uns im Einsatz», erklärt Keller, «wenn ein Alarm eingeht, lassen sie ihre Arbeit  liegen und rücken aus.»

Mit Netz und Winde

Der Alarm wird über die   Einsatzzentrale von Schutz und Rettung Zürich – die Stelle koordiniert auch die Krankenwagen für Menschen – zum nächstmöglichen Stützpunkt weitergeleitet. Ausrücken tun die Freiwilligen des Grosstierrettungsdienstes mit speziellen Ambulanzfahrzeugen. Keller dazu: «Die Wagen sind so eingerichtet, dass wir Tiere liegend und stehend transportieren können. Eine festliegende Kuh beispielweise können wir im Stall auf eine Luftmatratze  und  mit der Seilwinde ins Fahrzeug ziehen.» Ein Pferd mit einem gebrochenen Bein hingegen könne in einem Netz «aufgehängt» stehend transportiert werden.

Pferde resp. ihre Besitzer sind denn auch die häufigsten Kunden von Keller und seinem Team. Sie machen etwa 250 der rund 300 Fälle pro Jahr aus. Bei den Bauern muss der Grosstierrettungsdienst   in erster Linie ausgerissene Rinder narkotisieren und einfangen oder Tiere befreien, die sich eingeklemmt haben  oder   ins Gülleloch gefallen sind. «Dafür haben wir   mit dem Tierspital Zürich ein spezielles Geschirr entwickelt, das die Vertikalbergung ermöglicht.»  Bei dieser wird das Rind oder der Stier kopfvoran aus dem Loch gezogen. Das ist heikler, als ein Netz um den Bauch zu legen und es in dieser Position zu bergen. «Früher mussten wir die Vertikalbergung praktisch nie anwenden, denn die Güllekästen waren mit Brettern abgedeckt und grossflächig zu öffnen.» Bei modernen Ställen hätten die Güllegruben nur noch kleine Öffnungen, so Keller. Er erinnert sich an einen extremen Fall: «Zwei Wasserbüffel fielen aus unerklärlichen Gründen durch ein Loch mit einem Lichtmass von nur 52cm ins Gülleloch. Sie  herauszuheben, war Millimeterarbeit.»

Reduzierter Tarif

Egal, ob  Büffel, Muni  oder Rind: Den Bauern hilft der Grosstierrettungsdienst zu einem reduzierten Tarif. Ein Einsatz kostet für sie meist 200 bis  500 Franken. Die restlichen Kosten übernimmt die Susi-Utzinger-Stiftung für Tierschutz. Pferdehalter hingegen müssen den ganzen Einsatz berappen, und der kann schon mal 1500 Franken kosten. Für Pferde existiert allerdings eine günstige Versicherung, die die Rettung abdeckt.

Der Grosstierrettungsdienst kann rund um die Uhr über die Telefonnummer 079 700 70 70 erreicht werden.  www.gtrd.ch

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