26.02.2014 06:45
Quelle: schweizerbauer.ch - Daniel Salzmann, Samuel Krähenbühl
Agroscope
Stall für vielleicht nur 4 Jahre Betrieb
Die Forschungsanstalt Agroscope Reckenholz Tänikon (ART) baut für 1,5 Millionen Franken einen Emissionsversuchsstall. Dieser wird vielleicht schon nach dem Ende des Versuchs 2017 wieder abgebrochen.

Die Forschungsanstalt ART ist bekannt für ihre Kompetenz im Bereich Landmaschinen. Die ART-Tarife «Maschinenkosten», früher FAT-Tarife genannt, sind in der Branche geschätzt. Für Forschung im Bereich Nutztiere hingegen war bisher vor allem Agroscope Liebefeld-Posieux (ALP) am Standort Posieux FR verantwortlich.

Emissionen messen

Doch nun soll am Standort Waldegg bei Aadorf TG, der zu Tänikon gehört, mit dem Bau eines Emissionsversuchsstalls vermehrt auf die Forschung im Bereich Nutztiere gesetzt werden. «Die Baubewilligung für das Projekt liegt seit dem 20. Dezember 2013 vor», heisst es bei Agroscope dazu.

Doch warum wird der Stall nicht in Posieux, dem bundeseigenen Kompetenzzentrum für die Rindviehhaltung, gebaut? «Die Versuchsfragestellungen betreffen die Schwerpunkte Emissionen, Bauwesen, Verfahrenstechnik und die Systemforschung», heisst es bei Agroscope dazu. Diese Forschungsgebiete seien bei Agroscope im Institut für Nachhaltigkeitswissenschaften INH am Standort Tänikon angesiedelt. «Forschung zu Ausscheidungen und Fütterungsaspekten in Posieux und baulich-verfahrenstechnische Aspekte sowie Emissionsmessungen im Praxismassstab in Tänikon ergänzen sich ideal», so die Antwort weiter.

Der Standort Waldegg mit seiner Einzelhoflage habe zudem den Vorteil, dass sich keine weiteren Emissionsquellen wie Ställe und Hofdüngerlager in der näheren Umgebung befänden, welche die Messungen beeinträchtigen könnten. Der in Waldegg bestehende Rindermaststall mit Schopf und Garagen werde im Zuge der Erstellung des neuen Emissionsversuchsstalls rückgebaut und das Land rekultiviert, um nicht zusätzliche Flächen zu versiegeln. «Dieser Rückbau hat bereits begonnen. Baubeginn ist im Frühjahr 2014. Der Spatenstich soll im April erfolgen», heisst es.

1,5 Mio. Franken

Gemäss Agroscope seien in der Planung insgesamt 1,5 Mio. Franken für die «gesamte Baumassnahme» veranschlagt. Die wiederkehrenden Betriebskosten hingegen kann Agroscope nicht genau beziffern: «Einerseits sind es die üblichen Betriebskosten, wie sie für einen Stall mit 40 Milchkühen anfallen, und andererseits versuchsbedingte Kosten in unterschiedlicher Höhe.»

Sinn und Zweck des Emissionsversuchsstalls sei, «innovative baulich-technische und organisatorische Massnahmen zur Reduktion von Ammoniak- und Treibhausgasemissionen in Zusammenarbeit mit Firmen» zu entwickeln und deren Wirksamkeit zu messen. Im modulartigen Emissionsversuchsstall könnten Stallkonzept, Abmessungen, Ausführung der Böden und die Entmistung effizient variiert werden.

Versuchsdauer vier Jahre

Die Erkenntnisse aus dem Emissionsversuchsstall sollen dann in Empfehlungen für die landwirtschaftliche Beratung, Bauplanung und in die Praxis einfliessen. Weiter diene der Stall auch zu Untersuchungen im Bereich Vermeidung von Geruchsbelästigung. Die Empfehlung Mindestabstände von Tierhaltungsanlagen mit Blick auf Siedlungsentwicklung und Genehmigungsverfahren werde damit verbessert.

«Die ersten Versuche erfolgen im laufenden Arbeitsprogramm Agroscope 2014–2017 mit einer Versuchsdauer von vier Jahren. Für die Folge-Arbeitsprogramme sind weitere Untersuchungen geplant», heisst es bei Agroscope. Und was geschieht mit dem Stall nach Ablauf der Projektdauer? «Sobald dieser Stall nicht mehr für Forschungszwecke genutzt wird, wird er rückgebaut», lautet die Antwort.

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