19.04.2013 09:32
Quelle: schweizerbauer.ch - sda/dpa
Forschung
Studie: Fischbestände könnten sich bei Schonung rasch erholen
Viele Fischbestände erholen sich von einer Überfischung besser als erwartet - solange diese nicht zu lange andauert. Zu diesem Ergebnis kommt ein Team um Philipp Neubauer von der Rutgers Universität (US-Staat New Jersey), das verschiedene Datensätze in seine Modellrechnung einfliessen liess.

Die Mehrheit der 153 untersuchten Fischarten und wirbellosen Tiere verkrafte eine moderate Überfischung und könne sich innerhalb von zehn Jahren davon erholen, wenn der jeweilige Bestand noch nicht komplett zusammengebrochen sei und der Druck durch die Fischerei schnell und deutlich gesenkt werde.

Negatives Beispiel Kabeljau

Für viele überfischte Bestände seien Schutzbemühungen jedoch zu spät gekommen, und die anhaltende Fischerei habe sie zusammenbrechen lassen, schreiben Neubauer und Kollegen im Fachjournal «Science». Wenn bereits stark geschwächte Bestände weiterhin überfischt würden, sei eine Erholung zweifelhaft.

Ein Beispiel hierfür sei etwa der Nordsee-Kabeljau, sagte Rainer Froese vom Ozeanforschungszentrum Geomar in Kiel. Jahr für Jahr erlaubten die europäischen Landwirtschaftsminister weit überhöhte Fänge, obwohl der Bestand ausserhalb sicherer biologischer Grenzen sei. Aus der südlichen Nordsee, also den deutschen Gewässern, sei der Kabeljau inzwischen sehr stark reduziert worden.

Fischbestände erholen sich nach 10 Jahren

Eine Erholung wäre indes möglich. «Es scheint so zu sein, als könnten die Fische sich generell innerhalb von zehn Jahren gut erholen», sagte Neubauer der Nachrichtenagentur dpa. «Das hat uns ein bisschen überrascht.» Eventuell passen sich die Fische an die Jagd durch den Menschen an.

Je länger und stärker Menschen eine Art überfischten, desto schwieriger wird es der Studie zufolge allerdings, deren weitere Entwicklung und Erholungschancen vorherzusagen.

30 Prozent der Bestände überfischt

Nach Angaben der Welternährungsorganisation FAO waren 2012 nahezu 30 Prozent der weltweiten Bestände überfischt und 57 Prozent an der Grenze maximaler Ausbeutung. Die Lage bei den völlig überfischten Beständen habe sich jedoch leicht gebessert.

Mit einer historischen Reform plant die Europäische Union die strapazierten Fischbestände künftig besser schützen - sie ist aber noch nicht in Kraft. Fischer sollen demnach künftig nur so viele Fische fangen, wie nachwachsen, mit zielgenaueren Fangtechniken den unbeabsichtigten Beifang verhindern und tote Fische ins Meer zurückwerfen.

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