17.08.2018 11:26
Quelle: schweizerbauer.ch - sda
Weltall
Tierbeobachtung aus dem All
Während die beiden Kosmonauten die Icarus-Antenne an der ISS montiert haben, ist die Raumstation fünf Mal um die Erde gekreist. Nun kann das Mammutprojekt zur Tierbeobachtung starten.

Konzentriert ziehen die Kosmonauten in ihren dicken weissen Raumanzügen die Schrauben fest, die die Antenne an der Aussenhülle der Internationalen Raumstation ISS befestigen. Im Vordergrund sieht man die Sonnensegel der ISS und 400 Kilometer tiefer die von einer weissen Wolkenschicht überlagerte bläuliche Erde. Als die russischen Raumfahrer Oleg Artemjew und Sergej Prokopjew ins Innere der Raumstation zurückkehren, hat die ISS ihren Heimatplaneten gut fünf Mal umrundet.

Knapp acht Stunden vorher waren die beiden Kosmonauten gegen 18 Uhr deutscher Zeit planmässig durch die schmale Luke der Raumstation geglitten und hatten sich an den Griffen der Aussenhülle entlang zu ihrem Arbeitsplatz gehangelt. Prokopjew, erkennbar an den blauen Streifen an seinem Raumanzug, legte in der Schwerelosigkeit Verbindungskabel. Gemeinsam mit Artemjew - mit roten Streifen - brachte er schliesslich die Antenne an. Während des Einsatzes setzten die Kosmonauten noch vier kleine Satelliten aus.

«Der abgelegenste Arbeitsplatz der Welt»


An Bord der ISS wurden sie vom deutschen Astronauten Alexander Gerst unterstützt. Astro-Alex fotografierte die beiden und twitterte zu den Bildern: «Der abgelegenste Arbeitsplatz der Welt». Die Russen hatten länger gebraucht als geplant. Für den Ausseneinsatz waren etwa sieben Stunden vorgesehen. Es wurden jedoch knapp acht Stunden. Nach Angaben der russischen Raumfahrtbehörde Roskosmos gab es leichte Verzögerung bei der Installation der Antenne. Nähere Details wurden nicht bekannt.

Mit der Installation der Antenne an der ISS-Hülle steht das deutsch-russische Forschungsprojekt Icarus nun vor dem Start. Ziel des Projekts ist es, Bewegungen von Tieren auf der Erde besser zu erfassen. Forscher wollen die Tiere mit daumennagelgrossen und nur fünf Gramm schweren Mini-Sendern ausstatten und mit Hilfe der ISS beobachten. Die Wissenschaftler erhoffen sich Aufschluss etwa über Wanderungen von Zugvögeln, was zum Artenschutz beitragen soll. Zudem soll Icarus in der Zukunft als Frühwarnsystem etwa für Naturkatastrophen wie Erdbeben und Vulkanausbrüche dienen.

Icarus-Projekt soll Anfang 2019 starten

Das Icarus-Projekt soll nach einer Testphase Anfang 2019 starten. Die Vorbereitungen dafür dauerten fast zwei Jahrzehnte. Beteiligt sind neben der russischen Raumfahrtbehörde Roskosmos vor allem die Max-Planck-Gesellschaft, das Deutsches Zentrum für Luft- und Raumfahrt und die Universität Konstanz. Die deutschen Partner finanzieren die Entwicklung der Technik, die Russen kümmerten sich um den Transport und die Installation im All.

Das Projekt könnte die These stützen, dass Tiere etwa vor dem Ausbruch von Naturkatastrophen unruhig werden oder ihr Verhalten ändern. Zudem könnten Auswirkungen des Klimawandels auf Zugtiere beobachtet und Schädlingsplagen wirksamer bekämpft werden, hoffen Naturschützer. «Störche rasten auf ihrem Weg nach Süden häufig in der Nähe von Heuschrecken-Brutstätten am Südrand der Sahara», sagt Projektleiter Martin Wikelski, Direktor am Max-Planck-Institut für Ornithologie in Radolfzell. «Somit zeigen uns die Vögel an, wo sich diese Insektenschwärme genau befinden. So kann gegen die Schädlingsplagen vorgegangen und Hungersnöte können vermieden werden.»

Die Montagearbeit war der dritte Ausseneinsatz für Artemjew und der erste für den Bordingenieur Prokopjew. Für beide Kosmonauten ist in diesen Jahr kein weiterer Ausseneinsatz mehr geplant. Prokopjew war gemeinsam mit Gerst im Juni am Aussenposten der Menschheit angekommen. Der 42-jährige Gerst soll im Oktober als erster Deutscher das Kommando auf der ISS übernehmen.

SCHWEIZER BAUER
BEKANNTSCHAFTEN
DER SCHWEIZER BAUER AUF YOUTUBE