25.01.2015 10:39
Quelle: schweizerbauer.ch - sda
Tierschutz
Tierschutz kritisiert Haltung von Bernhardinerhunden in Zermatt
Das Matterhorn im Hintergrund, einen Bernhardinerhund zur Seite: So lassen sich Touristen in Zermatt gerne ablichten. Doch der Schweizer Tierschutz (STS) kritisiert die Haltung der dafür verwendeten Hunde. Der Kantonstierarzt hat Massnahmen ergriffen.

Zwei Hundehalter bieten in und um Zermatt ihre insgesamt zehn Hunde als Fotosujet an. Seit mehreren Jahren geraten sie deswegen immer wieder in die Kritik. Vor Kurzem berichteten verschiedene Medien erneut über das umstrittene Geschäft mit den Hunden.
«Für die Fototermine müssen die Hunde manchmal stundenlang stillsitzen», sagte Caroline Regenass, Tierärztin beim Schweizer Tierschutz. Wenn die Hunde nicht im Einsatz sind, seien sie sehr oft alleine, eingepfercht in einem leeren Haus oder ohne Auslaufmöglichkeit.

Im November haben sich die Tierschützer vor Ort ein Bild der Lage gemacht. Dabei trafen sie auch die Hundebesitzer. An ihrer Einschätzung änderte sich dadurch nichts: «Die Haltungsbedingungen dieser Hunde sind inakzeptabel», ist der STS weiterhin überzeugt.

Kontrollen verstärkt

Der Walliser Kantonstierarzt Jérôme Barras kennt die Fälle aus Zermatt gut. «Wir erhielten vor drei oder vier Jahren zwischen fünf und zehn Anrufe pro Jahr von besorgten Personen», sagte er. Das sei allerdings angesichts der vielen Personen, welche die Hunde täglich sehen, eher wenig.

Dennoch hat der Kantonstierarzt die Kontrollen verstärkt und verlangt, dass alle gesetzlichen Bestimmungen eingehalten werden. Dazu gehört insbesondere die Konformität der Tiergehege, die Tierpflege, die tierärztliche Versorgung und der Sachkundenachweis der Hundebesitzer für die Fotografen.

Ein Wochenarbeitsprogramm wurde aufgestellt um zu verhindern, dass die Hunde sich überanstrengen. Einige Tiere, die zu alt oder zu schwach waren, arbeiten auf Geheiss des Verhaltenstierarztes nicht mehr.

«Eine Mitarbeiterin verfolgt die Situation eng. Sie hat sich mehrere Male vor Ort ein Bild der Lage gemacht und unangemeldet Kontrollen durchgeführt», sagte Barras. «Im Moment gibt es nichts Illegales zu vermelden.» Es sei aber auch klar, dass nicht immer alles überprüft werden könne.

Hund zu Tode gebissen

Anfang des Jahres hatte ein Bernhardinerhund einen Yorkshire Terrier zu Tode gebissen. Der Vorfall ereignete sich bei der Rückkehr von einem Fototermin, als die Tiere an der Leine geführt wurden, in der Anwesenheit ihrer jeweiligen Besitzer. Kantonstierarzt Barras verpflichtete die beiden Hundehalter, die Bernhardiner als Fotosujets anbieten, in der Folge dazu, ihren Hunden beim Hin- und Rückweg zu den Fotospots Maulkörbe anzuziehen.

Für den Schweizer Tierschutz ist das Verhalten des Hundes in diesem Fall eine der Konsequenzen der schlechten Arbeitsbedingungen und der Haltung der Hunde. Der Kantonstierarzt hält diese Erklärung für «ein bisschen zu einfach».

Trotzdem sieht auch er den Einsatz der Hunde als Fotosujets kritisch. Am besten wäre es, findet er, wenn jeder Halter nur einen Hund hätte und dazu verpflichtet würde, bei der Arbeit dabei zu sein. «Ich werde mich beim Bundesamt für Veterinärwesen erkundigen, ob es in diese Richtung eine gesetzliche Grundlage gibt.»

Fondation Barry distanziert sich

Die Bernhardiner-Stiftung Fondation Barry, die sich für die Sicherung des Fortbestandes der Hunde vom Grossen Sankt Bernhard einsetzt, erhält viele Rückmeldungen zu den Hunden in Zermatt. Sie distanziert sich davon: Diese Hunde kämen nicht aus der eigenen Zucht.

«Wir haben keine Zusammenarbeit oder Verbindung zu ihnen», sagte der Direktor der Stiftung, Rudolf Thomann. Gegenwärtig besitzt die Fondation Barry 25 Hündinnen und sieben Rüden. In der Zuchtstätte werden pro Jahr durchschnittlich 20 Welpen geboren.

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