8.02.2013 06:17
Quelle: schweizerbauer.ch - lawa
Luzern
Trotz grosser Anstrengungen immer wieder Gülleunfälle
Seit Jahren laufen im Kanton Luzern Anstrengungen, um die Sicherheit beim Umgang mit Gülle und Hofdünger zu verbessern. Im Jahr 2012 kam es trotzdem zu 31 Gewässerverschmutzungen mit Gülle, davon 11 mit einem Fischsterben.

Häufig wurden die Unfälle rasch von den Landwirten selber gemeldet, was noch grössere Schäden an der Umwelt verhindern liess. 2012 wurden im Kanton Luzern 71 Gewässerverschmutzungen registriert. Davon ist trotz aufwändigen Kampagnen rund 40 Prozent auf das Ausbringen oder das Umschlagen von Gülle zurückzuführen. Rund 60 Prozent der Gewässerverschmutzungen haben ihren Ur-sprung im nicht landwirtschaftlichen Bereich, so z. B. auf Baustellen, bei welchen giftige Bauabwässer in Gewässer gelangten.

Landwirtschaft um Verbesserungen bemüht

 Anfangs Januar fand der jährliche Informationsaustausch zwischen den kantonalen Stellen, dem Luzerner Bäuerinnen und Bauernverbandes und dem kantonalen Fischereiverband statt. Thema waren die Gülleunfälle im Jahr 2012 und die Massnahmen zur Verbesserung der Sicherheit beim Umgang mit den Hofdüngern. Zuversichtlich stimmt, dass trotz gleicher Anzahl Gewässerverschmutzungen wie in den Vorjahren weniger Unfälle mit Fischsterben zu verzeichnen waren (11 gegenüber 13 in den Vorjahren). Ausserordentlich war die Häufung von Fällen mit ungenügender Überwachung der Anlagen und Fehlmanipulationen. In den Monaten November und Dezember kam es in vier Fällen zu einer Ge-wässerverschmutzung durch Drainagen und Abschwemmung, weil Gülle bei schlechten Witterungsbedingungen und auf vernässte Böden ausgebracht wurde.

Fehlmanipulation häufigste Ursache

Ein hohes Risiko stellt i.d.R. das Umpumpen oder das Abfliessen lassen von Gülle von einer Grube zur anderen dar. In vier Fällen kam es zu Unfällen, weil der Vorgang ungenügend, das heisst nicht während der ganzen Zeitdauer, überwacht wurde. Jährlich passieren eine Anzahl Gülleunfälle an den Zapfstellen oder "Stöckli", weil der Schlauch fehlerhaft angeschlossen, ein Schieber falsch eingestellt oder die Zapfstelle am Ende der Bodenleitung nicht geschlossen ist. Deshalb ist es wichtig, dass das Ausbringen der Gülle nach einem klaren Arbeitsablauf erfolgt, welcher die Kontrolle der Schieberstellung und der Zapfstellen einschliesst.

Unterschätztes Risiko: Vernässte Böden

Viele Landwirte unterschätzen die Gefahr der Einsickerung und des Oberflächenabflusses auf vernässten Böden. Auf nassen Böden vermischt sich die Gülle mit Wasser und sickert über die Grobporen zu den Drainagen oder wird oberflächlich abgeschwemmt. Dabei sollte die Gülle zur Reinigung in den ersten Zentimetern des Bodens zurückgehalten werden. Auch der "Schraubenziehertest" ist ein schlechter Ratgeber, weil der Boden aufgetaut aber nach dem Auftauen eben vernässt und zum Gülleausbringen nicht geeignet ist.

Gemeinsame Daueraufgabe

In den letzten Jahren unternahmen alle Beteiligten grosse Anstrengungen zur Verbesserung der Sicherheit beim Umgang mit Hofdüngern: Nebst Informationskampagnen wurden alle Landwirtschaftsbetriebe auf Risikofaktoren hin kontrolliert und auf über 300 Betrieben sind alte Bodenleitungen stillgelegt worden. Der Informationsstand und das Bewusstsein der Landwirte zum Thema Gülleunfälle sind hoch. Viele Landwirte haben grossen Respekt vor der Arbeit mit der Gülle und bemühen sich aktiv Gülleunfälle zu vermeiden. Wesentliche Gründe, warum es immer wieder zu Unfällen kommt, sind die Hektik auf den Land-wirtschaftsbetrieben und fehlendes Personal zur ausreichenden Überwachung der Anlagen während dem Gülleausbringen.

Folglich ist es umso wichtiger, dass die Anlagen gut unterhalten und defekte Teile wie Schieber und Schläuche rechtzeitig ersetzt werden. Auf Initiative der Dienststelle Landwirtschaft und Wald (lawa) und des Luzerner Bäuerinnen- und Bauernverbandes wird im Jahr 2013 ein besonderes Augenmerk auf die Information über Gefahren bei Hektik und fehlender Überwachung der Anlagen gelegt. Es werden über das Jahr verteilt in der Bauernzeitung fünf konkrete Gülleunfälle aus früheren Jahren beschrieben, bei denen aus Unachtsamkeit Fehler passierten, welche zu einem Gülleunfall führten.

Rasches Melden lohnt sich

Im letzten Jahr wurden viele Gülleunfälle direkt von den betroffenen Landwirten der Polizei oder der Feuerwehr gemeldet. Das rasche Reagieren hilft oft grössere Schäden zu verhindern. Ein vorbildliches Verhalten des Verursachers (rasches Melden, Einleiten von Massnahmen) kann sich mildernd auf das Strafmass auswirken.

Bei Fragen wenden Sie sich an: Fritz Birrer, Dienststelle Landwirtschaft und Wald (lawa) Telefon 041 925 10 55, Email fritz.birrer@lu.ch

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