15.06.2020 16:30
Quelle: schweizerbauer.ch - blu
Deutschland
Trotz Schäfer greift Wolf an
In Norddeutschland hat ein Wolf am helllichten Tag eine Schafherde angegriffen. Die Anwesenheit des Schäfers und seiner Hütehunde hat das Raubtier nicht abgehalten. Nun wird eine Regulierung des Bestandes gefordert.

In Deutschland wächst die Wolfspopulation von Jahr zu Jahr. Gemäss einer Auswertung des Bundesamts für Naturschutz (BfN) lebten im Beobachtungszeitraum 2018/19 105 Wolfsrudel, 25 Wolfspaare, sowie 13 sesshafte Einzelwölfe in Deutschland. Der Deutsche Jagdverband geht sogar von über 1300 Wölfen aus.

Immer mehr Wölfe

Gemäss dem BfN konzentriert sich das Vorkommen auf von der sächsischen Lausitz in nordwestliche Richtung über Brandenburg, Sachsen-Anhalt und Mecklenburg-Vorpommern nach Niedersachsen reichendes Gebiet. Aber auch im Süden von Deutschland breiten sich die Grossraubtiere aus.

Das sorgt für immer mehr Ärger bei den Tierhaltern. In den vergangenen Monaten dokumentierten Bauern immer wieder Wölfe. Vergangene Woche hat Schäfer Mathias Koch einen Wolf filmen können. 

Näherte sich bis 10 Meter an

Das Raubtier griff seine 800 Tiere zählende Heidschnucken-Herde in der Lüneburger-Heide südlich von Hamburg an. Dem Angreifer gelang es, ein Schaf zu reissen. Im Video ist zu sehen, wie der Wolf trotz der Anwesenheit des Schäfers keine Scheu zeigte. Der Wolf hat sich gemäss Berichten mehrerer Medien auch nicht verzogen, als Koch Steine und Äste nach dem Raubtier warf.

Gegenüber der Bild-Zeitung sagte der Schäfer, dass er den Wolf sogar getroffen habe, was diesen aber nicht abschreckte. «Solche Viecher brauchen wir hier nicht. Einen schönen Gruss an die Wolfsschützer», sagte der Schäfer im Video. Rund 45 Minuten lang umkreiste der Wolf die Heidschnucken sowie den Schäfer mit seinen beiden Herdenschutzhunden. Der Wolf näherte sich dabei bis zu 10 Meter an. Erst als der Chef von Koch mit dem Auto zur Herde fuhr, machte er sich das Raubtier aus dem Staub.  

Bestand regulieren

Bis vor wenigen Jahren gab es auf der Lüneburger Heide keine Wölfe. Der Wolf gehöre vermutlich zum Schneverdinger Rudel, sagte der Wolfsbeauftragte der Landesjägerschaft Niedersachsen, Raoul Reding, zur Bild-Zeitung. 

Matthias Zimmermann vom Naturschutzpark Lüneburger Heide fordert eine Regulierung der Wölfe. Ein Miteinander mit den Raubtieren könne nur funktionieren, wenn diese auf Abstand bleiben. Auch viele Anwohner fordern eine Regulierung des Wolfbestandes, sodass die Tiere wieder Scheu vor dem Menschen lernen.

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