23.07.2015 06:10
Quelle: schweizerbauer.ch - Anja Tschannen, Daniel Salzmann
Pferde
Über 100'000 Tonnen Heu verschwendet
34'789 Pferde sind als Heimtiere eingetragen. Sie fressen viel Heu. Futter, das auf Kulturland gewonnen wird, aber nie einen Mehrwert generiert. Denn Heimtiere landen in der Kadaverstelle und nicht auf dem Teller.

Mehr als 108'000 Tonnen Heu werden jährlich benötigt, um die fast 35000 Pferde, die in der Schweiz als Heimtiere registriert sind, zu füttern (Annahmen: Pferd 500 kg schwer, 7,5 kg Trockensubstanz (TS) Raufutter pro Pferd und Tag, Heu hat TS von 88% des Gewichts.). Dazu komme noch das Kraftfutter, welches im Pferdebereich oft in viel zu hohen Mengen und nicht leistungsgerecht eingesetzt werde, wie Christa Wyss, wissenschaftliche Mitarbeiterin von Agroscope, Schweizer Nationalgestüt, betont. «Die meisten Pferde leisten zu wenig und brauchen kein Kraftfutter, sie könnten alleine von Raufutter guter Qualität leben», sagt Wyss.

In Kadaversammelstellen

Wenn der Kraftfuttereinsatz unnötig ist, bringt er weder der Pferdegesundheit noch dem Portemonnaie noch der Umwelt etwas, gut ist er dann höchstens für die Futtermittelfirmen. Aber nicht nur das Kraftfutter wird fehlinvestiert, sondern auch das Raufutter. Dies jedenfalls in Anbetracht der Tatsache, dass die Heimtierpferde ganz sicher nie in der Lebensmittelkette landen werden. Man füttert also Pferde durch, die am Schluss in der Kadaverstelle entsorgt werden müssen.

Die rund 108'000 Tonnen Heu, die jährlich verfüttert werden, werden zwar zu Fleisch weiter veredelt, das aber nie konsumiert wird. Im Jahr 2014 seien insgesamt 1175 Heimtiere als verendet gemeldet worden, meldet die Identitas AG auf Anfrage. Davon wurden gut 81% euthanisiert. Ein kleiner Anteil der euthanisierten Pferde wird im Pferdekrematorium in Kirchberg BE kremiert.

«Wir kremieren etwa 70 Pferde pro Jahr», sagt Brigitte Hartmann Imgrüt vom Pferdekrematorium Kirchberg. Die Mehrheit der Heimtierpferde wird aber in Tierkadaverstellen entsorgt. Von dort aus gelangen sie in eines der beiden Entsorgungswerke der Schweiz in Bazenheid SG oder Lyss BE. In beiden Entsorgungswerken werden die Kadaver  zerstückelt. Zu guter Letzt wird die Masse in einem mehrstufigen Verfahren getrennt. Fett für die Industrie, Wasser für die Kläranlage und Tiermehl als Brennstoff für Zementfabriken.

Ein Fall von «Foodwaste»

Heute wird Foodwaste, die Verschwendung von Lebensmitteln, kritisiert und von Firmen, Nicht-Regierungsorganisationen und der Politik bekämpft. Sogar Schweine- und Hühnermäster, die Ackerfrüchte verfüttern, müssen sich heute zuweilen dafür rechtfertigen, weil es «effizienter» wäre, wenn der Mensch diese direkt ässe. Müsste da nicht erst recht zum Thema werden, dass Rau- und Kraftfutter an Heimtiere verfüttert werden? Schliesslich darf von Heimtieren per Definition nichts gegessen werden. 

Für Thomas Gröbly, Landwirt, Theologe und Ethiker, zählt mindestens das Kraftfutter für Pferde, die als Heimtier registriert sind, zum Foodwaste. Er findet, möglichst viele Pferde sollten als Nutz- und nicht als Heimtier registriert werden. Der Mehraufwand bei Nutztieren – u.a. das Führen eines Behandlungsjournals und das Einhalten von Absetzfristen bei Medikamenten – sei für Personen, die sich Pferde für die Freizeit leisten könnten, zumutbar.

Equidenbestand

Aktuell gibt es in der Schweiz laut Auskunft der Identitas AG 112'853 Equiden, darin sind Pferde, Maultiere, Maulesel, Esel und Ponys erfasst. Von diesen sind 67'302 als Nutztiere und 45'551 als Heimtiere registriert. Den grössten Anteil der Equiden, die als Heimtiere eingetragen sind, machen die 34'789 Pferde aus. ats

Auch Hunde und Katzen

Solange Hunde und Katzen nicht ausschliesslich Schlachtabfälle fressen, die kein Mensch essen will, sind auch sie Verursacher von Foodwaste. Für Hunde empfehlen Fachleute in der Ration bis zu 55% Getreideprodukte (z.B. Haferflocken, Nudeln), die natürlich auch die Menschen essen könnten. 

Auf www.bildderfrau.de liest man sogar, man könne für den eigenen Hund natürlich auch kochen. Verwenden solle man dafür Fleisch, hochwertiges Öl, Kohlenhydrate, Gemüse und gekochtes Getreide. Zur Erinnerung: Weltweit haben laut UNO fast 800 Millionen Menschen nicht genug zu essen.

Heimtier-Pferde

Pferde, die nicht zur Lebensmittelproduktion gehalten werden, sondern aus Interesse und Freude am Tier. Ein als Heimtier deklariertes Pferd darf bei seinem Abgang nicht mehr in die Nahrungsmittelkette gelangen. Der Besitzer entscheidet selbst, ob er sein Pferd als Heimtier deklariert. Der Entscheid zum Heimtier kann nicht rückgängig gemacht werden. Das Tier kann nicht geschlachtet werden, der Schlachterlös entfällt. Bei Krankheiten und Verletzungen kann das Tier mit allen dafür zur Verfügung stehenden Medikamenten behandelt werden. Es muss laut einem Merkblatt der Pferdeklinik Zürich kein Behandlungsjournal geführt werden. Wichtig ist: Ein Nutztier-Pferd kann immer noch eingeschläfert werden, wenn es einem lieb geworden ist. sal/ats

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