21.01.2019 17:57
Quelle: schweizerbauer.ch - sda
Bienen
Varroamilbe ist eine Art Werwolf
Die Varroamilbe ist der Schrecken eines jeden Imkers. Die Parasiten befallen massenhaft Bienenvölker und saugen die Arbeiterinnen aus. Allerdings ernähren sie sich ganz anders, als bisher angenommen.

Die Varroamilbe gilt als eine der grössten Gefahren für die Honigbiene. Bislang ging man davon aus, dass die Milben den Honiglieferanten hauptsächlich die sogenannte Hämolymphe aussaugen, eine Körperflüssigkeit ähnlich dem Blut. Doch das stimmt offenbar gar nicht, wie US-Forscher nun berichten.
Demnach ernähren sich die 1,6 Millimeter kleinen Tiere in der Hauptsache vom Fettkörper der Bienen, wie ein Team um Samuel Ramsey von der Universität Maryland in den «Proceedings» der US-Akademie der Wissenschaften («PNAS») schreibt.

Lebenswichtiges Organ

«Der Fettkörper ist absolut überlebenswichtig für die Honigbiene», sagte Ramsey laut einer Mitteilung seiner Universität. Das Organ übernehme bei Bienen ähnliche Funktionen wie die menschliche Leber, speichere zudem Nahrung und stärke das Immunsystem. Wird der Fettkörper beschädigt, seien die Bienen viel angreifbarer für andere Gefahren wie Pestizide und geringes Nahrungsangebot.

Seit den 1960er Jahren hielt sich die Vorstellung, dass sich die Varroamilbe von der Hämolymphe ernährt. «Wir haben über diese Milben geredet als seien sie Vampire, dabei sind sie eher wie Werwölfe. Wir haben versucht, sie mit einem Pflock zu töten, dabei brauchen wir eigentlich eine Silberkugel», sagte Ramsey.

Ergebnisse revolutionär

Die Forscher hoffen, dass ihre Erkenntnisse zur Bekämpfung der Milbe beitragen können. «Die Ergebnisse sind revolutionär, um zu verstehen, welchen Schaden Milben bei den Bienen anrichten», schreibt Ko-Autor Dennis van Engelsdorp. Das Ergebnis eröffne ganz neue Möglichkeiten, Behandlungen zu finden und die Milbenpopulation zu kontrollieren.

Nach Angaben des Forschungsinstituts Agroscope stammt der Parasit ursprünglich aus Ostasien. In der Schweiz wurde die Varroamilbe erstmals 1984 entdeckt.

Säure, Heizung oder Schwarmteilung


Der Parasit mit dem ovalen Körper und scharfen Beisswerkzeugen vermehrt sich in den Brutzellen und befällt die Arbeiterbienen. Dabei schleppt er auch Bakterien und gefährliche Viren ein, die sich immer wieder neuen Gegebenheiten anpassen können. Um das Eingehen befallener Völker zu verhindern, sei eine jährliche Bekämpfung der Varroamilbe unabdingbar, schreibt die Agroscope auf ihrer Website.

Zum einen können zum Beispiel Ameisensäure und Oxalsäure die Milben gut beseitigen, wobei es jedoch auf die richtigen Witterungsbedingungen beim Einsatz der Säure ankommt. Zum anderen können Imker die Völker teilen und so aus einem Volk zwei Völker machen. Weil im «Ableger» vorübergehend die Eiablage durch die Königin ausbleibt, unterbricht diese Massnahme die Vermehrung des Parasiten. Das reduziert den Befall temporär.

Ein Winterthurer Startup setzt auf noch eine andere Lösung: Mit einem Heizdraht werden die Brutwaben im Bienenstock kurzzeitig auf 41 Grad Celsius erwärmt. Das schadet den Bienen nicht, aber die Milben sind nach drei Stunden tot.

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