22.01.2014 10:20
Quelle: schweizerbauer.ch - sda
Vögel
Waldohreule spürt Feldmäuse lautlos auf
Die Waldohreule ist Vogel des Jahres 2014. Der Schweizer Vogelschutz SVS/BirdLife Schweiz hat die nachtaktive Jägerin für ein Jahr in den Fokus gerückt. Er will damit das öffentliche Augenmerk auf die Erhaltung ihres Lebensraums lenken: den fliessenden Übergang von Wald zu Kulturland.

Wenn es dunkel wird, wacht die Waldohreule auf. Den Tag hat sie auf einem Baum verschlafen - jetzt hat sie Hunger und macht sich auf die Jagd nach Feldmäusen. Diese ortet sie mit ihrem feinen Gehör: Die Waldohreule hört genau, woher das leise Piepsen einer Maus kommt. Lautlos nähert sie sich und packt mit ihren scharfen Krallen zu.

Zu 80 Prozent besteht ihr Menü aus Feldmäusen

Der geräuschlose Flug ist der Eule möglich dank ihren gezahnten Flugschwingen und der samtigen Struktur auf den Federn. Damit wird der Luftwiderstand gebrochen, wie die Vogelschutz-Organisation am Dienstag mitteilte. Die Waldohreule ernährt sich recht einseitig. Zu 80 Prozent besteht ihr Menü aus Feldmäusen.

Die scheinbaren Öhrchen, die der Waldohreule ihren Namen gegeben haben, sind laut SVS/Bird Life Schweiz übrigens gar keine Ohren. Der Vogel braucht sie als Ausdrucksmittel für seine Mimik.

Je mehr Mäuse, desto mehr Junge

Je nachdem, wie viele Mäuse es in einer Gegend gibt, zieht die Waldohreule mehr oder weniger Junge auf. In einem schlechten Mäusejahr sind es drei bis fünf, in einem guten sechs bis acht. Die Eier legt sie in ein altes Krähennest am Waldrand oder in einem Feldgehölz, wie es in der Mitteilung heisst.

Die Kleinen klettern im Alter von drei Wochen aus dem Nest. Sie können dann allerdings noch nicht fliegen, sondern sitzen nur auf den Ästen herum. Nachts werden sie munter und fiepen lautstark nach Futter. Etwa zehn Tage, nachdem sie das Nest verlassen haben, können sie fliegen und begleiten dann die Eltern auf der Mäusejagd.

Schrumpfender Lebensraum

Ihren besten Lebensraum hat die Waldohreule in den fliessenden Übergängen zwischen Wald und Kulturland: lichte Waldpartien, Magerwiesen, Hecken, Obstbäume, Weiden. Solche Räume aber verschwinden mehr und mehr - die Übergänge werden abrupt, sie schrumpfen auf schmale Linien zusammen.

Dies ist aber nicht nur für die Waldohreule fatal. Halboffene Landschaften sind generell wichtig für die Biodiversität. Sie bieten zahlreichen Pflanzen- und Tierarten Lebensräume.

Der SVS/Bird Life Schweiz fordert die Schweiz deshalb auf, lichte Waldbereiche mit strukturreichem Kulturland zu kombinieren und wo möglich neu entstehen zu lassen. Vermehrte Holznutzung zur Energiegewinnung, Landwirtschaftsbeiträge für Landschaftsqualität und dergleichen geben dazu neue Anreize.

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