7.02.2015 10:09
Quelle: schweizerbauer.ch - sda
Vögel
Waldrapp als Ausnahme
Waldrappe teilen sich die Führungsarbeit beim Formationsflug gerecht auf, wie ein internationales Forscherteam berichtet. Dies sei eines von wenigen Beispielen für direkte Kooperation bei Tieren.

Dieses Verhalten mute im Hinblick auf die Evolutionslehre mit ihren «egoistischen Genen» ein wenig rätselhaft an, schreiben die Forscher. Die Studie erschien im Fachmagazin «PNAS».

Mit Paragleiter begleitet

Die Ornithologen um Bernhard Völkl und Johannes Fritz vom österreichischen «Waldrappteam» in Mutters (Tirol) haben 14 junge, von Menschenhand aufgezogene Jungvögel bei ihrem ersten Herbst-Zug von Salzburg nach Italien mit einem Propeller-getriebenem Paragleiter (Paraplane) angeführt. Dabei zeichneten sie zeitweise mittels Satellitennavigation (GPS-Tracker) die Position der einzelnen Vögel in der Formation auf.

Um einen Einfluss des Fluggeräts auszuschliessen, wurden die Daten nur verwendet, wenn die Vögel einen gewissen Abstand dazu hatten, erklärte Fritz im Gespräch mit der Nachrichtenagentur APA.

Sie fanden heraus, dass alle Jungvögel insgesamt gleich lange in einer unvorteilhaften Führungsposition flogen und gleich lange den Auftrieb vom Flügelschlag eines Vordervogels nutzen konnten. «Die Waldrappe haben sich dabei mit hoher Frequenz abgewechselt», so Fritz. Im Schnitt war ein Vogel gerade einmal zwei Sekunden lange in Führungsposition. Gerade diese häufigen Wechsel würden ermöglichen, dass die Vögel so gut kooperieren und ihre «Nettobilanz» kontinuierlich ausgleichen, meint Fritz.

Selektionsdruck begünstigt Kooperation

Obwohl sie in einem grossen Schwarm fliegen, teilten sich die Waldrappe die Arbeit vor allem paarweise auf, erklärte er. «Jedes Individuum schaut also, dass der Nächstgelegene das System nicht ausnutzt, sondern auch seinen Beitrag zahlt», sagte der Biologe. Ähnliches habe man vor kurzem bei Schwärmen von Staren und Fischen beobachtet.

Bestimmte Eigenarten der Wanderflüge haben die Evolution eines solchen Kooperationssystems begünstigt, meinen die Forscher in einer Mitteilung. Die weite Reise kostet sehr viel Energie und mitunter ein Drittel der Jungvögel das Leben, weil sie dabei oft an Erschöpfung sterben. Somit würde ein hoher Selektionsdruck den energiesparenden Formationsflug begünstigen. Ausserdem böte die lange Reise zahlreiche Gelegenheiten für Interaktionen zwischen den Vögeln, erklären sie.

Waldrappe sind eine akut vom Aussterben bedrohte Vogelart. In einem EU-Projekt sollen sie in Europa wiederangesiedelt werden, gleichzeitig soll diese «charismatische Zugvogelart» dabei erforscht werden.

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