5.04.2016 17:17
Quelle: schweizerbauer.ch - sda
Forschung
Werden bald Schweineherzen implantiert?
Seit Jahren wird erforscht, ob Organe von Schweinen irgendwann Menschen eingesetzt werden könnten. Dank eines speziellen Wirkstoffcocktails hat ein Schweineherz im Körper eines Affen gut zweieinhalb Jahre geschlagen, so lange wie nie zuvor.

945 Tage lang arbeitete das in den Bauchraum des Pavians implantierte Organ, wie US-amerikanische und deutsche Forscher im Fachmagazin «Nature Communications» berichten. In Versuchen zuvor habe dies nur maximal halb so lange funktioniert.

Der Organaustausch über Artgrenzen hinweg, Xenotransplantation genannt, wird angesichts fehlender Spenderorgane als mögliche Alternative für Menschen erforscht. Das grösste Problem dabei sind bisher die heftigen Abstossreaktionen bei speziesfremden Implantaten.

Abstossung verhindert

Diese Reaktionen hat das Team um Muhammad Mohiuddin von den National Institutes of Health (NIH) in Bethesda (US-Staat Maryland) nun bei fünf Anubispavianen vergleichsweise lange verhindern können. Den zwei bis drei Jahre alten Affen wurden Herzen genmodifizierter, sechs bis acht Wochen alter Schweine eingesetzt.

Im Schnitt arbeiteten die Organe 298 Tage. Sie waren im Bauchraum der Affen an deren Blutversorgung angeschlossen, pumpten aber, ohne deren normale Herzfunktion zu ersetzen.

«Diese wirklich zu ersetzen, wird der nächste Schritt sein, an dem wir in München gerade arbeiten», erläutert Bruno Reichart, Sprecher des Sonderforschungsbereichs für Xenotransplantation der Deutschen Forschungsgemeinschaft. Zwei seiner Kollegen von der Ludwig-Maximilians-Universität in München wirkten bei der US-Studie mit.

«Die Meisterleistung bei diesen Versuchen war die erfolgreiche Immunsuppression», sagt Reichart. «Sie ist sehr simpel, nicht toxisch und auch beim Menschen machbar.»

Mix aus Antikörpern und Medikamenten

Mohiuddins Team verwendete einen Mix aus bestimmten Antikörpern und Medikamenten, der verhinderte, dass die Affenkörper die Schweineherzen als fremd abstiessen. «Die Organe starben erst ab, nachdem die Immunsuppression abgesetzt wurde, um zu testen, ob die Organe sich eventuell angepasst hätten», erläutert Reichart.

Die Schweineherzen stammten von genmodifizierten Tieren, deren Organe sich unter anderem besser an die menschlichen Blutgerinnungsfaktoren anpassten.

Schweine sind auch für Menschen potenzielle Organspender, da ihr Stoffwechsel dem menschlichen ähnelt. Laut der nationalen Stiftung für Organspende und Transplantation Swisstransplant fanden 2015 in der Schweiz 40 Herztransplantationen statt, während 134 Personen auf ein Spenderherz warteten.

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