27.02.2013 08:18
Quelle: schweizerbauer.ch - sda
Forschung
Wespengenom gibt Aufschluss über Arbeitsteilung zwischen Kasten
Bei primitiven Wespenarten sind nicht nur die Arbeiterinnen fleissiger als die Königinnen - sondern auch deren Gene. Dies hat ein Forscherteam mit Schweizer Beteiligung herausgefunden. Die Studie gibt Hinweise darauf, wie die Arbeitsteilung zwischen Kasten entstanden ist.

Die Forschenden um Pedro Ferreira von der Universitat Pompeu Fabra in Barcelona und der Uni Genf wollten herausfinden, was eine Wespe zur Arbeiterin oder Königin macht. Dazu untersuchten sie den aktiven Teil des Erbguts einer urtümlichen, staatenbildenden Wespe namens Polistes canadensis, die in tropischen Gefilden lebt.

Genom der Arbeiterinnen viel aktiver

Bei dieser Art unterscheiden sich Arbeiterinnen und Königinnen nur im Verhalten, nicht äusserlich. Es stellte sich heraus, dass das Genom bei Arbeiterinnen viel aktiver ist als bei Königinnen, wie die Forschenden nun im Fachblatt «Genome Biology» berichten.

Offenbar sind bei den Arbeiterinnen zahlreiche Gene in Betrieb, die noch von ihren einzelgängerisch lebenden Vorfahrinnen stammen, heisst es in einer Mitteilung zur Studie. Diese mussten noch selbst jagen, ihre Brut legen und umsorgen. Dagegen ist bei den Königinnen ein Grossteil dieser Gene ausgeschaltet, vermutlich um das Reproduktions-Verhalten zu fördern. «Unsere Daten geben einen faszinierenden Einblick, wie verschiedene Kasten entstehen», schreiben die Autoren.

Bienen sind zahme Wespen

Ausserdem konnten die Forschenden mit den Genomdaten den Stammbaum der Hautflügler neu beurteilen. Aus Fossilien hatte man geschlossen, dass Ameisen und Wespen einem Zweig angehören, Bienen einem anderen. Die neuen Daten deuten darauf hin, dass Wespen einem von Ameisen und Bienen getrennten Stamm angehören könnten.

Dieser Unterschied sei wichtig für das Verständnis, wie Staatenbildung entstanden ist, sagte Studienleiter Seirian Sumner von der Universität Bristol in der Mitteilung. «Das würde bedeuten, dass Bienen und Ameisen einen stachelbewehrten, wespenähnlichen Vorfahr hatten, dass Ameisen Wespen ohne Flügel sind und dass Bienen Wespen sind, die ihr räuberisches Verhalten verloren haben.»

Weitere Genomstudien seien aber nötig, um diesen Befund zu bestätigen.

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