20.07.2020 12:15
Quelle: schweizerbauer.ch - Oliver Metzler
Bisons
Wilder Westen im Jura
Vor 28 Jahren hat Christian Lecomte mit der Aufzucht von Bisons begonnen. Sie sind Teil seines agrotouristischen Angebots. Dazu gehören neben einem Seilpark auch Übernachtungen in Indianer-Tipis.

"Hey, hey» ruft Christian Lecomte aus voller Kehle in eine scheinbar nur aus Bäumen und Gräsern bestehende Landschaft. Die Wiese auf der er steht, hat in der Mitte eine leichte Erhöhung, so dass man nicht bis ans andere Ende sehen kann. «Hey, hey» wiederholt er seinen lauten Ruf und streut dabei ein wenig Kraftfutter über den Boden. Und auf einmal machen sich am Horizont einige braune Flecken bemerkbar, die immer grösser werden und sich schnell auf Lecomte zubewegen. Das Hufgetrampel ist immer deutlicher hör-, ja sogar spürbar. Man ist froh, hinter einem Gehege zu stehen, um sich vor dem schnellen Herannahen dieser bis zu 1,3 Tonnen schweren Bisons in Sicherheit zu wähnen. Inspiriert von dieser Szene stellt man sich vor, wie sich wohl ein Indianer mit Pfeil und Bogen einst gegen diese Bisons durchzusetzen vermochte. Denn die Heimat dieser Präriebisons ist Nordamerika.

Bisonfleisch auf dem Teller

Es war 1992, als Christian Lecomte fünf weibliche Bisons aus den USA, genauer aus Süddakota importierte. Im Jahr darauf hat er einen männlichen Bison erstanden und mit der Zucht begonnen. Die ersten Geburten gab es im Juli 1995. Heute besteht die Zucht aus ungefähr 50 Bisons. Jährlich gibt es 10 bis 15 Geburten. Dieselbe Anzahl Bisons verarbeitet er jährlich zu Fleisch für sein Restaurant. Die Bisonranch liegt in Colisses du Bas bei Près d’Orvin auf knapp 1200 Metern Höhe auf dem südöstlichen Hang des Chasserals. Es ist der Sömmerungshof, den er von seinen Eltern übernommen hat. Der Haupthof war in Diesse, auf dem sie 50 Milchkühe hielten. Die heutige Bisonranch beherbergte einst nur ein Restaurant. Heute gibt es, neben einem abenteuerlichen Hochseilpark als Unterkünfte einige kleine Holzhütten im Stile des Wilden Westens und Indianer-Tipis. Country-Konzerte sorgen gelegentlich für die entsprechende Stimmung.

Bison ist ein Wildtier

Als Lecomte mit der Bisonzucht begann, hat er die Milchkühe vorerst noch behalten. Erst als 2008 eine weitere Milchpreissenkung angekündigt wurde, hat er die Milchwirtschaft aufgegeben. Heute ist der Agrotourismus eine wichtige Stütze. «Wenn man reich werden will, sollte man nicht mit Bisons anfangen», erklärt Lecomte. Beim Verkauf des Fleisches ausserhalb seines Restaurants seien die Margen zu tief. Er züchtet den nordamerikanischen Präriebison, der bis zu 25 Jahre alt wird und sich am besten für die Zucht eignet. Die Männchen dieser wiederkäuenden Paarhufer werden am Widerrist bis zu 1,80 Meter gross und wiegen ausgewachsen bis zu 1,3 Tonnen. Die Weibchen sind deutlich kleiner und wiegen 25 bis 50% weniger. Die Brunftzeit ist von Juli bis September. Die Tragezeit beträgt 9 Monate. Bei der Geburt wiegt ein Bison zwischen 20 und 30 Kilo und hat ein rötliches Fell, das sich ab der zehnten Woche braun färbt. Das BLW definiert die Bisons, so wie die Hirsche, als Wildtiere. Für Lecomte hat dies einschneidende Konsequenzen.

Keine Beiträge

Der Betrieb von Lecomte ist in zwei Zonen unterteilt. Um den Hof herum betreibt er 30 Hektaren LN und dann ungefähr 35 Hektaren Weiden, auf denen er Tiere zur Sömmerung halten kann. Zurzeit sind dies ausschliesslich Pferde. Lecomte ist «enttäuscht von den landwirtschaftlichen Autoritäten», weil er für seine Bisons keine Sömmerungsbeiträge beantragen kann. Dies, weil eben der Bison als Wildtier definiert wird. «Ich müsste kein Futter zukaufen und wäre hinsichtlich der Fütterung autonomer, wenn mir die Politik erlauben würde, meine Bisons flexibler auf meinem Betrieb zu halten», reklamiert Lecompte. Auf diese Weise würde sich auch die Bisonzucht besser entwickeln. Denn es gäbe dafür einen Markt. Der Import dagegen sei sehr teuer. 

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