23.11.2016 09:26
Quelle: schweizerbauer.ch - Trudi Krieg
St. Gallen
«Wildschweine sind ein akutes Problem»
Die Wildschweinpopulation nimmt in der Ostschweiz zu. Vermehrt zerstören die Tiere bei der Futtersuche Wiesland.

Oskar Trunz hat durch seine langjährige Erfahrung als Jäger, als ehemaliger Präsident des St.Gallischen Jägervereins Hubertus und als Obmann der Jagdgesellschaft Bernhardzell gelernt, Zusammenhänge in der Natur zu erkennen. Der Fachmann sprach am Informationsabend, der von der Landwirtschaftskommission Wittenbach organisiert wurde,  über Ausbildung sowie Sinn und Zweck der Jagd. Und darüber, dass Wildschweine erneut ein aktuelles Problem sind.

Nicht ernst genommen

«Als Ende der 90er-Jahre die ersten Wildsauen in unserer Gegend auftauchten und ich sagte, diese Tierart könnte einmal zum Problem werden, wurde ich eher ausgelacht als ernst genommen», erinnert sich Trunz. Inzwischen haben sich die Tiere nahezu auf das ganze Kantonsgebiet verbreitet. Diese einheimische Wildart hat keine natürlichen Feinde.

In einem richtig kalten Winter stirbt zwar ein Teil der Jungtiere, die sogenannten Frischlingen, «aber solche strengen und kalten Winter gibt es kaum mehr», so Trunz. Zudem ändere sich zusehends die Zusammensetzung der Baumarten in den Wäldern, dies zugunsten des Schwarzwildes: Bucheckern, Eicheln und vieles mehr bereichere das Futterangebot. Wenn dann  die Bauern noch Mais oder gar Kartoffeln anpflanzten, lebten die Wildschweine wie im Schlaraffenland.

Älteste Mutter ist Boss


Wildschweinrudel werden von der ältesten, erfahrensten Sau, der Leitbache, angeführt. In diesen Rotten leben bis zu 20 Tiere. Es sei ein Trugschluss, mit dem Abschuss der Leitbache die Vermehrung stoppen zu können, weiss Trunz. Denn diese Sauen würden über Zucht und Ordnung der Nachkommen bestimmen, und wer sich wann mit wem paaren dürfe. Alleingelassen, paaren sich die Jungtiere viel zu früh mit den allein herumstreunenden Keilern.

Zur Dezimierung des Bestandes werde daher immer jung vor alt erlegt, sofern die Tiere die Jäger nicht austricksen: «Um eine Wildsau erlegen zu können, muss der Jäger bei der Ansitzjagd bis zu 70 Stunden ausharren. Wildschweine sehen zwar nicht sehr gut, dafür hören sie umso besser und sie haben einen phänomenalen Geruchssinn. Auf zwei- bis dreihundert Meter riechen sie den Jäger, wenn er im Wind  steht.» Geschossen werde vorwiegend im Winter und nachts auf der Einzeljagd, erklärt der Fachmann.

Böse Überraschungen


In letzter Zeit erleben Landwirte wieder vermehrt  böse Überraschungen am Morgen, indem sie von Wildsauen durchwühlte Felder vorfinden: «Die Bauern haben ihre Maisfelder abgeerntet. Nun gehen die Sauen zur Futtersuche auf das Kultur- und das Wiesland.» Schäden an Kulturen und landwirtschaftlichen Nutztieren müssten sofort dem kantonalen Wildhüter oder dem Revierobmann gemeldet werden, so Trunz.  

Zwar bezahle der Kanton den Bauern die Schäden aus der Jagdkasse, aber diese werde von den Jagdpachtzinsen der Jäger gespeist. Früher wurden Schäden pro Einzelfall ab 400 Franken vergütet. Neu werden sie über ein Jahr kumuliert und bei einer Schadenssumme von über 300 Franken vergütet. 


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