10.03.2017 08:35
Quelle: schweizerbauer.ch - sda
Insekten
Winzige Raubfliege ist Super-Jäger
Eine kleine Raubfliege beeindruckt Wissenschaftler mit ihren Jagdkünsten im Flug. Dank ihres ausgezeichneten Sehvermögens kann sie ein vorbeifliegendes Beutetier mit ausgeklügelter Jagdstrategie abfangen.

Die selbst nur etwa sechs Millimeter grossen Raubfliegen könnten Beutetiere unter zwei Millimeter Grösse aus einer Entfernung von mehr als einem halben Meter sehen, berichtet ein internationales Forscherteam im Fachmagazin «Current Biology».

Hochgeschwindigkeitskameras

Das Team um Trevor Wardill von der britischen Universität Cambridge hatte die Raubfliegen der Art Holocephala fusca in ihrem natürlichen Lebensraum mit Hochgeschwindigkeitskameras gefilmt. Mithilfe einer speziellen Apparatur liessen die Forscher ein bis vier Millimeter grosse, an einer Angelschnur angebrachte Kügelchen - vermeintliche Beutetiere - an den sitzenden Fliegen vorbeiziehen.

Diese gingen daraufhin zum Angriff über. Während sie die Verfolgung aufnahmen, hielten sie zunächst einen ganz bestimmten Kurs, mit dem sie an einem bestimmten Punkt genau mit dem Beutetier zusammengetroffen wären.

Hakenschlagende Fliegen

Dass auch die kleinen Raubfliegen diese im Tierreich weit verbreitete Strategie nutzten, sei zwar nicht völlig überraschend, war aber bisher unbekannt. Dann beobachteten die Forscher etwas Unerwartetes: Wenn sich die Fliegen auf knapp 30 Zentimeter ihrem Beutetier genähert hatten, bremsten sie ab und änderten ihre Flugbahn, bevor sie die Beute attackierten. Dieses Manöver erhöhe die Trefferchancen, schreiben die Forscher.

Die Wissenschaftler untersuchten anschliessend die Facettenaugen der Raubfliegen genauer und fanden heraus, dass diese eine ausgezeichnete Sehschärfe vermitteln. Sie verfügen an einer zentralen Stelle über eine sogenannte Fovea, einen Punkt, an dem das Sehen am schärfsten ist. Auch in der Netzhaut der Menschen und anderer Säugetiere gibt es so eine Sehgrube. Sie erlaubt den Raubfliegen die Wahrnehmung auch winziger Beutetiere, schreiben die Forscher.

Bessere Sehvermögen als Libellen

«Wir wussten, dass diese Fliegen im Vergleich zu anderen Zweiflüglern ein besseres Sehvermögen besitzen, aber dass sie damit selbst zehn Mal grösseren Libellen im Hinblick auf die räumliche Auflösung überlegen sind, hätten wir nicht gedacht», sagte Studienleiterin Paloma Gonzalez-Bellido, ebenfalls aus Cambridge.

«Wir haben gezeigt, dass die Anpassungen, die selbst ein winziges Nervensystem unter starkem Druck hervorbringen kann, dem Tier Lösungen ermöglicht, die wir sonst nur grösseren Tieren zusprechen.»

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