28.04.2020 15:30
Quelle: schweizerbauer.ch - sda/blu
Forschung
Wölfe: Beuteangebot entscheidend
Bei der Rückkehr der Wölfe sind Konflikte vorprogrammiert, beispielsweise mit Landwirten. Berner Forscher haben nun vier Winter lang die Gewohnheiten der Tiere analysiert, um ihre künftigen Lebensräume vorauszusagen. Fazit: Wölfe leben dort, wo ihnen das Essen behagt. Dies hilft, um Konflikte zwischen den Raubtieren und der Bevölkerung vorzubeugen.

Eine Forschungsgruppe unter der Leitung der Abteilung Naturschutzbiologie des Instituts für Ökologie und Evolution der Universität Bern hat von 2012/13 bis 2015/16, die Lebensraumnutzung der Wölfe im Kanton Wallis registriert und kartografiert. Zwar leben hier schon seit 1995 einzelne Tiere, der erste Wurf wurde jedoch erst 2016 nachgewiesen - der Untersuchungszeitraum umfasste damit genau die Phase der ersten Rudelbildung.

Beuteangebot entscheidend

«Um Informationen über die Raumnutzung der Wölfe zu erhalten, stellten wir über 100 Fotofallen systematisch an Wildwechseln auf» erklärt Studien-Letztautorin Veronika Braunisch. Zusätzlich wurden flächendeckend Lebensraumfaktoren wie Wetterbedingungen, Landnutzung und Topografie erhoben. Und um herauszufinden, welches Beuteangebot vorhanden war, zählten sie auf abgesteckten Pfaden Spuren von Rehen, Hirschen, Gämsen und anderen Tierarten im Schnee.

Das Ergebnis war eindeutig: Das wichtigste Kriterium der Wölfe bei der Wahl ihres Lebensraums ist, ob genügend Beute vorhanden ist. Zwar haben auch Landschaft und Landnutzung einen Einfluss, der weitaus grösste Anteil (53%) wird jedoch durch das Beuteangebot erklärt. Dabei war die Dichte des Rotwilds besonders entscheidend in der Phase der Rudelbildung (31%), gefolgt von der Rehwilddichte (22%).

Können Karten erstellt werden

«Dieses Muster ist nicht verwunderlich», sagt Professor Raphaël Arlettaz, Leiter des Forschungsprojekts und Direktor des Departements für Biologie der Universität Bern: «Während Rehe für einzelne Wölfe die einfachere Beute darstellen, sind Hirsche profitabler, wenn gemeinsam gejagt werden kann und Nahrung für Jungtiere benötigt wird.» Weitere wichtige Faktoren waren die Niederschlagsmenge (19%) und die Jagdbanngebiete (16%).

Aus den Daten können die Forschenden nun Karten erstellen, die zeigen, wo sich Wölfe mit besonders hoher Wahrscheinlichkeit aufhalten, oder künftig aufhalten werden. «In diesen Gebieten ist es besonders sinnvoll, geeignete Schutzmassnahmen zu anzuwenden», so Raphaël Arlettaz.

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