4.07.2018 09:16
Quelle: schweizerbauer.ch - sda
Forschung
Wölfe versöhnen sich - Hunde nicht
Wölfe geraten sich öfter in die Haare als Hunde, versöhnen sich danach aber rasch wieder. Hunde hingegen meiden einander nach einem Konflikt.

Dies berichten Forscherinnen vom österreichischen Wolf Science Center (WSC) in Ernstbrunn im Fachjournal «Royal Society Open Science». Die Unterschiede entstanden wohl durch die «Haustierwerdung», die Hunde von sozialen Pflichten untereinander entband.

«Versöhnung» verbreitet

«Versöhnung» haben Verhaltensforscher zunächst bei Schimpansen und dann auch bei vielen anderen Affen, Wildziegen, Delfinen, Fleckenhyänen, Saatkrähen und Raben nachgewiesen. Bei diesen Tierarten suchen die Beteiligten nach einem Konflikt die gegenseitige Nähe, um wieder Frieden zu schliessen.

Ein Team um Simona Cafazzo und Friederike Range vom WSC und dem Messerli Forschungsinstitut der Veterinärmedizinischen Universität Wien untersuchte nun, wie oft Haushunde und Wölfe streiten, und wie sie sich anschliessend verhalten.

Konflikte ohne Körperkontakt

Sie beobachteten dazu jeweils vier Rudel von Wölfen und Hunden, die in Gehegen im Wolfsforschungszentrum leben. In 500 Stunden gab es bei den Wölfen 419 Aggressionen untereinander, bei den Hunden lediglich 55. Während bei den Wölfen aber sechs von zehn Konflikten ohne Körperkontakt etwa durch reines Drohen, Nachlaufen und Hinschnappen gelöst wurden, machten die Hunde diese im Regelfall (in neun von zehn Fällen) mit tätlichen Angriffen wie Beissen und Niederstossen aus.

Die Hunde zeigten in der Studie auch keine Anzeichen von Versöhnung, sondern gingen einander nach einem Streit stets aus dem Weg, wie die Forscherinnen berichten. Wölfe verbrachten nach einem Konflikt jedoch mehr Zeit miteinander, wobei die Versöhnung meist vom unterlegenen, rangniedrigeren Tier ausging.

Auf Mensch ausgerichtet

In der Natur seien Wölfe viel mehr auf einander und eine funktionierende soziale Gruppe angewiesen als Hunde, erklären die Forscherinnen in dem Fachartikel. Wölfe jagen im Rudel, verteidigen ihr Gebiet als Gruppe und ziehen gemeinsam ihre Jungen auf. Hunde müssen sich hingegen eher mit den Menschen gutstellen als mit Artgenossen. Selbst freilebende Hunde handeln nur im Bedarfsfall gemeinsam. 

Die Forscherinnen nennen dies «unverbindlich sozial». Deshalb ist die Fähigkeit, sich flott wieder auszusöhnen, für Wölfe viel wichtiger als für ihre domestizierten Verwandten. In früheren Studien eines belgischen Teams zeigten aber auch Hunde die Fähigkeit, sich miteinander zu versöhnen, so die Forscherinnen. Sie wollen nun herausfinden, unter welchen Umständen die Tiere dazu gewillt sind.

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