9.02.2020 08:24
Quelle: schweizerbauer.ch - blu
Thurgau
Wolf hat erneut Schafe gerissen
In den vergangenen Wochen wurden in den Kantonen Thurgau und St. Gallen mehrere Schafe gerissen. In der Nacht auf Samstag hat ein Wolf im thurgauischen Schweizersholz bei Bischofszell 3 Mutterschafe getötet. Drei weitere Tiere mussten erlegt werden.

Der Hof der Familie Christen befindet sich direkt neben einer Strasse. Doch dies scheint den Wolf nicht abzuhalten. 

Unter dem Zaun eingedrungen

In der Nacht auf Samstag ist einem Wolf gelungen, unter dem Zaun in ein Schafgehege einzudringen, berichtet der TV-Sender TVO. Dort riss er drei Schafe. Ein weiteres Schaf und zwei Lämmer hat das Raubtier so schwer verletzt, dass sie durch den Wildhüter erlegt werden mussten.

«Beim Anblick des Stalles kam mir fast das Kotzen», sagt der Landwirt Christen gegenüber TVO. Die Muttertiere hätten im späten Herbst alle noch gelammt. Den Jungtieren fehlte nun die Muttermilch. Jetzt werde er sie «schöppele».

Wolf kann jederzeit wieder töten

Gemäss dem Wildhüter handelt es sich mit grosser Wahrscheinlichkeit um einen Wolf. «Die Schafe haben sehr brachiale Verletzungen mit Knochenbrüchen erlitten», sagt Mirko Calderara zu TVO. Die Bauernfamilie hätte alles richtig gemacht. Ausser Einhagen gebe es derzeit keinen Schutz.

Landwirt Christen ist aufgewühlt. «Das finde ich verrückt. Muss der Wolf jetzt auch noch andere Haustiere reissen, damit man reagieren darf?», fragt er sich. Wildhüter Calderara warnt die Tierhalter vor dem Wolf. Der Wolf könne jederzeit in Siedlungsnähe Tiere reissen.

Wolf tappte in Fotofalle

Denn in den vergangenen Wochen wurden mehrere Schafe bei Bauernhöfen von einem Wolf getötet. Bei Rossrüti in der Gemeinde Wil SG wurde am vergangenen Wochenende ein Lamm und ein Rehbock gerissen. Der Wolf wurde mit einer Fotofalle aufgenommen.   

Schafhalterin Monika Schönenberger dachte im ersten Moment nicht an einen Wolfsriss. Als sie dem Lamm das Fall abzogen, wurden die Schwere des Angriffs sichtbar. Das Genick war gebrochen. Es sei nicht restlos klar, ob und wie tief der Wolf tatsächlich in den Laufstall eingedrungen sei, sagte Schönenberger zu hallowil.ch. 

Wolf dringt in Ställe ein

Das tote Lamm lag an der offenen Seite des Laufstalls zwischen den Silos, wo ein Zaun aus zwei Metallrohren verhindert. Schönenbergers haben ihre Schafe mit Elektrozäunen geschützt. Nun überlegen sie sich weitere Schutzmassnahmen. Neben den Schafen sind auch die Mutterkühe untergebracht.

Mitte Januar wurden auf einem Bauernhof bei Thundorf im Kanton Thurgau zwei Schafe von einem Raubtier gerissen. Die Thurgauer Jagd- und Fischereiverwaltung geht davon aus, dass es ein Wolf war. Der Wolf ist gemäss der Zeitung «Tagblatt» wohl durch einen Spalt im Fenster in den Stall eingedrungen. Der Hof liegt rund einen Kilometer vom Dorf entfernt. Auf dem betroffenen Hof leben mehr als 100 Schafe in einem offenen Laufstall.

In Appenzell war es M109

Mitte November 2019 wurden bei Appenzell insgesamt 2 Schafe von einem Wolf gerissen. Zwei Tiere werden seit dem Angriff vermisst.

Nur eine Woche später wurden auf einer Weide bei Urnäsch AR zwei tote Schafe gefunden. Zwei weitere Tiere fand der Bauer so schwer verletzt im Stall auf, dass sie eingeschläfert werden mussten. Der Wolf konnte genetisch bestimmt werden. Es handelt sich um das Wolfsmännchen M109. Dasselbe Tier wurde am 10. August 2019 am Lukmanierpass und am 14. August 2019 im Gebiet Andermatt ebenfalls genetisch nachgewiesen. 

Ob die Angriffe der letzten Wochen ebenfalls M109 zuzuschreiben sind, ist noch unklar. Die DNA-Analyse steht noch aus. 

SCHWEIZER BAUER
BEKANNTSCHAFTEN
DER SCHWEIZER BAUER AUF YOUTUBE