26.12.2017 10:53
Quelle: schweizerbauer.ch - AgE
Frankreich
Wolfsmanagement ohne Landwirte
In Frankreich haben sich die landwirtschaftlichen Verbände einer weiteren Mitarbeit am zukünftigen Wolfsmanagementplan verweigert.

Der französische Bauernverband (FNSEA), die Junglandwirteorganisation (JA), der Schafzüchterverband (FNO) und der Dachverband der Landwirtschaftskammern (APCA) boykottierten in der vorvergangenen Woche ein dies bezügliches Arbeits- und Informationstreffen mit Vertretern der zuständigen Ressorts.

Uneingeschränktes Recht zur Verteidigung

Die Verbände begründeten ihren Rückzug damit, dass der vorliegende Entwurf des Plans nicht auf ihre seit Mitte des Jahres bekannten Forderungen eingehe. Stattdessen handele es sich um einen „Rückschritt“, der die Weidetierhaltung bedrohe. Agrar- und Umweltressort würden sich auf „technokratische und dogmatische“ Positionen versteifen, die der Weidetierhaltung keine Chance einräumten, beklagten die Verbände. Sie pochten erneut auf ein uneingeschränktes Recht der Weidetierhalter zur Verteidigung ihrer Herden.

Die Voraussetzungen dafür seien vereinfachte Abschussgenehmigungen sowie die Möglichkeit zur ganzjährigen Bestandsregulierung der Wölfe. Zudem müsse die Verantwortung dafür bei den lokalen Präfekten liegen. Außerdem dürften die Entschädigungszahlungen nicht an Bedingungen zu Herdenschutzmaßnahmen geknüpft werden, so die landwirtschaftlichen Vertreter. Bevor die Regierung ihren Entwurf nicht überarbeitet, wollen sie nicht an den Verhandlungstisch zurückkehren.

Diskussion um Hybriden

Zugleich entwickelt sich im Land eine Diskussion um den Artstatus der heimischen Wölfe. Medienberichten zufolge hatte eine Gruppe von Privatpersonen Material von freilebenden Wölfen in einem deutschen Labor analysieren lassen. Dabei hätten sich von 20 vollständig untersuchten Proben alle als von Hybriden aus Hund und Wolf stammend erwiesen. Dieses Ergebnis steht in deutlichem Widerspruch zu einer Untersuchung des Nationalen Büros für Jagd und Wildtiere (ONCFS), bei der im September festgestellt worden war, dass derartige Hybriden nur einen kleinen Anteil an der Wolfspopulation in Frankreich ausmachen.

Der französische Jagdverband (FNC) forderte daraufhin „präzise Antworten“ zum tatsächlichen Ausmass der Hybridisierung in der Wolfspopulation. Die mögliche Vermischung von Wolf und Hund könne den rechtlichen Status des streng geschützten Raubtieres und damit das gesamte Wolfsmanagement im Land in Frage stellen, betonte der FNC.

Politische Motivation

Das ONCFS kündigte an, einen Austausch unter den Fachleuten der beteiligten Analyselabore zu organisieren. Die Behörde erklärte, sie sehe dem Treffen „extrem zuversichtlich“ entgegen, insbesondere da die eigenen Untersuchungen nach anerkannten wissenschaftlichen Standards angefertigt worden seien. Im Übrigen enthalte die neue Studie eindeutig politische Elemente, die nur darauf abzielten, die Ziele des Staates in Frage zu stellen.

Unterstützung erhielt das ONCFS erwartungsgemäss von Seiten der Naturschutzorganisationen. Der Zusammenschluss der Verbände zum Schutz des Wolfes in Frankreich (CAP Loup) sprach von „falschen Studien und echten Täuschungsmanövern“. Die Untersuchungen der Privatleute basierten auf nicht überprüfbaren Angaben; zudem seien die Auftraggeber nicht nur für ihre „Anti-Wolfsideologie“, sondern auch für ihren Hang zu „Verschwörungstheorien“ bekannt. Der Wolfsmanagementplan der Regierung fand indes auch bei CAP Loup wenig Anklang. Es handele sich um einen „Schafsplan“, der keinerlei Lösungen anbiete. Stattdessen werde dasWolfstöten fortgesetzt, und zwar ohne dass der Herdenschutz ausgebaut werde.

Die Diskussion um die Zukunft der Weidetierhaltung im Land könnte in Zukunft noch schwieriger werden. Der Jagdverband im Département Haute-Savoie teilte kürzlich mit, dass erstmals ein Goldschakal in Frankreich nachgewiesen worden sei. Zuletzt hatte im Mai ein vermeintlicher Wolfsriss zum ersten Nachweis eines Goldschakals in Schleswig-Holstein geführt.

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