18.12.2018 08:41
Quelle: schweizerbauer.ch - AgE
Frankreich
Wolfspopulation wächst schneller
Die französische Wolfspopulation wächst offenbar schneller als gedacht. Laut einer aktuellen Erhebung des Nationalen Büros für Jagd und Wildtiere (ONCFS) werden die zur nachhaltigen Sicherung des Bestandes angestrebten 500 Tiere voraussichtlich zum Ende des Winters 2018/19 erreicht.

Der Wolfsmanagementplan der französischen Regierung sieht diese Zahl als Richtwert vor, um die geschützte Art zuverlässig erhalten zu können. Beim Erreichen der angestrebten Populationsgrösse will Paris den Erfolg der Massnahmen überprüfen und anpassen - geplant war das allerdings für 2023.

Indes haben sich die Wölfe in Frankreich den Angaben des ONCFS zufolge nicht nur vermehrt, sondern auch ausgebreitet. Die Behörde verzeichnete im laufenden Jahr 85 Zonen mit permanenter Präsenz. 2017 waren es erst 74. Die Zahl der registrierten Wolfsrudel stieg im selben Zeitraum von 57 auf zuletzt 72. Laut ONCFS wächst die Population insbesondere in den alpinen Regionen der Provence, wo sich auch der Verbreitungsschwerpunkt befindet. Lücken im Vorkommen würden geschlossen, aber auch völlig neue Gebiete besiedelt. 

Die Vereinigung zum Schutz von Bär, Wolf und Luchs (Ferus) wies darauf hin, dass sich die Raubtiere ausschliesslich im Kerngebiet des Vorkommens fortpflanzen würden. Dies sei kein natürlicher Zustand. Die für eine lebensfähige Population vorausgesetzte Zahl von 500 Individuen sei zudem nicht mehr Stand der Wissenschaft. Genetiker würden für ein langfristiges Überleben 1'000 bis 5'000 Tiere empfehlen. Ferus kündigte ferner an, bei der Europäischen Kommission Beschwerde gegen die französische Regierung einzureichen. 

Grund ist ein Dekret des Präfekten der Region Auvergne-Rhône-Alpes, Pascal Mailhos, demzufolge bei der Verteidigung gegen Wölfe auch tödliche Schüsse abgegeben werden dürfen. Die jährliche Entnahme ist eigentlich auf 51 Wölfe begrenzt. Diese Zahl wurde Ende November erreicht. Das Dekret sieht indes keinerlei Obergrenze vor. Laut Ferus ermöglichen im ganzen Land mittlerweile viele solcher Dekrete den Abschuss von Wölfen. Der Staat nehme wissentlich die Gefährdung des Erhaltungszustandes der Art in Kauf und verstosse daher gegen europäisches Recht. Laut der Direktion für Umwelt, Raumordnung und Wohnen (DREAL) Auvergne-Rhône-Alpes wurden im laufenden Jahr 19 der 51 getöteten Wölfe bei der Abwehr von Angriffen erlegt.

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