24.04.2013 08:43
Quelle: schweizerbauer.ch - sda
Forschung
Zackenbarsche benützen Zeichensprache
Zackenbarsche jagen gerne mit Muränen, Napoleon-Lippfischen oder Kraken zusammen. Dabei weist der Zackenbarsch seine Komplizen mittels Gesten auf versteckte Beutetiere hin, berichten Forschende der Uni Neuenburg. Bisher war Zeichensprache im Tierreich nur von Menschenaffen und Raben bekannt.

Dies ist das erste Mal, dass deutende Körperhaltungen oder Gesten bei Fischen beschrieben worden sind, teilte die Uni Neuenburg am Dienstag mit. Die Resultate wurden am Dienstag im Fachblatt «Nature Communications» veröffentlicht.

Benötigen Hilfe beim Jagen

Diese Jagdgruppen, die aus verschiedenen Tierarten zusammengesetzt sind, hat das Team um den Verhaltensökologen Redouan Bshary von der Uni Neuenburg auf den Korallenriffen in Ägypten und Australien beobachtet. Beteiligt waren auch Kollegen von der britischen Universität Cambridge.

Da sie zu gross sind, um sich in kleine Spalten im Riff zu zwängen, brauchen die Zackenbarsche Hilfe beim Jagen. Deshalb tun sie sich mit anderen, beweglicheren Spezies zusammen. Wenn der Zackenbarsch eine potenzielle Mahlzeit entdeckt hat, positioniert er sich vertikal mit dem Kopf nach unten vor dem Versteck. Dabei schüttelt er in regelmässigen Abständen den Kopf. Dies scheint das Signal für die Muräne oder den Lippfisch zu sein, dass er ein Beutetier gestellt hat. Interessanterweise verstehen seine Komplizen zwar dieses deutende Signal, können aber selbst keine solchen erzeugen.

Nicht so «dümmlich»

Dies beweist, dass die Kommunikationsfähigkeiten in einer Lebensgemeinschaft auch bei recht einfachen Organismen hoch entwickelt sein können, schreibt die Uni Neuenburg. Die Forscher  konnten solche deutenden Gesten bei zwei Zackenbarschenarten beobachten.

Zwar sind die kognitiven Mechanismen, die der Zeichensprache zugrunde liegen, unbekannt, schreiben die Forschenden. Dennoch beweist diese, dass Fische nicht so «dümmlich» sind wie oft angenommen wird. Der Panther-Forellenbarsch kann bis zu 25 Minuten vor einer ihm entwischten Beute warten, bis er sie kopfüber an einen Jagdpartner signalisiert. Dies entspricht etwa der Gedächtnisleistung von Menschenaffen.

Schlüssel der Sprache

Bisher waren Gesten, die einen Partner auf ein Objekt im beidseitigen Interesse aufmerksam machen, nur bei Menschen, Menschenaffen und Rabenvögeln bekannt. Diese Fähigkeit gilt als Schlüssel zur Entstehung von Sprache.

Damit eine Geste als Zeichensprache gelten darf, muss sie fünf Bedingungen erfüllen: Sie muss auf ein Objekt deuten, keinen mechanischen Nutzen haben, sich einen möglichen Empfänger wenden, bei diesem eine willkürliche Antwort auslösen und Anzeichen dafür aufweisen, dass sie absichtlich sind (Intentionalität).

Gesten nicht so selten

Die Forscher vermuten aufgrund ihrer Beobachtungen, dass der Gebrauch von Zeichensprache im Tierreich vermutlich gar nicht so selten ist, wie landläufig angenommen wird. Bei Haushunden und Delfinen in Gefangenschaft wurden Gesten beobachtet, die zumindest einigen der genannten Kriterien entsprechen.

In der Wildnis könnten auch andere Vögel diese Kunst beherrschen, zum Beispiel solche, die ihren Geschlechtspartnern nicht-essbare Objekte als «Hochzeitsgeschenk» präsentieren. Im Reich der Insekten haben die Bienen eine komplexe Symbolsprache entwickelt, um ihre Schwestern auf Nahrungsquellen hinzuweisen.

Studien zur Neurophysiologie haben unlängst gezeigt, dass die Belohnungssysteme in den Gehirnen von Fischen ähnlich sind wie die von Säugetieren. Die Forscher betonen, dass bei Untersuchungen von solchen kognitiven Prozessen künftig vermehrt berücksichtigt werden sollte, in welchem ökologischen Kontext sie entstanden sind.

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