26.08.2018 08:20
Quelle: schweizerbauer.ch - sum
Tiere
Zebus gehen in Mittagshitze weiden
Kari Bürgi aus Lauerz SZ hält Zebu-Mutterkühe. Gerade in der Hitze dieses Sommers hat sich die Rasse bewährt.

Die lange Hitzeperiode hat auch den Kühen zugesetzt – allerdings nicht allen gleich viel. Eine Rasse, die naturgemäss gut an tropisches Klima angepasst ist, ist das Zebu. «Die Zebus sind in dieser Hitzeperiode eigentlich immer an der Sonne gewesen. Jeweils um 15 Uhr in der Mittagshitze gehen sie weiden», bestätigt Kari Bürgi. Er führt in Lauerz SZ den Zebuhof. 

Schattenplätze vorhanden

Auf dem Biobetrieb bietet er mit seiner Frau Nadia agrotouristische Events wie das Farmersgolf an, hat in seinem Partylokal Platz für bis zu 60 Gäste und betreibt einen Wohnmobil-Stellplatz. Und er bewirtschaftet 16ha Land und 10ha Alpweide, die er von zu Hause einsehen kann: «Die 14 Mutterkühe sind gegenwärtig auf der Alp, 7 Maststiere, 8 Aufzuchtrinder und 2 Zuchtstiere auf dem Heimbetrieb. Auf der Alp bieten Baumgruppen theoretischen Sonnenschutz, auf der Weide können die Rinder am Waldrand in den Schatten, und die Maststiere haben einen Unterstand im Stall. Aber die Zebus nutzen die Möglichkeiten nur selten.»

Auf die Rasse Zebu ist Bürgi vor gut zehn Jahren gestossen, nachdem er zuvor Aufzuchtrinder gehalten hat. «Zuerst habe ich Dexter angeschaut, aber die Wirtschaftlichkeit war wegen des teuren Zukaufs einer Herde nicht gegeben», erinnert er sich. «Im Basler Zoo stiessen wir erstmals auf die Zebus und haben gemerkt, dass die Rasse im süddeutschen Raum sehr verbreitet ist. Wir haben dort mehrere Betriebe angeschaut und dabei erfahren, dass es anspruchslose Tiere sind, die perfekt auf unseren extensiven Betrieb passen.» 

Ein Zebu, eine GVE

Die Tatsache, dass er aufgrund der Futtergrundlage viele Tiere halten könne, sei interessant wegen der Direktzahlungen – schliesslich zählt eine Zebu-Mutterkuh 1 Grossvieheinheit (GVE) wie alle Fleischrinderrassen, sie frisst aber nur zwei Drittel so viel wie eine Limousin- oder Simmental-Kuh. Mit der Anpassung von 0,8 auf 1GVE für Mutterkühe hat Bürgi allerdings die Tierzahl auf dem Heimbetrieb und der Alp anpassen müssen. «Ich konnte aber mit dem Landwirtschaftsamt eine gute Lösung finden, damit ich auf der Alp die Flächen abweiden kann.» 

1000kg Fleisch verkaufen

Der Nachteil der Rassenwahl: Bürgi musste den Fleischverkauf neu aufbauen. Zebufleisch passt in kein Markenprogramm. Alles Fleisch, das sind 100 bis 120 kg pro Schlachttier oder rund 1000 kg pro Jahr, wird direkt verkauft – entweder in der eigenen Gastronomie, als Trockenfleisch auf Herbst- und Weihnachtsmärkten oder als Frischfleisch über die Homepage.

Im Winter werden den Zebus Raufutter und Grassilage verfüttert, im Sommer füttert Bürgi zur Weide etwas Heu zu: «Zebus sind sehr genügsam, und Standortverschiebungen sind nicht unbedingt ihr Hobby, sie wollen lieber in die alte Weide zurück als eine neue Fläche bestossen.»

Hitzeresistent und Robust
Das Zebu oder Buckelrind (Bos indicus) stammt von einer anderen Unterart des Auerochsen ab als unsere Rinder (Bos taurus). Es wird ursprünglich vor allem in tropischem und subtropischem Klima gehalten und ist  besser an die Hitze angepasst als unsere Rinderrassen. In Afrika sind viele Rinderrassen aus Kreuzungen zwischen Zebus und Bos-taurus-Rindern entstanden. Seit dem 20. Jahrhundert hat man auch in anderen tropischen Klimazonen Zebus in Rinderrassen eingekreuzt, um sich deren Hitzeverträglichkeit und Krankheitsresistenz zunutze zu machen. sum

Auch Brombeeren werden gefressen
Zwergzebus sind gut geeignet zur Extensivhaltung und zur Pflege von kargen oder überwucherten und mit Büschen versetzten Flächen. Diese werden vom Zwergzebu ohne Probleme abgeweidet. Selbst Brombeeren, Heckenrosen und andere Sträucher werden laut Kari Bürgi gefressen. Das Zwergzebu hat ein dunkles Fleisch mit einem leichten Wildgeschmack, das im Geschmack kräftiger ist als «normales» Rindfleisch, aber dezenter als Wild. Das Zwergzebufleisch ist cholesterin- und fettarm. Die Zubereitung erfolgt  gleich wie beim Rindfleisch. sum

Diverse Zebus
Grösse und Gewicht der in der Schweiz gehaltenen Zebus variieren. Unterschieden werden Nelore (grossrahmig), Brahman (mittelrahmig) und Zwergzebu (kleinrahmig). 2017 waren bei Mutterkuh Schweiz 154 Zebukühe und 23 Stiere registriert. sum

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