Freitag, 20. Mai 2022
22.01.2022 07:00
Rindviehhaltung

Wie viel Geld bringt die Kuh von morgen?

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Von: lid

In der Nutztierzucht ist nachhaltig gefragt – nachhaltig wirtschaftlich. Die Kuh von morgen soll robust, fit und trotzdem produktiv sein. Ein neues, geldlich ausgelegtes Zuchtwertsystem soll Züchterinnen und Züchtern den Weg zur wirtschaftlichen Kuh erleichtern.

Unter anderem mittels Zucht – also sorgfältigem Abwägen der entsprechenden Genetik – haben unsere Nutztiere in den vergangenen gut 50 Jahren eine enorme Leistungssteigerung vollzogen. Die Konzentration auf Leistungszucht bei Milchkühen beispielsweise hat zu einer Verdoppelung der Milchleistung geführt.

Gerade eine gesteigerte Milchleistung hat neben weiteren Faktoren allerdings auch bewirkt, dass Milchkühe immer grösser gezüchtet wurden, was gesundheitliche Herausforderungen mit sich brachte und sich entsprechend wieder negativ auf die Wirtschaftlichkeit der Tiere auswirkte.

Dank der Tierzucht wurden aber auch Erbfehler korrigiert oder Probleme wie extreme Schwergeburten bei Kühen eliminiert.

Neue, «gesündere» Zuchtziele

Trotz den Fortschritten der Tierzucht werden die Erfolge der tierzüchterischen Tätigkeit und Tierzuchtorganisationen aus der Sicht des Tierschutzes gerade aufgrund der Leistungszucht zum Teil auch kritisch hinterfragt.

Unter anderem darum, besonders aber auch aufgrund von wirtschaftlichen Überlegungen, hat die Zucht von landwirtschaftlichen Nutztieren in der Schweiz in den letzten Jahrzehnten einen substanziellen Wandel durchlaufen: Standen bei Kühen früher Mengenmerkmale wie Milch- und Fleischleistungen im Vordergrund, sind seit einigen Jahren die sogenannt funktionellen Merkmale oder Fitnessmerkmale auf dem Vormarsch und Eigenschaften wie Langlebigkeit, Fruchtbarkeit, Gesundheit, Robustheit, Stoffwechselstabilität sowie Futtereffizienz werden im Sinne der Ressourceneffizienz zunehmend höher gewichtet.

Die Züchterinnen und Züchter haben erkannt, dass die funktionellen Eigenschaften die wirtschaftliche Bedeutung ihrer Kühe bei dem bis heute erreichten Leistungsniveau steigern. Allerdings sind gerade die funktionellen Eigenschaften züchterisch schwieriger zu verbessern, da ihre Erblichkeit nicht so hoch ist wie bei den leistungsbedingten Merkmalen.

Monetärer Zuchtwertindex

Um also die wirtschaftliche Kuh der Zukunft zu züchten, braucht es ein optimales Zusammenspiel der verschiedenen relevanten züchterischen Merkmale. Diese relevanten Zuchtmerkmale müssten aber neu und rassenspezifisch gewichtet werden, ist die IG Neue Schweizer Kuh überzeugt. Die IG verfolgt das Ziel der Förderung und Unterstützung der Zucht von effizienten Milchkühen für eine wirtschaftliche Milchproduktion auf der Basis von Grasland und anderen inländischen Raufutterflächen.

Als Teilprojekt des «Wiesenmilch-plus»-Projektes der Schweizerischen Agentur für Innovationsförderung Innosuisse hat die IG zusammen mit der Produzentenvereinigung IP-Suisse und unter der Leitung der Hochschule für Agrar-, Forst- und Lebensmittelwissenschaften (HAFL) den monetären Swiss Index (SWI) erarbeitet, der eine fundierte und wissenschaftlich belegte Grundlage für die Zucht auf Basis eines geldlich und entsprechend wirtschaftlich ausgelegten Zuchtwertsystems liefern soll.

Dazu hat die HAFL Rohdaten von 37 Milchwirtschaftsbetrieben, die graslandbasierte Milch produzieren, und umgerechnet 7’264 Kuhjahren erhoben und ausgewertet. «Daraus ist nun der erste monetäre Zuchtwert entstanden, welcher den wirtschaftlichen Mehrwert der passenden Genetik in Franken pro Jahr aufzeigt», erklärt Michael Schwarzenberger, Geschäftsführer der IG Neue Schweizer Kuh.

Weniger Exterieur, mehr Fitness

Als Grundlage für die Schätzung des SWI monetär dient ein Modell, das den vergleichbaren Deckungsbeitrag pro Kuh und Jahr kalkuliert. Milcherlös; unter Beachtung von Nutzungsdauer, Zwischenkalbezeit sowie Erstkalbealter auch der Verkaufserlös oder die Remontierungskosten (den Bestand mit Jungtieren zu ergänzen); Kosten für Ergänzungsfutter; Besamungs- und Tierarztkosten fliessen in das SWI-Berechnungsmodell ein.

In der Summe erhalten die Fitnessmerkmale die höchste Gewichtung: So wird die Nutzungsdauer zwar nicht ganz so stark gewichtet, dafür werden die Hauptabgangsursachen wie Fruchtbarkeit und Eutergesundheit, welche die Nutzungsdauer einer Kuh extrem verringern können, stärker berücksichtigt.

Daneben gewichtet der neue monetäre SWI auch Exterieurmerkmale weniger stark als dies andere Zuchtwertsysteme tun. Tatsächlich würden viele Züchterinnen und Züchter heute noch sehr auf Exterieurmerkmale schauen, was die Auswertung der in der Schweiz heute meistgenutzten Holstein- und Braunvieh-Stieren im Vergleich zur Bewertung mit dem neuen monetären SWI zeige, erklärt Michael Schwarzenberger.

Genpoker

Mit dem neuen SWI soll das genetische Potential eines Stieres also in Franken umgemünzt werden und die Bäuerinnen und Bauern, je nachdem ob sie Milch- oder Zweinutzungsrassen im Stall stehen haben, für ihren Betrieb den Stier mit den wirtschaftlichsten Aussichten auswählen können. Und obschon das neue System für die Berechnung zwar Fixpunkte setze, obwohl biologisch oder konventionell bewirtschaftete sowie Tal- oder Bergbetriebe keinesfalls zu vergleichen seien, so variiere die Ertragsseite zwischen den Betrieben im Endeffekt in der Regel massiv weniger als die Kostenseite, sagt Michael Schwarzenberger: «Der neue Zuchtwert zeigt darum Geld.»

Der monetäre Swiss-Index-Zuchtwert, der als Frankenwert angegeben wird, könne gleich wie andere Zuchtwerte interpretiert werden und lasse entsprechend Vergleiche zwischen den Stieren der jeweiligen Rassen zu, führt Michael Schwarzenberger weiter aus. So mache ein Stier mit einem SWI von 600 seine Töchter um 300 Franken pro Jahr genetisch besser, wenn sie einmal ins Produktionssystem eingeführt wird.

Der neue monetäre SWI gliedert sich durchaus gut in die Tierzuchtstrategie des Bundes ein, die sich an den drei Pfeilern der Nachhaltigkeit ausrichtet: Wirtschaftlichkeit, Ökologie und Soziales. Sicher stärkt der neue monetäre Zuchtwert vor allem die Wirtschaftlichkeit, der höhere Gewinn der aufgrund des SWI-Zuchtwertes gezüchteten Kühe von morgen wird laut IG aber bei gleichen Umweltbedingungen erzielt und ist entsprechend nachhaltig – nachhaltig wirtschaftlich.

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2 Responses

  1. Auch diser SWI wird nichts drann ändern solange die Züchter nicht bereit sind etwas zu ändern. Seit Jahren gewichten wir auf unserem Betrieb die Funktionellen Merkmale, die Milchqualität und Inhaltstoffe höher als das Exterieur. Nachwievor wird man auch belächelt wenn man von BS wider zurück zum Original Braunvieh kehrt, trotzdem lassen wir uns nicht beirren den es passt es auf unsser Betrirb.
    Das Hauptproblem liegt aus meiner sicht bei der Führung von Holstein-/ Braunvieh Schweiz

  2. Wenn ich das von Holstein aus betrachte, komme ich zum Schluss das die funktionellen Mermale im Iset richtigerweise stark gewichtet werden.
    Beispiel Rang 1 töchtergeprüft, Zarek hervorragende Fitnesswerte gute Leistung positive Gehalte. Die Zuchtverbände haben ihre Aufgaben längstens gemacht.

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