Samstag, 5. Dezember 2020
24.10.2020 18:20
Pflanzenschutz

Wollschwein reduziert Erdmandelgras

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Von: blu

Schweine als Unkrautvernichter: Auf einem Feld im Kanton Zug haben Freilandschweine im Rahmen eines Versuchs nach dem Problemunkraut Erdmandelgras gewühlt und dieses reduziert. Die Mandeln sind für die Schweine ein Leckerbissen.

Das Erdmandelgras breitete sich auf Schweizer Äcker immer mehr aus. Die zur Familie der Sauergräser gehörende Pflanze wurde vermutlich über Zwiebelsetzlinge in unser Land eingeführt. In Ländern wie Spanien wird das Erdmandelgras zur Ernährung angepflanzt.

Vermehrung über Wurzelknöllchen

Gemäss dem Strickhof belegt die Pflanze den Platz 16 auf der Liste der weltweit gefährlichsten Unkräuter. «Es handelt es sich um ein sehr anpassungsfähiges und hartnäckiges Ungras, das nur mit einschneidenden Massnahmen in seiner Ausbreitung gehindert werden kann», schreibt der Strickhof aus seiner Website.

Durch die erschwerte Bekämpfung breitet sich die Pflanze immer mehr aus und wird zu einer Gefahr für die Nutzpflanzen, unter anderem für Futtergräser, Zuckerrüben, Mais oder Kartoffeln. Eine Vermehrung findet vor allem über die Wurzelknöllchen (Erdmandeln) statt. Sobald sich diese im Boden angesammelt haben, können ohne Bekämpfung ganze Felder innerhalb weniger Jahre überwuchert werden. Folgen sind grosse Ertragsausfälle und eine verminderte Produktequalität.

Testfläche von 20 Aren

Woll- und Turopolje-Schweine seien für ihre starke Wühl- und Suchtätigkeit bekannt, teilte der Kanton Zug am Donnerstag mit. Diese Eigenschaft wollte dieser nutzen und lancierte in Zusammenarbeit mit der Forschungsanstalt Agroscope einen Versuch mit dem Ziel, den Erdmandelgrasbestand auf einer mit dem invasiven Neophyten verseuchten Fläche zu dezimieren.

Auf einer Fläche von rund 20 Aren im Gebiet Bibersee in der Gemeinde Cham ZG, die mässig mit Erdmandelgras verseucht war, durchwühlten die Schweine im Herbst 2019 den Boden sehr intensiv auf. «Nach kurzer Zeit war die Fläche umgewälzt», heisst es in der Medienmitteilung. Fütterungstests zeigten, dass diese Mandeln für die Schweine ein Leckerbissen sind.

Die Überwachungen mit einer Langzeitkamera zeigten, dass vor allem dort, wo die dichtesten Bestände von Erdmandelgras waren, eine sehr hohe Wühlaktivität stattfand, heisst es weiter.

Anzahl Pflanzen nimmt deutlich ab

Die Anzahl Erdmandelgraspflanzen pro zehn Liter Boden nahmen laut René Total von Agroscope am Ende des Versuchs deutlich ab im Vergleich zu den Proben vor dem Versuch. Da die Fläche jedoch nicht sehr stark mit Erdmandelgras besiedelt war, konnten nur wenige Proben gezogen werden. Der Versuch müsste daher allenfalls auf einer stärker verseuchten Fläche wiederholt werden.

Der Aufwand für die Betreuung der Schweine sei aber nicht zu unterschätzen. Und: Die Bekämpfung des Erdmandelgrases mit Hilfe der Schweine sei keine hundertprozentige Lösung, heisst es. Freilandschweine könnten aber bei der Bekämpfung von Erdmandelgras zur ersten Reduktion des Problemunkrauts verhelfen.

Harte Blätter

Harte Blätter  Die harten, braunen Mandeln des Erdmandelgrases sehen Erdkrumen ähnlich. Sie treiben mehrfach aus und überleben mehrere Jahre. Die Knöllchen sind sehr klein (2 bis 15mm) und werden leicht über Maschinen verschleppt. Warme Witterung, Bewässerung und nährstoffreiche Böden beschleunigen Wachstum und Mandelgrösse. Die Bildung neuer Knöllchen beginnt ab Juni. Das Erdmandelgras unterscheidet sich deutlich von anderen Gräsern und kennzeichnet sich durch einen dreikantigen Stängel, eine V-förmige Blattmittelrinne und durch die hellgrüne Farbe. Die Blätter sind hart und schwer benetzbar. sum

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