Freitag, 5. März 2021
08.01.2021 11:13
Forschung

Ziegen mögen Denksport

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Von: sda/blu

Ziegen bereitet das Problemlösen offenbar Spass: Sie entscheiden sich oftmals für den komplizierten Weg, um eine Belohnung zu erhalten – obwohl diese auch einfacher zu ergattern wäre. Das berichten Forschende im Fachmagazin «Scientific Reports».

Für diese Studie wurden 30 Milchziegen, die für eine hohe Milchleistung gezüchtet sind (Saanenziegen und Gämsfarbige Gebirgsziegen sowie Kreuzungen der zwei Rassen) und 27 Zwergziegen, die nicht auf Produktivität gezüchtet sind, bei Agroscope in Tänikon (TG) getestet.  

Die Tiere hatten freien Zugang zu Nahrung, damit ihr Verhalten beim Experiment nicht durch Hunger beeinflusst wurde. Sie waren durch frühere Experimente zudem bereits daran gewöhnt, eine Schiebetür mit einem Maul zu öffnen. «Diese Bewegung korrespondiert auch ihrem natürlichen Verhalten, da Ziegen nicht nur weiden, sondern bevorzugt auch Büschedurchstöbern, um an Blätter zu gelangen», schreiben die Forscher.

Für ihr Experiment stellte das Forscherteam die Ziegen vor eine Entscheidung: Ein Leckerli erwartete die Tiere hinter einer verschlossenen Schiebetür, die sie mit ihrer Schnauze öffnen konnten.

Nicht alle Zuchtlinien gleich

Gleichzeitig stand ein zweites Leckerli – ein Stück rohe Pasta – zur mühelosen Selbstbedienung hinter einer offenen Tür bereit. Resultat: 53 der 57 teilnehmenden Ziegen wählten über zehn Versuche mindestens einmal die Belohnung hinter der geschlossenen Tür.

Allerdings verhielten sich nicht beide Ziegen-Zuchtlinien gleich: Die Milchziegen zeigten ein über die Versuchsreihe gleichbleibendes Interesse an der verschlossenen Tür und näherten sich ihr schneller als der offenen Tür. Das kann gemäss den Forschenden als Hinweis gedeutet werden, dass die Herausforderung die Ziegen motiviert. Die Zwergziegen zögerten zunächst, entschieden sich dann aber zunehmend für die geschlossene Tür.

Überraschendes Ergebnis

«Mit dem Interesse der Zwergziegen hatten wir gerechnet, da es bereits bei einem ähnlichen Experiment beobachtet worden war», sagte Katrina Rosenberger vom Forschungsinstitut Agroscope gemäss einer Mitteilung des Schweizer Nationalfonds (SNF).

Das Verhalten der Milchziegen überraschte das Team hingegen: «Wir hatten erwartet, dass die für hohe Milchleistung gezüchteten Nutztiere ihre Energie sparen und weniger motiviert sein würden, sich für eine Belohnung anzustrengen», sagte die Forscherin. Vor allem, wenn dieselbe Belohnung auch ohne Anstrengung zur Verfügung stehe.

Freude an Kontrolle über Umwelt

Die Vorliebe für lösungsorientierte Handlungen ist auch bei anderen Haustieren sowie in Zoo lebenden Tieren bekannt. Die Kontrolle über die Umwelt löse wohl positive Gefühle aus, die die zusätzliche Anstrengung aufwiege, sagte Nina Keil, ebenfalls von Agroscope.

Ob dieses Verhalten auch Wildtiere zeigen, weiss man nicht. Die Forschenden möchten ihr Experiment nun unter realen Bedingungen auf einem Bauernhof durchführen.

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