28.05.2017 16:59
Quelle: schweizerbauer.ch - Raphael Bühlmann
Luzern
«17 Hektaren sind eine Existenz»
Sind 17 ha eine Existenz? Nein sagt der Gemeinderat, Ja sagen Anwohner. Der Hof Grämlis wird zum Politikum mit Zündstoff.

Es war eine breite Allianz, die sich kürzlich im Altersheim Kirchfeld auf der Horwer Halbinsel formierte. Der anstössige Quartierverein, Vision Landwirtschaft, der Verein pro Halbinsel, die Kleinbauernvereinigung  – und das erstaunt vielleicht am meisten –, auch die bäuerlichen Nachbarn waren anwesend.

Thema war der Hof Grämlis. Ein 17-Hektaren-Betrieb im Besitz der Gemeinde Horw und dessen bisherige Pächter, die Familie Heer,  die nach 46 Jahren die Verantwortung abgeben darf. 

Junge stünden bereit

Der Gemeinderat sah eigentlich vor, den Betrieb als Einheit aufzulösen, das Land den umliegenden Betrieben zu verpachten. Begründet wird dieser Schritt unter anderem damit, dass der Hof in den vergangenen Jahren einen jährlichen Verlust von rund 4000 Franken schrieb. Auch die Wohngebäude müssten für rund 1,3 Mio. Franken saniert bzw. neu gebaut, werden.

Man wolle lieber wenige dafür überlebensfähigere Betriebe auf der Horwer Halbinsel, so das Fazit der Exekutive. Diese rein ökonomischen Überlegungen stiessen bei der versammelten Bürgerschaft am Mittwoch jedoch auf wenig Verständnis. Es wäre schade, wenn etwa Schulklassen den Hof nicht mehr besuchen könnten. Es sei schliesslich nicht mehr selbstverständlich, dass die Kinder wüssten, woher die Milch komme, lautete etwa ein Argument.

Innovative Hofsuchende

Auch stünden gerade in der Zentralschweiz zahlreiche junge und innovative Hofsuchende bereit und würden den Betrieb mit viel Herzblut weiterführen. Zu den geäusserten wirtschaftlichen Bedenken des Gemeinderats hatten die Anwesenden auch einen Strauss von Ideen und Zahlen parat, wie es mit dem Grämlis-Hof auch in Zukunft weitergehen könnte (vgl. Kasten).

Mit Nebenerwerb, Direktvermarktung oder etwa Schule auf dem Bauernhof gebe es für den zentral gelegenen Betrieb sicher Möglichkeiten für die Zukunft.

Planungsbericht abwarten

Nicht anwesend am Anlass war der Gemeinderat. Er liess aber ausrichten, dass man in dieser Sache erst den in Auftrag gegebenen Planungsbericht vom September abwarten wolle. Damit würde eine Auslegeordnung der Interessen vorgenommen, und man könne abschätzen, mit welcher politischen Unterstützung man je nach Entscheid rechnen könne.

Der Betrieb Grämlis umfasst 17 Hektaren landwirtschaftliche Nutzfläche und 1,8 Standardarbeitskräfte. Für die weitere Existenz wurde an der Versammlung folgende Einkommensschätzung zusammengestellt:

Produkterträge: 80'000 Fr.
Direktzahlungen: 40'000 Fr.
Nebenerwerb: 25'000 Fr.
Mietwert: 20'000 Fr.
Pachtzins: 30'000 Fr.
Betriebskosten: 45'000 Fr.

Daraus ergebe sich ein jährliches Einkommen von 90'000 Franken oder ein Stundenlohn von 18 Franken. rab 

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