2.11.2017 17:04
Quelle: schweizerbauer.ch - blu
Agropreis-Verleihung
Bschorle gewinnt Agropreis!
Am Donnerstagnachmittag wird im Berner Kursaal der Agorpreis-Sieger erkoren. Bei der Jubiläumsausgabe kann die Jury aus vier Projekten auswählen. Nebst dem Agropreis werden auch ein Leserpreis und ein Saalpreis vergeben. schweizerbauer.ch berichtet live von der Verleihung des 25. Agropreises. ->> Mit Video

17.05 Uhr: Nun ist es klar. Den mit 20'000 Franken dotierte Agropreis geht in den Kanton Appenzell Innerrhoden. Das Mischgetränk Bschorle vermochte die Jury am meisten zu überzeugen. Die Familie Klee hat dem Mostobst wieder neuen Wert verliehen. Die Mischung aus Apfel- und Birnensaft und Bier kommt bei den Konsumenten gut an. «Jedes Projekt habe gewichtige Stärken und einige Schwächen», sagte Roland Stähli, Leiter Lehre an der Hochschule Zollikofen und Jurypräsident. Für den Sieg eine Kombination verschiedener Kriterien entscheidend. Der Agropreis zeige, dass Innovation in der Landwirtschaft möglich sei. Gesiegt habe jenes Projekt, dass sich verständlich präsentiert und die Jury am meisten überzeugt habe, so Stähli. Hier gehts zum Bericht 

Beurteilungskriterien

Ausgezeichnet werden Projekte, die eine innovative Leistung geschaffen haben und sich in der Praxis bewähren. Sie müssen:

  • innovativ
  • marktorientiert
  • wirtschaftlich
  • ökologisch
  • der Qualität verpflichtet sein
  • einen langfristigen Nutzen erzielen

17.02 Uhr: Den Saalpreis vom Publikum geht an die Aemmeshrimp aus dem Kanton Bern. Die Familie Kunz aus Burgdorf kann sich über den Preis im Wert von 2000 Franken freuen. Hier gehts zum Bericht

17.00 Uhr:
Nun wird der Leserpreis von "Schweizer Bauer" und "Terre&Nature" vergeben. Der mit 3000 Franken dotierte Preis geht in den Kanton Aargau. Die Familie Schmid mit der Bauernhofkita gewinnt. Hier gehts zum Bericht

16.50 Uhr:
 Jacques Bourgeois, Direktor des Schweizer Bauernverbandes, ist stolz auf die Kreativität und Innovationsfähigkeit der Landwirtschaft. Er ist auch stolz, dass der Bauernverband seit 25 Jahren das Patronat hat. Der Bericht des Bundesrates zur Weiterentwicklung der Agrarpolitik sei ein Affront gegenüber den Bauernfamilien. Vor allem auch im Rückblick auf die Abstimmung zur Ernährungssicherheit. Der Vorlage haben knapp 80 Prozent der Abstimmenden zugestimmt. «Dies sei ein Missachten des Volkswillens», macht der Bauernverbandsdirektor unmissverständlich klar.

16.36 Uhr: Die Jury zieht sich nun zurück. Und das Publikum muss sich entscheiden, wer den Saalpreis von 2000 Franken gewinnen soll.

16.25 Uhr:
Als letztes Projekt tritt die Familie Kunz aus Burgdorf BE auf die Bühne. Auf 32 ha werden Kartoffeln und Gemüse produziert. Statt Schweine produzieren die Berner nun Garnelen, weil sich die Schweinezucht nicht vergrössern liess. Wie die Algen-Produzenten betraten sie damit Neuland. Das Wissen über die Shrimp hat sich die Familie in den USA angeeignet. 2015 wurden die ersten Larven, diese kommen aus den USA, in die Becken eingelassen. Während 5 Monaten reifen die Tiere heran. Die Zucht ist sehr anspruchsvoll, Antibiotika werden nicht eingesetzt. Die Garnelen werden auf Bestellung frisch geerntet. Andere Landwirte können die Lizenz für die Produktion bei der Familie Kunz benantragen. 9000 t Crevetten werden derzeit in die Schweiz importiert, die Familie Kunz will einen Teil davon produzieren. Produziert wird in einem Kreislaufsystem. Das Wasser sei 2.5 Jahre alt, so die Famile. Dies ist wichtig, denn die Shrimps leben gerne im alten Wasser.

16.15 Uhr:
Die Familie Etique aus Montignez JU ist die ersten Spirulina-Algen-Produzentin. Der Alge werden gesundheitsfördernde Effekte zugeschrieben. Dank der Algen können die Jurassier ihre Infrastruktur, das Gewächshaus, optimal ausnützen. Dort werden während wenigen Wochen im Jahr Tabaksetzlinge hergestellt. Nun werden dort auch Algen produziert. In der eher abgelegenen Gegen in der Ajoie konnten sich die Etiques ein neues Standbein aufbauen. Auch Etiques bringen ihr Projekt mit einer theaterähnlichen Darbietung dem Publikum näher. Mathieu Etique sagt, man suchte nach einer Lösung, um das Gewächshaus für die übrigen 11 Monate nutzen zu können. Sie mussten tütfteln, um den richtigen PH-Wert und die richtige Temperatur herauszufinden. Im Wasserbecken werden seit diesem Sommer die Algen produziert. Verkauft wird das getrocknete Produkt hauptsächlich über das Internet.

16.02 Uhr: Nun folgen mit Andrea und Fredi Klee aus Oberegg AI. Dank dem Trendgetränk Bschorle können sie Hochstammbäume erhalten. Das Verwerten des Obstes war zuvor für die Bauern nicht lukrativ. Die Bauern haben die Äpfel liegen gelassen. Das Bschorle-Team bringt ihr Projekt in einer Mischung von Theater und Information dem Publikum näher. Um das Mischgetränk vermarkten zu können, haben sich mit der Brauerei Locher einen professionellen Vermarkter beigezogen. Diese hat die gesamte Ernte  zum vereinbarten Preis übernommen, und dies mittels Handschlag. Die Firma Locher tüftelte und entwickelte ein Getränk, dass den Nerv der Zeit getroffen hat. Das Mischgetränk besteht aus 28 Äpfel- und Birnensorten. Weitere Bauern sind gesucht. Und je mehr Bauern mitmachen, desto mehr Hochstammbäume bleiben erhalten. "Wir wollten den Bäumen und Äpfeln einen Wert verleihen", sagt Fredi Klee. Der Bauer hat keine Abzüge auf dem Mostobst. Und mit der Brauerei Locher habe man einen Lottosechser realisiert. Über dessen Vertriebsnetz gibt es das Getränk in der gesamten Schweiz zu kaufen, so unter anderem in 120 Coop-Filialen.

15.51 Uhr:
Nun präsentieren sich die Nominerten in einer vierminütigen Darbietung. Den Anfang macht die Bauernhof-Kindertagesstätte von Sandra Schmid Koch aus Uezwil AG. In einem Video bringen sie ihr Projekt näher. In einem hervorragendem Film zeigen sie ihren Hof. Der Betrieb benötigte einen zweites Standbein. Dieses fanden sie in einer Kita. Fünf Personen betreuen rund 12 Kinder. Die Kinder gehen auch auf den Hof und helfen mit. So erleben sie die Tiere und die Landwirtschaft hautnah. "Die Kinder sind unsere Konsumenten der Zukunft", so Sandra Schmid Koch. Es lohne sich deshalb, den Kindern die Landwirtschaft näher zu bringen. Sie bringen den Kindern auch bei, dass man Lebensmittel nicht verschwendet und dass Tiere geschlachtet werden müssen, um Fleisch essen zu können. Ein Drittel des Betriebseinkommen wird heute über die Kita generiert.

15.40 Uhr:
Nun wird die Nominationsprämie von 5000 Franken den Nominierten übrerreicht. Es sind dies 

Bauernhof-Kita, Uezwil AG
Spirulina-Algen, Montignez JU
Aemmeshrimp, Burgdorf BE
Obstgetränk Bschorle, Oberegg AI

15.30 Uhr: 
Peter Spuhler, Inhaber des Schienenfahrzeughersteller Stadler Rail, zeigte sich eher überrascht über die Anfrage für den Agropreis. «Vielleicht war es wegen dem Landtechnikhersteller Aebi oder meinem Mitmachen beim Komitee für Ernährungssicherheit», so Spuhler. «Wir alle sind Unternehmer – Industrie und Landwirtschaft – und das verbindet uns», so Spuhler. Die Industrie und die Landwirtschaft hätten nicht immer die besten Voraussetzungen. Die Landwirtschaft bezüglich Topographie und Regulationen, die Industrie mit den wirtschaftlichen Bedingungen wie den Wechselkurs. Spuhler nennt die Aufwertung des Franken im Januar 2015.

Spuhler ist mit seinem Unternehmen vor allem im Export tätig. Deshalb sei es wichtig, dass die Bauern die gleichen Voraussetzungen hätten wir ihre Kollegen in der EU. Man könne jedoch nicht immer einen Schutzmechanismus haben. «Man muss sich dem Markt stellen», macht Spuhler deutlich. Am Agropreis sehe man gute Beispiele für Unternehmertum und Innovation. Dank Mut, Fleisch und Einsatz habe es die Schweiz weitgebracht. «Mut, Nervenstärke, Gelassenheit und Leidenschaft ist wichtig für die Landwirtschaft und die Schweiz. Innovation ist die Triebfeder. Durchsetzungsvermögen und Beharrlichkeit sind weitere, entscheidende Komponenten», macht Spuhler deutlich.

«Gehen Sie in die neuen Märkte und kämpfen Sie für unser Land», appelliert er an die Landwirtschaft. Ein Votum für mehr Freihandel von Peter Spuhler. Schmezer fragt Spuhler, wie er sich gegenüber der Konkurrenz aus Deutschland und China durchsetzen will. «Ich glaube an uns. Und vielleicht sind unsere Mitbewerber aufgrund von Fusionen mit sich selber beschäftigt», fährt er fort.

15.15 Uhr: 
Spezialpreis des Schweizerischen Landmaschinen-Verbandes (SLV). Bendicht Hauswirth, Jurymitglied des SLV, erklärt, der Verband vertritt rund 200 Mitglieder. 2017 wurden 12 Projekte eingereicht. Es werden Neuheiten und Weiterentwicklungen ausgezeichnet., die sich in der Praxis bewähren. 2017 wurden ein Projekt im Futterbau in Hanglagen ausgezeichnet. Ein selbstgebauter Kreiselheuer zum Wenden des Futters machte das Rennen. Aus einer Idee wurde eine fertige Maschine. Die Maschine hat eine Breite von 8 Meter. Zwei Kuhn-Kreiselheuer von 4 Meter breite wurden zusammengebaut. Der hydraulische Klappmechanismus zeichnet die Maschine aus. Dies erhöht die Schlagkraft mit dem bestehenden Traktor. Erfinder der Maschine ist Simon Hugi aus Zimmerwald BE. Er wird mit dem Spezialpreis von 5000 Franken ausgezeichnet. «Die Idee war es, mit den vorhandenen Ressourcen effizient Futterbau zu betreiben», so Simon Hugi. Die Leistung des Traktors werde optimal ausgenützt. Die Maschine eigne sich optimal für den Hang. Der gelernte Baumaschinenmechaniker konnte sein Wissen einbringen. Er dankt seinem Vater, der sehr viel zum Bau des Kreiselheuers beigetragen hat.

15.08 Uhr:
Emmental Versicherung-Chef Christian Rychen eröffnet mit «Freude herrscht». Der Agropreis feiert Jubiläum, die Austragung jährt sich zum 25. Mal. Drei engagierte Köpfe seien 1992 zusammenkommen. 1993 fand im Hotel Kreuz in Bern zum ersten Mal statt. Vom Hotel Schweizerhof über das Hotel Bellevue landete schliesslich der Agropreis im Berner Kursaal. «Wir begrüssen heute Gäste aus der ganzen Schweiz», so Rychen. Die Emmental Versicherung organisiert den Agropreis seit 25 Jahren. Über 15'000 Gäste haben den Agropreis besucht, 1500 Projekte wurden eingereicht, 1 Million Preisgeld ausbezahlt und rund 65 Preisträger ausgezeichnet. «Die Emmental Versicherung glaubt an die Landwirtschaft und ist ihr verpflichtet. Wir wollen innovative Projekte unterstützen und Fleiss und Einsatz belohnen», so Rychen. Die Emmental Versicherung ist mit der Landwirtschaft eng verbündet. Rund 17'000 Landwirte sind Kunden des Unternehmens. Die Landwirtschaft lebt, so Rychen. Ermunterende Worte nach dem Schock von Mittwoch mit dem Verkünden des Agrarberichts 2022+.

15.01 Uhr: Ueli Schmezer eröffnet den Agropreis. Der neue Trailer entzückt den Moderator des «Kassensturz» vom TV-Sender SRF. Schmezer lobt die engagierten und interessanten Nominierten und Verantwortlichen des Agropreises. Zudem sei alles zukunftsgerichtet. Ihr Fokus sei vorwärtsgerichtet und positiv. Zudem vermittle der Agropreis einheimische Werte.

In wenigen Minuten geht es los im Kursaal. Markus Ritter, Präsident des Schweizer Bauernverbandes, ist heute nicht in Bern. Er wird durch den SBV-Direktor Jacques Bourgeois vertreten. Der Bericht zur Agrarpolitik 2022+ hat beim Bauernverband zu erhöhter Betriebsamkeit geführt.

Sie entscheiden, wer den Agropreis gewinnt: Die Jury

Roland Stähli, Zollikofen BE, Präsident
Daniel Banga, Utzigen BE
Christian Buser, Baden AG
Anne Chevalley, Puidoux VD
Ramona Caduff-Cathomas, Degen GR
Markus Reutimann, Unterstammheim ZH
Fritz Neuenschwander, Rickenbach LU

Preissummen 

Nominationsprämie je 5000 Franken
Spezialpreis SLV/ASMA 5000 Franken
Leserpreis 3000 Franken
Saalpreis 2000 Franken
Agropreis 20'000 Franken

Nomination 2017
 

Bauernhof-Kita, Uezwil AG
Spirulina-Algen, Montignez JU
Aemmeshrimp, Burgdorf BE
Obstgetränk Bschorle, Oberegg AI

Die Sieger der vergangenen Jahre

Sieger 2011: Migis Schoggi Gädeli, Kerns OW
Sieger 2012: Fasstastische Ferien, Trasadingen SH
Sieger 2013: Le Sapalet, Rossinière VD
Sieger 2014: Schweizer Edelpilze, Kerns OW
Sieger 2015: Linsen aus Sauverny, Versoix GE
Sieger 2016: Seidenproduzenten, Hinterkappelen BE

Am Donnerstagmorgen laufen im Kursaal die letzten Vorbereitungen für den Agropreis. Die Nominierten proben, die Technik geht den Ablauf durch. Es werden über 1000 Besucher erwartet. Ab 14 Uhr präsentieren sich die Nominierten im Foyer. Um 15 Uhr beginnt die Verleihung. Zu den Nominierten und Gästen sprechen Peter Spuhler, Inhaber des Thurgauer Schienenfahrzeugherstellers Stadler Rail und Markus Ritter, Präsident des Schweizer Bauernverbandes. Der Bauernverbandspräsident dürfte sich auch zu den Plänen des Bundesrates, den Grenzschutz für die Landwirtschaft herunterzufahren, äussern.
 
Als der Agropreis 1993 zum ersten Mal verliehen wurde, rechnete der Veranstalter «Emmental Versicherung» wohl nicht damit, dass sich der Anlass innert kürzester Zeit zum wichtigsten Innovationswettbewerb der Schweizer Landwirtschaft entwickeln würde. Das Engagement des Versicherers ist aber ein Volltreffer für die hiesige Landwirtschaft. In den vergangenen 25 Jahren wurden mehrere Dutzend Projekte nominiert, die dank ihrer Innovationskraft die Bauernsame der breiten Öffentlichkeit von einer anderen Seite offenbarte. Die Vielfalt und Transformationsfähigkeit der Schweizer Landwirtschaft zeigen auch die Nominierten der Ausgabe 2017. Am Donnerstagnachmittag wird die Jury entscheiden, wer Nachfolger der Seidenproduzenten werden wird. 

Kita oder Shrimps...

Die Familie Schmid Koch aus Uezwil AG hat vor zwölf Jahren nach einem weiteren Standbein für ihren Betrieb gesucht. Dieses fanden sie in einer Kindertagesstätte. Sie haben den Betriebszweig stetig erweitert, denn die Nachfrage war ungebrochen gross. Durch Umstrukturierungen im Betrieb wurden Kapazitäten frei. Nun haben sie die definitive Grösse ihrer Kita erreicht.

Damit zwei Generationen auf dem Betrieb ein Auskommen haben, suchte die Familie Kunz aus Burgdorf BE nach einem Betriebszweig, der sich nicht leicht kopieren lässt. Dafür reisten sie gar bis in die USA. Nun produzieren sie im ehemaligen Schweinestall Shrimps. Sie ernten jeweils nur so viel, wie bestellt wird. Das Kreislaufkonzept ermöglicht eine nachhaltige Produktion.

...und Algen sowie Trendgetränk

Einen gänzlich neuen Markt will die Familie Etique aus Montignez JU für sich besetzen. Im Treibhaus, das im Jahr für zwei Monate für die Tabaksetzlinge genutzt wird, gedeihen nun auch Spirulina-Algen. Den Algen werden gesundheitsfördernde Effekte zugeschrieben. Mit Qualität, Frische und Nähe wollen sie sich am Markt durchsetzen.

Aufgrund der tiefen Mostobstpreise werden Mostäpfel kaum mehr verwertet. Den Hochstammbäumen droht daher das Aus. Die IG Appenzeller Obst suchte nach Wegen, um dies zu ändern. Zusammen mit der Brauerei Locher lancierten die Bauern das Trendgetränk Bschorle. Dieses generiert eine Nachfrage nach Obst und lässt die Appenzeller Hochstammbäume weiter gedeihen.

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