15.09.2013 18:14
Quelle: schweizerbauer.ch - Reto Blunier
Seelandspargeln
Die Rückkehr des verdrängten Gemüses
Im Seeland feiert der Spargel ein Comeback. Eine Produzentengemeinschaft kann dank grösseren Mengen Grossverteiler beliefern.

In leichter Herbststimmung präsentierte sich Ende August die Gemüsekammer der Schweiz. Im freiburgischen Kerzers, im Herzen des Seelands, herrscht aber bereits viel Betrieb. In einer der grössten Ebenen des Landes werden Salate, Tomaten, Blumenkohl und Co. für die kommenden Tage geschnitten und geerntet. Die Gemüsebauern und ihre flinken Erntehelfer sind gefordert.

In Kerzers erlebt ein Gemüse eine Rückkehr nach langer Zeit. Vor 70 Jahren war die Gegend in der ganzen Alpenrepublik bekannt für ihre Spargeln. Sogar Bundesräte liessen sich diesen Leckerbissen nicht entgehen. In den 60er-Jahren des letzten Jahrhunderts wurde das Liliengewächs aber durch importierte Ware zunehmend verdrängt. Es wurde in der Folge nur noch auf kleinen Flächen angebaut, um einzelne regionale Restaurants und Marktfahrer zu bedienen.

Generationenübergreifend

Die vier Gemüsebauern Christian Dick (40), Urs Johner (50), Christian Hurni (29) und Jakob Schwab (65) wollen dies nun ändern. Sie haben deshalb im Jahr 2011 die Produzentengemeinschaft Seeländerspargeln GmbH gegründet. Die Idee des grossflächigen Spargelanbaus wurde durch den Gemüsehändler Spavetti aus Kerzers initiiert.

Dieser suchte im Jahr 2010 per Inserat Produzenten. Christian Hurni kontaktierte zuerst Jakob Schwab, der  bereits über ein  gewisses Know-how im Spargelanbau verfügte. Doch der Abnehmer verlangte Mengen, die Hurni alleine nicht liefern konnte. Die generationenübergreifende Zusammenarbeit bot deshalb zahlreiche Vorteile.

Risiko beim Produzenten

Johner und Dick gesellten sich zum bestehenden Duo hinzu. Die Spargel ist eine Langzeitkultur, die acht bis zehn Jahre Ertrag liefert. «Um nachhaltig produzieren zu können, benötigen wir grosse Fruchtfolgeflächen. Dies können wir nur in der Betriebsgemeinschaft aufbringen», erklärt Jakob Schwab. Das Quartett startete mit 10 Hektaren Weissspargel (2013: 12 Hektaren). Geliefert wurden die Wurzeln aus Deutschland. «Der Lieferant versorgte uns mit Anbautipps», erlärt Hurni.

Das Kultivieren des kalorienarmen Gemüses war auch finanziell ein grosses Risiko. «Wir mussten zuerst den Absatz sicherstellen, bevor wir investieren konnten», führte der jüngste der vier Seeländer, Christian Hurni, aus. So suchten sie den Kontakt über Spavetti aus Kerzers zur Migros und über  Schwab-Guillot aus Müntschemier BE zu Coop. «Eine Absatzgarantie gibt es aber im Gemüsebau nicht. Das Risiko liegt beim Produzenten», fährt Hurni fort. 

Halbe Million investiert

Da ein Grenzschutz fehlt, stehen die hiesigen Produzenten in direkter Konkurrenz zu den ausländischen Erzeugern. Zudem dauert es gut drei Jahre, bis die mit Spargeln belegte Fläche zu rentieren beginnt. Abnehmer der Ware sind hauptsächlich die beiden Grossverteiler, aber auch Marktfahrer, Gastronomen und viele Private decken sich bei den vier Bauern ein. 

Insgesamt haben sie eine halbe Million Franken in Maschinen, Aufbereitungs- und Abpackanlagen und Lagerraum investiert. Die GmbH ist im Besitz der Maschinen, die Teilhaber können diese unentgeltlich benützen. Der Spargelanbau erfordert viel Handarbeit. «Der Spargel benötigt die besten Böden. Diese sollten leicht und sandig sowie wasser- und luftdurchlässig sein», erklärt Hurni. Die Mechanisierung ermöglicht nun den Anbau auch auf etwas schlechterem Untergrund.

Moderne Technik

Geerntet wird in der Regel von Anfang April bis 21. Juni. «Dieses Jahr hat uns das Wetter aber ein Schnippchen geschlagen», resümiert Hurni. Die Ernte begann erst Ende April.

Die vier Seeländer haben viel in die Aufbereitung investiert. «Wir müssen Topqualität liefern, damit wir unsere Kunden nicht verlieren. Oberstes Gebot ist die Frische. Da haben wir einen Vorteil zur ausländischen Konkurrenz», macht Hurni deutlich. Zuerst gelangen die Spargeln in den Schockkühler und werden auf zweiGrad runtergekühlt. «Damit können die Spargeln atmen», erklärt Christian Hurni.

Eine Hightech-Sortiermaschine fotografiert und misst in der Folge die Stangen aus, schneidet sie und weist sie einer der 14 Kategorien zu. Abgerechnet wird aber nach den einzelnen Produzenten. Dazu wird ein Responder auf das Band zur Sortiermaschine gelegt. In diesem Jahr konnten 50 Tonnen Rohware geerntet werden. Im kommenden Jahr können die vier auch Grünspargeln liefern.

Wichtiges Spargelfest

Ein wichtiges Marketinginstrument ist das alljährliche Spargelfest. Dieses Jahr kamen über 3000 Besucher nach Kerzers. «Die Kunden für einheimische Ware zu sensibilisieren, ist Aufgabe des Produzenten», macht Hurni deutlich. Diese seien sich nun bewusst, weshalb einheimische Ware mehr koste und umweltfreundlicher sei. Künftig möchten sie den Anbau vergrössern und die Auslastung verbessern. Und mit geschälten Spargeln wollen sie im Convenience-Segment Fuss fassen.

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