15.09.2013 19:02
Quelle: schweizerbauer.ch - Reto Blunier
Ein Strauss voller Genuss
Die Straussenpioniere halten alles in einer Hand
Eberles gelingt es, fast sämtliche Teile des Strausses zu verwerten. Sie sind so erfolgreich, dass die Nachfrage das Angebot übersteigt.

Lieblich gepflegte Felder und Tausende Hochstammbäume charakterisieren das Gebiet östlich von St.Gallen, und auch die Hügel des Appenzellerlandes sind bereits zu sehen. Aufgrund der Nähe zur 73'000 Einwohner zählenden Stadt und auch wegen der tiefen Steuern hat sich die Bevölkerungszahl in Mörschwil markant vergrössert. Die gute Erreichbarkeit des Dorfes hat sich das Ehepaar Eberle zunutze gemacht.

Pioniere in Sachen Strauss

Eberles gelten als Pioniere in Sachen Strauss. 1994 haben sie die ersten Laufvögel erworben. «Ich suchte eine Alternative, um längerfristig aus der Milchwirtschaft auszusteigen», erklärt Cornel Eberle. «In der Schweiz hielt zu dieser Zeit praktisch noch niemand Strausse. Wir sahen hier eine Nische für unseren Betrieb, denn die Schweiz gehörte zu den grössten Importeuren von Straussenfleisch», fährt er fort.

So starteten Eberles vor knapp 20 Jahren mit 6 Jungtieren. Ein Tier kostete zu jener Zeit noch 5000 Franken, heute liegt der Preis bei rund 300 Franken. 1994 existierte nur ein Buch auf Deutsch über Straussenhaltung. «Der Inhalt machte uns nicht Mut. So stand geschrieben, dass die Wärme liebenden Tiere in unseren Breitengraden nicht überleben würden und Nässe nicht mögen», erzählt Cornel Eberle leicht lächelnd. Sie wurden eines Besseren belehrt.

100% Direktvermarktung

Die Straussenhaltung wurde in der Folge sukzessive ausgebaut. Vor allem der grosse Erfolg beim Absatz des Fleisches beflügelte Regula und Cornel Eberle. 2002 gaben sie die Milchviehhaltung auf, das Kontingent wurde verkauft. Der Abschied fiel ihm nicht so schwer, hatte der 46-Jährige doch nie gerne gemolken.

Heute halten Eberles 150 Aufzuchtstrausse. Diese werden auf dem Betrieb geschlachtet und das Fleisch über Direktvermarktung abgesetzt. Der Transport entfällt, die Umweltbelastung ist im Vergleich zum Import  klein. 25 Tiere werden für die Zucht benötigt. Neben den Straussen leben 160 weibliche Rinder zur Fleischproduktion auf dem Betrieb. Seit Kurzem halten Eberles auch einige Galloway-Rinder, und auch Truten sind auf dem 19,5 Hektaren grossen Betrieb zu finden.

Galloway und Truten als Ergänzung

Daneben bewirtschaften die St. Galler über 1000 Hochstammbäume. Die Kombination mit der Straussenhaltung ist genial. Die Tiere grasen rund um die Bäume und erledigen so die Mäharbeiten. Auf dem Betrieb arbeiten drei Lehrlinge und ein Mitarbeiter mit einem Handicap. Zudem hilft der Vater von Cornel Eberle im stolzen Alter von 80 Jahren tatkräftig mit.

Die Truten und die Galloway-Rinder werden als Ergänzung zu den Straussen gehalten. «Unser Fokus liegt klar auf den grossen Vögeln. Mit Rind- und Trutenfleisch können wir unsere Angebote erweitern», erklärt Regula Eberle. Die Familie hält die ganze Wertschöpfung von Brüten über Aufziehen, Schlachten bis hin zum Verkauf auf dem Betrieb. «Wir wollen den Detailhandel nicht beliefern. Unser Ziel war es, die Abhängigkeit zu reduzieren», macht die 42-Jährige deutlich.

Alles verwertet

Die Innovation auf Eberles Hof liegt aber bei der Verwertung der Strausse. «Wir veredeln praktisch sämtliche Teile – über 90 Prozent – der Tiere. Schlachtabfälle werden zu Hundefutter, die gesalzenen Häute verkaufen wir, aus einem Teil der  Eier produzieren wir Teigwaren, Meringues und Eierlikör, Eierschalen und Federn sind äusserst begehrt als Dekomaterial», führt Cornel Eberle aus.

Besonders die Wertschöpfung für das Tierfutter ist bemerkenswert. Statt für die Abfälle Entsorgungsgebühren zu bezahlen, werden diese getrocknet oder als Frischfleisch an Hundehalter verkauft. Wertloses wird so wertvoll. «Die Nachfrage ist hier noch grösser als beim Fleisch», hebt Eberle hervor.

Nebst der Direktvermarktung baute die sechsköpfige Familie einen Partyraum, um Gäste auch auf dem Betrieb zu verköstigen. Zwei Teilzeitangestellte helfen hier mit. Zudem werden auch Betriebsführungen angeboten. «Dank diesen beiden Zusatzelementen können wir den Absatz von Straussenfleisch zusätzlich erhöhen», macht Eberle deutlich. Die Straussenhaltung generiert rund 60 Prozent des Einkommens der Familie, mit den Hochstammbäumen und der Rindermast wird das restliche Einkommen erzielt.

Qualität als Schlüssel

«Wir werden von unseren Kunden förmlich überrannt. Die Nachfrage ist deutlich höher als das Angebot», führt Regula Eberle aus. Aber wieso ist das so? «Die Kunden wollen heute wissen, wo und wie produziert wird», fährt sie fort. «Wir sind ein offener Betrieb. Die Kunden können den Betrieb besichtigen, so schaffen wir Vertrauen.  Die zahlreichen Medienberichte haben unseren Bekanntheitsgrad markant erhöht», erklärt die ausgebildete Kauffrau.

«Die Kunden sind dann auch bereit, mehr zu bezahlen. In der Qualität liegt der Schlüssel für die hiesige Landwirtschaft», hebt der Meisterlandwirt hervor. Zudem werden bei den Straussen keine Medikamente eingesetzt, ein weiteres Verkaufsargument.

Kürzlich haben Eberles eine Fotovoltaikanlage in Betrieb genommen. Als Nächstes wollen sie den Zuchtstraussen ein neues Zuhause bauen. Dem Tierwohl wird ein grosser Stellenwert beigemessen. Die Anzahl Tiere soll mittelfristig auf 250 Stück anwachsen. So könne die Nachfrage besser befriedigt werden, erklärt das Ehepaar unisono.

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