Montag, 27. Juni 2022
10.03.2022 15:33
Auszeichnung

Diese Landwirte holen den Prix Climat

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Von: blu

Erstmals wird in diesem Jahr der Prix Climat verliehen. Die Jury hat den Betrieb Slow Grow aus Mönchaltorf ZH mit der «Mosaiklandwirtschaft» zum Sieger erkoren. Der Publikumspreis geht in die Innerschweiz. 

Mit dem Preis will die Klima-Allianz zeigen, wie die Landwirtschaft der Zukunft aussieht. «Mit dem Prix Climat erhalten Konsumenten einen Einblick in die wichtige Arbeit von klimafreundlichen Betrieben und deren Produkte. Zudem sollen die klimafreundlichen Ansätze unserer Finalisten andere Landwirte inspirieren», sagte Loïc Schwab, Projektleiter des Prix Climat, im Vorfeld der Verleihung. Insgesamt gingen 60 Bewerbungen ein, 6 Projekte wurden von der Jury als Finalisten ausgewählt.

Schaufenster bieten

Die Lebensmittelproduktion sei nicht nur Mitverursacher der Klimakrise, sondern auch ein
wichtiger Teil der Lösung, teilen die Organisatoren am Donnerstag mit. Der Preis soll der klimafreundlichen Landwirtschaft ein Schaufenster bieten. «Es gibt nicht den einen Weg hin zu einer klimafreundlichen Landwirtschaft. Trumpf ist vielmehr die Vielfalt der ökologischen Ansätze», erklärte Hans Rudolf Herren, Träger des Welternährungspreis und Gründer der Stiftung Biovision, an der Preisverleihung.

Die Jury hat sechs Projekte zur Auswahl: Agroforst, Fermes de Savanes, Apples VD; Mobgrazing, Familie Schönbächler, Rickenbach LU; Herbstzeitlose, Familie Koch-Mathis, Root LU; SlowGrow, Matthias Hollenstein, Samuel Bähler & Petrissa Eckle, Mönchaltorf ZH; Haferdrink, Biohof Hübeli, Leandra Brusa & Urs Marti, Kallnach BE; Bächlihof, Martin Jucker & Stefan Bächli, Jona SG.

Grosses Potenzial: Biodiversität und Produktion

Die siebenköpfige Jury hat schliesslich das Projekt SlowGrow zum Sieger des Prix Climat gekürt. Slow Grow entwickelt seit acht Jahren neuartige Anbaumethoden. Das Ziel: das natürliche Potenzial der Böden und Pflanzen in einem funktionierenden Ökosystem nutzen zu können. Slow Grow zeige, dass die Verbindung von Biodiversität und Produktion ein grosses Potenzial habe, um Kohlenstoff in die Böden zurückzuführen, erläuterte die Jury ihren Entscheid. «Mit ihrem innovativen Projekt zeigt SlowGrow, so wie alle Nominierten, neuartige Produktionsverfahren, die insbesondere für das Klima vorteilhaft sind», sagt Jurymitglied und alt BLW-Direktor Bernard Lehmann.

Nebst dem Prix Climat konnte auch das Publikum einen Sieger ermitteln. Insgesamt gingen rund 6500 Stimmen ein. Der Publikumspreis ging mit 1’872 Stimmen an das Projekt Herbstzeitlose der Familie Koch-Mathis aus Root LU. Der Betrieb setzt auf auf standortgerechte Fleischproduktion und sensibilisiert die Kunden für einen bewussten Fleischkonsum.

Das Preisgeld hat eher symbolischen Charakter: Jeder nominierte Betrieb erhält 1000 Franken sowie eine
Hofplakette. Der Gewinnerbetrieb des Publikumspreises erhält zudem weitere 500 Franken. Ob der Prix Climat 2023 wieder ausgetragen wird, ist noch nicht ganz klar. «Die erste Ausgabe des Prix Climat war ein voller Erfolg», bilanziert Loïc Schwab. Die Klima-Allianz prüft deshalb, ob sie den Prix Climat weiterführen wird.

Sieger: SlowGrow, Matthias Hollenstein, Samuel Bähler & Petrissa Eckle, Mönchaltorf ZH

Mosaiklandwirtschaft bedeutet, dass Felder in Traktorspurstreifen aufgeteilt werden. Entlang dieser Anbaustreifen werden Maschinen effizient genutzt, quer zu den Anbaustreifen erhält man hohe räumliche Diversität, mit Kulturen von Gemüse, Getreide, Gründüngungen und Beeren. Dies erlaubt eine hohe Biodiversität unter und über dem Boden und die Ausbildung von Wechselwirkungen zwischen benachbarten Kulturen, ihren Botenstoffen, Microbiota, Pilznetzwerken, Insektenpopulationen etc. Die bepflanzten Fahrspuren werden dabei mit einem präzisen GPS im «controlled traffic farming» (CTF) befahren.
Eine wichtige Rolle spielt bodenbedeckener Mulch, der als Nahrung für das Bodenleben dient, Beikräuter vermindert, teuren manuellen Jätaufwand und mechanische Bodenbearbeitung reduziert, sowie Feuchtigkeit eingeschlossen und bei starken Niederschlägen vor Verschlämmung und Erosion schützt.

Betrieb
Land: über 20 Hektaren, Gemüsebau, Ackerbau & Spezialkulturen, Mosaiklandwirtschaft, Regenerative Landwirtschaft, Vertrieb über Solidarische Landwirtschaft

Publikumspreis: Herbstzeitlose, Familie Koch-Mathis, Root LU

Im Projekt Herbstzeitlose wird graslandbasiert Rindfleisch produziert, stressfrei mit Hoftötung geschlachtet, die Kunden mit Aktionen (Gäste vor Ort, Grillkurse Nose to tail) sensibilisiert und Paten für nachhaltigen Fleischkonsum angeboten. Durch solidarische Landwirtschaft werden Konsumenten selbst zu Bauern. Die Basis des Projekts bilden fünf alte Mutterkühe der Schweizer-ProSpecieRara-Rasse Rätisches Grauvieh, die eigentlich geschlachtet werden sollten. Sie sind die «Herbstzeitlosen» und erhalten auf der Obermettlen eine zweite Chance. Dadurch verlängert sich ihre Nutzungsdauer, was sich positiv auf ihre Ökobilanz auswirkt. Jedes weitere Kalb, das sie auf die Welt bringen, erhält acht Paten, sogenannte Herbstzeitlose-Paten. Jeder Pate bezahlt zwei Jahre lang einen Franken pro Tag und wird nach zwei Jahren mit einem Fleischanteil am «Herbstzeitlose-Beef» beteiligt. Während den zwei Jahren kann er an Bauernhoftagen aktiv auf dem Bauernhof mitarbeiten und so einen Einblick erhalten, welche Arbeiten, wieviel Zeit und dass ein Lebewesen hinter einem Bissen Fleisch steckt.

Betrieb
Land: über 6 Hektaren, Grasland, Bergzone 1, Biologischer Landbau, Tiere: 5 Mutterkühe mit Kälbern und einige Weidebeef (max. 15 Tiere), Solaranlage, Solidarische Landwirtschaft (Tierpatenschaften)

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