26.07.2018 09:50
Quelle: schweizerbauer.ch - ber
Luzern
LU: Kommt das Stacheldraht-Verbot?
Der Kanton Luzern trifft umfangreiche Abklärungen, weil Monique Frey als Fraktionschefin der Grünen der Meinung ist, Stacheldrähte sollten von Weiden und Alpen verbannt werden. Die Bauern begrüssen dieses Vorhaben nicht. Für sie fehlen die Alternativen zu Stacheldrähten.

Stacheldrähte seien schlecht sichtbar und zudem wegen der scharfen Stachelspitzen für Mensch und Tier sehr gefährlich, sagt Monique Frey zur Luzerner Zeitung. Die Fraktionschefin der Grünen reichte kürzlich in dieser Sache ein Postulat ein. Darin hielt sie fest, Wild- und Weidetiere könnten sich verletzen und würden danach oft qualvoll eingehen.

Sie sehe die grösste Gefahr von Stacheldrähten entlang von Waldrändern, weil Wildtiere bei Gefahr in Wälder flüchten- und dabei die Stacheldrahtzäune schlecht sehen können. In einem Vorstoss fordert Agronomin Frey, dass keine neuen Stacheldrahtzäune errichtet werden dürfen. Zudem sollen herumliegende Drähte so schnell als möglich entfernt werden. Der Kanton soll praxistaugliche, sichere und einfacher zu installierende Alternativen künftig fördern.

Vorstoss wird geprüft

Ob Stacheldrähte im Kanton Luzern ein Problem darstellen, kann Thomas Meyer, Abteilungsleiter Landwirtschaft bei der Dienststelle Landwirtschaft und Wald, derzeit nicht beurteilen. Im Zusammenhang mit der Beantwortung des Vorstosses von Monique Frey wird nun eine Auslegeordnung gemacht.

Gemäss Kantonsgesetz hat die Regierung für die Beantwortung von Postulaten ein Jahr Zeit. Diese Frist will das Bau-, Umwelt- und Wirtschaftsdepartement jedoch nicht ausreizen. Wann genau die Stellungnahme erfolgt ist noch offen.

Tierärzte bekommen keine Meldungen

Wie schwer sich Tiere durch Stacheldrähte verletzen, ist nicht bekannt. Wie der stellvertretende Kantonstierarzt Martin Brügger auf Anfrage der Luzerner Zeitung sagte, würden beim kantonalen Veterinärdienst keine Meldungen zu Stacheldraht-Verletzungen eingehen. Was aber nicht bedeute, dass es keine Verletzungen gebe. Schliesslich sei niemand verpflichtet, den Behörden solche Vorfälle zu melden.

Dennoch sind die Metalldrähte umstritten. Für das Einzäunen von Pferden, Alpakas und Lamas sind Stacheldrähte laut eidgenössischem Tierschutzgesetz verboten. Dies, weil Fluchttiere vom Charakter her einem höheren Risiko von Verletzungen ausgesetzt seien. Für den Schweizer Tierschutz reicht dieses beschränkte Verbot nicht. Seit Jahren weist er darauf hin, dass sich auch Kühe, Schafe oder Ziegen an Stacheldrähten verletzen würden.

Indirekte Einschränkung


In vielen Bündner Gemeinden sind Stacheldrähte verboten. Indirekt schränkt auch der Kanton Luzern die Verwendung ein: Indem er ihren Einsatz in den Richtlinien für die Ausrichtung von Geldern für mehrere Landschaftsqualitätsbeiträge ausschliesst.

Bauern erhalten nur dann 35 Franken pro Durchgang auf einem Wanderweg, wenn dieser ohne Stacheldraht errichtet worden ist. Oder es werden nur dann 2 Franken pro Laufmeter Holzlattenzaun und Schärhäge bezahlt, wenn diese traditionellen Abgrenzungen ohne Stacheldrähte auskommen. Zudem weist die Dienststelle Landwirtschaft und Wald in einem Merkblatt auf die Verletzungsgefahr für Tiere hin.

Bauernverband findet Verbot nicht sinnvoll

Der Luzerner Bauernverband erachtet ein grundsätzliches Verbot von Stacheldrahtzäunen als «nicht sinnvoll». Auf den Alpen werde Stacheldraht oft eingesetzt, weil es keine Alternativen gebe. Der Strom für Elektrozäune sei oftmals nicht vorhanden und Holzlattenzäune seien noch aufwändiger zu errichten als Stacheldrähte. Im Talgebiet sei der Einsatz von Stacheldrähten sowieso kein Thema. Deshalb erachtet der Verband ein Verbot als unnötig.

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